Mittwoch, 5. Februar 2020

Unsere 2. geplante Hausgeburt - Hallo Winterbaby! (Teil 1)

 Ich habe im Laufe dieser letzten Schwangerschaft mehr und mehr wahrgenommen, wie viele Frauen sich inzwischen so sehr eine Hausgeburt wünschen. Gerne möchte ich diese werdenden Mamas mit meiner zweiten Hausgeburt-Erfahrung weiter dazu ermutigen. 

Ihr lieben Frauen, erfüllt euch unbedingt diesen Wunsch, insofern gesundheitlich nichts dagegen spricht und bemüht euch so früh wie möglich (!) um eine liebevolle und kompetente Betreuung. Sprecht außerdem mit eurem Partner über die Gründe eures Geburtswunsches. Es gibt nicht wenig Argumente, die für eine Hausgeburt sprechen. Eine angenehme und gewohnte Umgebung unterstützt u.a. eine reibungslose Geburt, die Schmerzen fühlen sich weniger intensiv an und durch die Ruhe und Gemütlichkeit sorgt sie aus meiner Sicht für ein viel größeres Wohlbefinden. Meine absolut allerliebste Hebamme namens Christine könnte an dieser Stelle anfangen auszuholen und euch noch ausführlicher weitere Grunde erläutern, warum sie sich ganz klar für Hausgeburten ausspricht. Vielleicht kann sie an anderer Stelle mal alleine und in voller Länge zu Wort kommen, insofern ihr Interesse daran habt.

 Ich werde beispielsweise nie vergessen, wie unfassbar schmerzhaft die Wehen unter der zweiten Geburt während der nicht enden wollenden Autofahrt waren. Jeder Hügel, jedes Schlagloch war einfach unerträglich. 

Wusstet ihr, dass bei unseren Nachbarn in den Niederlanden eine Hausgeburt etwas ganz Gewöhnliches ist? Die Zahlen dazu variieren online sehr, aber es ist dort ganz klar mehr verbreitet und wird sehr viel natürlicher angesehen als bei uns in Deutschland. 

Um mich nun aber unserer zweiten Hausgeburt zu widmen, belasse ich es bei diesem kurz angerissenen Vorwort. 



Diese Fotos zeigen den Morgen des 15.01.2020, der errechnete Entbindungstermin liegt bereits seit zwei Tagen hinter uns. Bevor wir zur Hebamme fahren, treibt es uns bei schönstem Sonnenschein und milden Temperaturen noch einmal runter an den See. Die fast schon frühlingshafte Atmosphäre macht allen unheimlich gute Laune. Die anschliessende Kontrolle bei unserer Hebamme verläuft eher unspektakulär. Unsere liebe Christine betreut uns nun zum dritten Mal und jedes Wiedersehen ist ebenso vertraut wie erfreulich. Die beiden Kleinen waren bei fast jeder Vorsorgeuntersuchung dabei, sie fühlen sich bei ihr inzwischen schon fast wie zu Hause. 

Am Nachmittag treibt es uns nun noch ein zweites Mal ans Wasser. Wir unternehmen einen ausgiebigen Spaziergang. Die Kinder schnappen sich dazu alle drei ihre Roller und rasen gemeinsam um die Wette. 

Am frühen Abend Zuhause angekommen fühlt sich die Geburt unseres Winterbabys irgendwie noch immer weit weg an. Während dem nun folgenden Abendessen verspüre ich erstmals leichte, aber komplett schmerzfreie Wehen. Auch, wenn sie keinen Schmerz auslösen, so fühlen sie sich anders an als die sog. Übungswehen. Sie kommen zwar immer wieder, aber ernst nehmen kann ich sie irgendwie noch nicht. Schließlich hatten wir das schon ein paar Tage zuvor über einen Zeitraum von 5 Stunden und plötzlich hörte es dann mitten in der Nacht doch wieder auf. 

So bringen wir am besagten Abend irgendwann die Kinder ins Bett und ich entscheide mich dazu, zur Entspannung doch noch ein Bad zu nehmen. Auch danach stelle ich keine Steigerung der Intensität fest. Es tut sich also nichts weiter, so dass auch mein Mann und ich entspannt ins Bett gehen und gegen 23:30 Uhr gemeinsam einschlafen. 

Zwei Stunden später werde ich überraschend von einer Wehe geweckt. Ich bleibe zunächst erstmal liegen und warte etwas ab. Die Wehen kommen immer wieder, aber sie sind bis hierhin irgendwie immer noch schmerzfrei. Innerlich bin ich nun aber doch irgendwie aufgeregt und kann nicht mehr einschlafen. Gegen 2:00 Uhr setze ich mich also ins Wohnzimmer, schnappe mir mein MacBook und lasse mich vom Trash-TV berieseln. 🙈 Ich bin trotz der vierten Schwangerschaft nach wie vor total unsicher, was den weiteren Verlauf dieser Nacht angeht. Bis 3:00 Uhr verändert sich nicht wirklich etwas, so dass sich langsam auch etwas Frust ausbreitet. Über das Babyfon höre ich, dass der kleine Löwe plötzlich wach wird. Ich gehe ins Schlafzimmer, lege mich zu ihm, streichle sein Köpfchen und versuche ebenfalls weiterzuschlafen. 

BÄM! Da ist sie! 
Die erste wirklich unangenehme Wehe, die mir endlich Gewissheit gibt, dass das kleine Winterbaby sich nun ganz sicher auf den Weg gemacht hat ❤️ Wie aufregend! Mein Herz klopft plötzlich schneller, die Gedanken überschlagen sich. Ich stehe also wiederholt auf und beobachte nun die Abstände der Kontraktionen. Sie sind ganz unterschiedlich, manchmal liegen 7, 8 Minuten dazwischen, manchmal aber auch nur 4 Minuten. Sie dauern durchschnittlich etwa 45 Sek. an. Alles, was ich bereits vorbereitet und zurechtgelegt hatte, hole ich nun ins Wohnzimmer. U.a. ein paar Handtücher, 2 Packungen Wickelunterlagen, eine Decke, diese winzig kleine Neugeborenen-Windel, etwas Kleidung für unser Baby und noch einiges mehr.

Es ist so verdammt unwirklich, zu wissen, dass wir in den nächsten Stunden ganz sicher unser viertes Baby in eines dieser Handtücher wickeln werden. Dieses verrückte Wunder der Natur. 

Die Abstände  werden langsam kleiner, die Wehen etwas schmerzhafter. Es klingt für manch einen sicher schräg, aber ich möchte unbedingt in dem selben Kleid entbinden, welches ich schon bei der Hausgeburt unseres Löwenbabys trug. Ich ziehe mich also um, werfe noch eine gemütliche Strickjacke über und wecke um
4:30 Uhr meinen Mann. Er ist ziemlich müde und da ich noch sehr ruhig und entspannt bin, nimmt er die bevorstehende Geburt zunächst gar nicht wirklich ernst - wie irgendwie bei jeder Geburt bisher. Ich sage ihm, dass ich mir Gedanken um die Anwesenheit der Kinder mache. Die Wehen sind noch viel zu leicht, so dass die Kinder sicher wach sein werden, bevor das Baby da sein wird. So grübeln wir kurz und rufen schließlich kurz nach fünf meine Mama an. Wir bitten sie, ganz in Ruhe die Kinder abzuholen. Es ist 5:15 Uhr, die Wehen schmerzen nun doch etwas mehr. Mein Mann massiert inzwischen während jeder Wehe den unteren Rückenbereich, was auch dieses Mal richtig gut tut. Da die Abstände der einzelnen Kontraktionen nur noch bei drei Minuten liegen, wecke ich die beiden Kleinen. Die Große war kurz zuvor bereits von alleine aufgewacht und sitzt schon umgezogen, hellwach und voller Vorfreude auf ihren Bruder auf dem Sofa. Die beiden Kleinen freuen sich riesig auf das Frühstück mit Oma und so bringt mein Mann die komplette Horde um 5:45 Uhr zum Auto und hilft Oma beim Einladen. Alle zwei Minuten kommt nun eine Wehe. Ich muss bei jeder Neuen stehen bleiben und sie konzentriert veratmen. Sie sind schmerzhaft, es ist aber noch relativ gut auszuhalten. 


Ich rufe jetzt meine Hebamme an und bitte sie, sich auf den Weg zu machen. Da wir sehr nah beieinander wohnen, ist sie um 6:10 Uhr bei uns.

Fortsetzung folgt....