Sonntag, 30. Oktober 2016

GASTARTIKEL - Aus dem Bauch in den Sarg geboren.

Mein Name ist Ina, ich bin 33 Jahre alt und Mama von vier wundervollen Kindern.

Es war ein sonniger Tag und wir sind mit unseren beiden Jüngsten, die zu dieser Zeit zwei und knapp ein Jahr waren, auf dem Spielplatz. An diesem Tag spürte ich eine, mir nicht unbekannte Veränderung. Diese kannte ich bereits aus meinen letzten beiden Schwangerschaften. Da dämmerte es mir.
Ich war furchtbar angespannt und wusste nicht, wie mein damals Verlobter reagieren würde.

Unsere Familienplanung war mit drei Kindern definitiv abgeschlossen.
Hatte ich beim dritten Kind schon Bedenken und lange mit mir gerungen, ob ich überhaupt noch eines möchte. Springen wir an dieser Stelle noch einmal etwas weiter zurück. Der Papa wünschte sich das dritte Kind so sehr. Wir entschieden uns schlussendlich also von Herzen dafür. Diese dritte Schwangerschaft verlief bis zur Geburt auch ohne nennenswerte Komplikationen. Als unsere Dritte nach drei Stunden Wehen fast auf der Welt war, kam es trotz guter Überwachung und ohne Anzeichen zu einem Nabelschnurvorfall. Dann ging alles ganz schnell. Ich erinnere mich noch daran, wie mir die Beine vom Boden gezogen wurden und sie mich auf die Liege „fast schon geschmissen“ hatten, um mich in den OP zu schieben. Ich hörte nur wie gefragt wurde, ob die Nabelschnur noch pulsiere und dies verneint wurde. Als ich wieder zu mir kam, war mir nicht klar, ob mein Kind gesund sein würde oder überhaupt am Leben ist. Mein Verlobter stand kurz darauf neben mir und berichtete, dass sie auf der Intensivstation liegt und es ihr gut geht. Im Nachhinein erfuhr ich, dass sie sogar reanimiert werden musste. Dennoch sagten die Ärzte ganz klar, dass keine bleibenden "Schäden" zu erwarten sind. Das war die schönste Nachricht, die man nach so einem Erlebnis erhalten kann. Wie es zu diesem Vorfall unbemerkt kommen konnte, darauf hatten auch die Ärzte keine Antwort.

“Es kommt wahnsinnig selten vor, aber es passiert.“ Diese Worte werden mich nie mehr loslassen… Zu oft habe ich sie nun schon in Bezug auf meine Kinder gehört.

Diese komplette Geschichte führte eben u.a. dazu, dass ich meiner nun erneuten und vierten Schwangerschaft nicht so begeistert war, wie der werdende Papa. Ja, der blühte nach der Nachricht wieder förmlich auf und freute sich wahnsinnig darüber. Ich selbst war innerlich sehr unruhig, mit der Situation komplett überfordert und mit mir selbst sehr im Unklaren. Zwischenzeitlich hatten wir erfahren, dass ich mich bereits am Anfang des dritten Schwangerschaftsmonats befand. Ich wollte ein Beratungsgespräch, welches ich daraufhin ein paar Tage später in Anspruch nahm. In diesem Gespräch wurde mir schnell klar, dass ich es auch mit einem vierten Kind schaffen werde. Die Dame sprach fast unentwegt davon, wo es Hilfe nach einem Abbruch geben würde und wie der Ablauf einer Abtreibung ist. Das zu hören, war für mich der Auslöser. Ich fing an, mich an den Gedanken mit vier Kindern mehr und mehr zu gewöhnen. Jeden Tag freute ich mich mehr darauf. Das Thema Geburt schob ich dabei lange vor mir her. Mein Bauch wurde schnell größer und schon bald spürte ich unser Menschenkind. ♡ Es verlief alles prima. Nur die doch etwas kleine Größe unseres Menschenkindes verunsicherte den Arzt ein wenig, jedoch nicht zu sehr. Es vergingen nunmehr zwei Monate, bis wir uns wieder auf dem besagten Spielplatz befanden und mein Verlobter mich fragte, ob wir nicht endlich heiraten wollen. Ja! Endlich, ich dachte schon, ich würde es nicht mehr erleben. So entschieden wir uns an unserem Jahrestag, der zu diesem Zeitpunkt nur noch 6 Wochen auf sich warten ließ, zu heiraten.

Es waren 6 stressige, aber schöne Wochen. Unsere Hochzeit war trotz Kugelbauch und wenig Zeit ein ganz wundervoller Tag. Es war für uns der Tag, an dem wir uns noch mal ganz bewusst für unsere Liebe, die Familie und die Zusammengehörigkeit entschieden haben.



Weitere Wochen vergingen und die Vorsorgeuntersuchungen waren weiter unauffällig. Es wurde zunehmend anstrengender und mit unseren Kleinen auch recht stressig. Unsere bis dahin Kleinste hatte öfter unruhige Phasen und von Schlaf wollte sie von Anfang an nie viel wissen. Auch die innerliche Nervosität stieg nun zunehmend an. Ich wollte die Kleinste bis zur Geburt gerne abgestillt haben. Außerdem stellte sich die Frage, wie ich entbinden möchte? Kaiserschnitt oder versuche ich es noch einmal auf natürlichem Weg? Auch ein Urlaub war noch geplant, schaffte ich das noch?

Irgendwie konnte ich die Schwangerschaft einfach nicht unbeschwert genießen. Wenn ich abends zur Ruhe kommen wollte, tanzte irgendwie immer eines der Kinder aus der Reihe. Mein Mann kommt am Abend grundsätzlich spät von der Arbeit, so dass ich mich auch nie hätte mal zurückziehen können.

Den Urlaub hatten wir bis auf Senkwehen ohne Strapazen ganz gut verbracht. Wieder zu Hause angekommen war mir klar, dass es nun so langsam Richtung Endspurt geht und ich körperlich etwas langsamer machen muss. Ich bereitete mich innerlich auf die Geburt vor. Unser Menschenkind war immer noch etwas klein, dafür aber sehr aktiv. Ich machte ein Termin zur Geburtsbesprechung und entschied mich nach diesem gegen einen Kaiserschnitt. Mir fiel ein Stein vom Herzen, wobei die Angst nicht von meiner Seite wich. Unsere Jüngste hatte ich inzwischen abgestillt und die Nächte wurden ruhiger. Nun konnte ich mich ganz auf unser Menschenkind einlassen und genoß die letzten Wochen oder Tage, denn zwischendurch waren schon immer mal deutlich spürbare Wehen dabei.

Es war Montag, der 26. September 2016, als ich es nach einem anstrengenden Tag am Abend endlich auf das Sofa geschafft hatte. Ich surfte ein wenig durch das Netz, bis mir aufgefallen war das unser Menschenkind sich noch gar nicht bemerkbar gemacht hatte. Ich stupste etwas gegen den Bauch, aber außer einem harten Bauch tat sich nichts weiter. Ich wurde unruhig, verwarf aber sofort alle negativen Gedanken. Gegen vier Uhr morgens schaffte ich es dann ins Bett, nachdem mein Mann mich auf dem Sofa aufspürte. Schlafen konnte ich nicht. Ich wartete auf ein Zeichen. Am Morgen rief ich direkt im Krankenhaus an und wir fuhren direkt in die Klinik. Im Auto kam ich mir plötzlich so albern vor. „Das war doch unser Menschenkind.“ Es klopfte einmal an, so kurz zwischendurch. Erleichterung verbreitete sich und ich ging ruhig ins Krankenhaus hinein. Dort angekommen gingen wir dann direkt zum Ultraschall. Der Monitor war seitlich von mir gedreht, so dass ich Mühe hatte etwas zu sehen. Die Ärztin schaute lange für sich, ehe dann die Frage kam, ob mein Arzt nie was zur Größe gesagt habe. Ich erwähnte, dass dies nicht ungewöhnlich wäre, da alle unsere Kinder sehr klein waren.

Doch dann sagte sie den wohl schmerzvollsten und schlimmsten Satz, den sie hätte sagen können: „Ihr Baby hat leider keinen Herzschlag mehr.“

Ich lag still da, verarbeitete kurz mal ihre Worte, um dann direkt den Kopf zu schütteln. Ich schaute sie an und sagte, dass dies nicht sein könne, dass das defintiv nicht geht, da wir sie im Auto gerade noch mal gespürt haben! Ja, wir! Denn auch mein Mann hatte sie gespürt.
 Sie schüttelte ruhig den Kopf.  Die vermeidlichen Bewegungen seien durch das Geschaukel im Auto entstanden, mehr nicht. Meine Augen füllten sich langsam mit Tränen, ich blickte zu meinen Kindern und schaute zu meinem Mann. Dann hielt ich meinen Bauch und ich schrie, ich schrie einfach nur. Ich sagte, dass dies nicht wahr ist. Die Ärztin zog einen weiteren Arzt hinzu, doch auch dieser konnte mir natürlich nur das Selbe bestätigen. Kopflos und nicht wissend, was nun kommt, saß ich da.

Mein Mann hatte zwischenzeitlich mit den Kindern den Raum verlassen. Ich frage die Ärztin, weshalb das passiert ist und sie sagte, dass man es mir noch nicht beantworten kann und das es möglicherweise auch für immer unbeantwortet bleiben wird. „So etwas passiert sehr selten, aber es passiert!“ Da waren sie wieder. Diese Worte. Sind sie mir inzwischen doch so vertraut.

Nun saß ich da und versuchte zu verstehen, was sie mir sagte. Dann wurde mir klar, dass mein Menschenkind trotzdem auf die Welt kommen muss. Nur wie? Der Gedanke, mein Baby auf natürlichem Wege zu bekommen, erschien mir so absurd und so fremd. Ich wollte einen Kaiserschnitt und ich wünschte mir, dass alles schnell vorbeigeht. Wir fuhren erstmal die Kinder nach Hause und warteten bis meine Schwiegermama kam. Immer noch kopflos lief ich durch die Wohnung. Ich wollte alles für das Krankenhaus fertig packen, aber das schaffte ich nur bedingt. Nachdem meine Schwiegermama dann da war und alles Notwenidge in der Tasche war, fuhren wir zurück ins Krankenhaus. Ich ließ auf der Fahrt noch mal alles Revue passieren und entschloss mich dazu, alles so zu machen und haben zu wollen, wie wir es uns gewünscht hatten – ob lebend oder tot. Es ist und bleibt unser Baby, unser Menschenkind.

Im Krankenhaus wurde kurz nach Ankunft alles vorbereitet und die Geburt eingeleitet. Meine Angst war erloschen. Die Einleitung zeigte rasch ihre Wirkung und es ging zügig voran. Wir wussten noch nicht einmal, ob wir einen Jungen oder ein Mädchen erwarten würden. Die Schwangerschaft über war ich auch sehr unsicher, was es ist. Es war mir aber auch egal. Intuitiv hatte ich beim Packen der Sachen einen rosafarbenen Stoffhasen mitgenommen.

Ich sollte um 21Uhr in den Kreißsaal kommen, aber bereits um 20:30 Uhr hielt ich es kaum noch aus, so dass wir in den Kreißsaal mussten. Um 21:00 Uhr war unser Menschenkind dann endlich da. Nach monatelangem Warten und all der Neugierde. Da war sie nun, unsere Elin. So zauberhaft, klein, perfekt … und tot. Ich hielt sie fest in meinen Armen. Mein Mann wich nicht von unserer Seite. Wir blieben die ganze Nacht mit unserer Maus zusammen.  




Es waren die wundervollsten, wichtigsten und zugleich schmerzhaftesten Stunden in unserem bisherigen Leben. Zur Erinnerung - der einzigen Erinnerungen, die wir jemals von ihr haben werden - machten wir ein paar Fotos von ihr und ein paar Hand- und Fußabdrücke, sowie ein Kettchen mit ihrem Namen! Doch ich wollte noch etwas ganz Persönliches von ihr. Sie hatte so viele schöne, dunkle Haare und so nahm ich ein paar einzelne Strähnen von ihr an mich. Der Moment, in dem wir sie am nächsten Morgen zurücklassen und sie loslassen mussten, war einfach nur schrecklich.

Von nun an lief alles wie in einem Film – Familie informieren, Bestattungsinstitut aufsuchen etc.. Nachdem alle Formalitäten erledigt und alles besprochen war, nahmen wir eine Woche später endgültig Abschied. Sie sah aus wie ein Püppchen und wir schauten sie uns noch eine ganze Stunde an, bevor mein Mann ( das war sein letzter Herzenswunsch für sie ) und ich, sie gemeinsam zu Grabe trugen. Das war der Moment des Abschieds. Ein Abschied für immer.

"Liebeskummer fühlt sich an wie ein kleiner Tod – das hingegen ist ein riesiger Friedhof, dessen Ende nicht sichtbar ist"

Heute ist es 4,5 Wochen her, seit wir sie verloren haben. Oft bin ich an ihrem Erdenbettchen. Ich weine viel, rede mit ihr und mache es ihr schön. Es ist das Einzige, was mir bleibt und irgendwie hilft.

Wir leben in einem Dorf und ich erfahre viel Stille um das Geschehene, leider auch vieles, was man lieber für sich behalten sollte. Aber unsere Familien und Freunde geben uns viel Halt. Wir haben uns an die initiative Regenbogen gewand und werden gemeinsam eine Selbsthilfegruppe besuchen. Ich hoffe sehr, dass uns das helfen wird.

Unsere Gesellschaft ist leider unheimlich abgeklärt und abgestumpft. Es muss sich noch einiges tun, um die Menschen dafür zu sensibilisieren. Es sollte für Sterneneltern noch viel mehr Hilfe und weitere Anlaufstellen geben.


Wir selbst sind für so viel Einfühlsamkeit, die wir in der Klinik erfahren durften, sehr dankbar. Auch für die Hilfe und den Beistand unserer Familie und Freunde werden wir ewig dankbar sein, denn das ist leider nicht selbstverständlich! 

Ina

Donnerstag, 27. Oktober 2016

6 JAHRE DU - Eine Erinnerung an Worte aus dem Dezember 2015.


Du, die es liebt, sich zu verkleiden, die immer für Gerechtigkeit sorgt und die sich liebevoll um ihre kleine Schwester kümmert, wenngleich diese dich auch mal nerven kann. Du, die Vorsichtige, die Sensible, die absolut Clevere. Du, die wahnsinnig gerne in die Kita geht und sich dennoch auf die Schule freut. Du, die große Naschkatze und kleine Fernseheule, die das Rechnen liebt. Du, die ungeduldig auf den ersten Wackelzahn wartet, die es liebt, auf Trampolinen zu springen, die jeden Tag mindestens ein Bild malt. Du, die gerne kuschelt, die nie ohne ihre Hasenpüppis schläft. Du, die schon ganz genau weiß, was im Leben wirklich zählt, nämlich Familie, Gesundheit und eine große Portion Liebe. 
Du ganz wunderbares Mädchen, was wären wir nur ohne dich? 


Mama und Papa lieben dich! 





Worte, die ich zu ihrem 6. Geburtstag schrieb und hier auf dem Blog gerne für die Ewigkeit festhalten möchte....
❤️

Sonntag, 23. Oktober 2016

GASTARTIKEL - Hausgeburt mit einer unfassbar überraschenden Wendung.

Sommer 2014.

Nach einjähriger, aufreibender Sanierung unserer Wohnung, nach über drei  Jahren, in denen ich fast ausschließlich für unsere damals 2 und 3,5 jährigen Kinder dagewesen war, lief unser Alltag endlich wieder etwas ruhiger, ich teilte mir mit meinem Freund das Kinderbetreuen und Arbeiten besser auf und konnte mir auch sonst wieder einige Freiheiten nehmen, die lange nicht möglich gewesen waren.
Dann war ich wieder schwanger. Ungewollt. Das Baby musste ganz knapp nach meiner Regel entstanden sein. Und das, obwohl ich immer so sicher war, einen ganz gleichmäßigen, zuverlässigen 28-Tage-Zyklus zu haben.
Ich hatte Angst vor Überforderung, nötiger Selbstaufgabe, konnte mir einen Alltag mit 3 Kindern nicht so recht vorstellen. Ich habe zwei Arme, wo liegt dann morgens beim Kuscheln das dritte Kind? Wie kann ich alle drei auf den Schoß nehmen wenn sie sich langsam an ungewohnte Situationen gewöhnen müssen? Mein Freund hatte praktischere Sorgen. „An unserem Küchentisch hat kein 5. Stuhl Platz, die ganze Wohnung habe ich auch nur für 4 Personen gebaut.“  Die gesamte Schwangerschaft konnte er sich nicht mit der Aussicht auf ein Leben mit einem dritten Kind anfreunden. Für mich war das sehr, sehr belastend. Ich fühlte mich allein gelassen mit meinen wenigen Zipperlein und dem schwerer werdenden Alltag mit zunehmendem Bauch. Trotz aller Ängste schloss ich das Baby schnell ins Herz und ein Abbruch wäre nicht in Frage gekommen.
Ich trat wieder mit den Hebammen in Kontakt, die wir schon aus den ersten Schwangerschaften kannten. Wir leben in einer Gegend mit nahezu paradiesischer Ausstattung an außerklinischen Geburtsmöglichkeiten und beide Kinder waren bei uns zu Hause auf die Welt gekommen. Auch hatten wir schon nach den allerersten beiden Ultraschalluntersuchungen beim ersten Kind auf alle weiteren Arztbesuche verzichtet. Wir hatten einfach großes Vertrauen in den natürlichen Lauf der Dinge und fühlten uns von der Frauenärztin unnötig bevormundet und bedrängt. Die Hebammenbetreuung fühlte sich dagegen rundum gut und ausreichend an. So wollte ich es auch in dieser Schwangerschaft wieder handhaben. Ich dachte sogar an eine Alleingeburt. Nicht aus einer Antihaltung irgendwem oder irgendetwas gegenüber, sondern aus dem vertrauensvollen Gefühl heraus eigentlich niemanden außer meinem Freund dabei zu brauchen.
Da unsere ersten Kinder sich noch 7 bzw. 18 Tage nach dem errechneten Termin Zeit gelassen hatten, verschoben wir diesen nun etwas großzügig nach hinten. 4 Tage über dem Termin setzten nachts um 12 die Wehen ein. Ich war irritiert. Ich war so sicher gewesen auch dieses Kind am Tag auf die Welt zu bringen da ich das schon bei den ersten Geburten als sehr wohltuend empfunden hatte. Da die erste Geburt 18 h und die zweite nur noch 8 h gedauert hatte erwartete ich nun einen noch schnelleren Verlauf.  „Gut“, dachte ich, „dann ist das Baby da wenn die Großen aufwachen und wir müssen uns keine Gedanken um deren Betreuung machen“. Als es Zeit zum Aufstehen war, es war Ostermontag, war allerdings noch kein Baby in Sicht und ich arbeitete mich immer noch durch die sachten Wehen, überrascht über den langsamen Fortgang. Um irgendetwas zielführendes zu tun, rief ich unsere Hebamme an, um ihr schon mal mitzuteilen, dass ich sie eventuell im Laufe des Tages brauchen würde. Sie teilte mir mit, dass sie gerade mit einer Frau im Geburtshaus sei und dort auch die nächsten Stunden nicht weg könne. Unsere andere Hebamme sei  noch auf einer Reise. Ich könnte die 3. uns vertraute Hebamme anrufen, diese wäre aber gerade nicht für Geburten versichert und müsste dann noch eine uns unbekannte mit hinzuziehen. Mich bestärkte diese Aussicht nur darin, dass wir unser Baby auch ohne Hebamme empfangen könnten und ich machte mir weiter keine Sorgen. Da ich trotzdem etwas demotiviert war, weil ich das Gefühl hatte es ginge irgendwie nichts recht vorwärts, rief ich die unbekannte Hebamme an und bat sie mal vorbeizukommen um zu ertasten ob das Baby denn  überhaupt in einer günstigen Startposition läge. Sie kam, war uns gleich sehr sympathisch und meinte, die Lage wäre total gut, es bräuchte einfach noch ein wenig Geduld. So bekräftigt hatte ich wieder ein gutes Gefühl und wusste, dass ich auch mit ihr gut gebären könnte. Trotzdem sah ich keine Notwendigkeit sie bei uns warten zu lassen und schickte sie erst mal wieder weg. Nach dem Mittagschlaf der „Großen“ war ich dann soweit, dass ich doch lieber meine Ruhe haben wollte und unsere Mitbewohnerin nahm die beiden Kinder mit zu sich in die Wohnung. Wir arbeiteten uns bis zu den Presswehen und mein Freund und ich hatten beide das schöne Gefühl dieses Baby ganz alleine bei uns empfangen zu können. Der Kopf war schon so weit, dass wir ihn beide berühren konnten und ich öffnete die Fruchtblase, weil ich das Gefühl hatte, sie behinderte das Vorankommen.  Bei den folgenden Wehen war ich ganz sicher, dass das Baby bei der nächsten Wehe geboren werden würde, aber wir schafften die letzten wenigen mm nicht. Entkräftet, ratlos und langsam ängstlich werdend, sagte ich zu meinem Freund :“ich krieg das Baby alleine nicht raus, rufe bitte die Hebamme an“. Diese war sich natürlich sicher, dass sie es nicht mehr rechtzeitig schaffen würde, gab mir den Hinweis auf ein homöopathisches Mittel für meine Sorgen und machte sich auf den Weg.
Mit der Gewissheit, dass sie in etwa einer halben Stunde da wäre, entspannte ich mich total, das Baby rutschte nochmal komplett zurück und die Wehen wurden wieder ganz leicht . Die Presswehen setzten erst wieder ein, nachdem die Hebamme da war, gute Herztöne bestätigt hatte und sich ganz ruhig im Hintergrund bereit hielt. Wenige Wehen später flutschte unser Mädchen in einem Rutsch in Papas Hände. Kurz vorher war noch die nicht versicherte Hebamme eingetroffen. Sie war noch dazugerufen worden, damit jemand da wäre, den wir schon gut kannten.
Ich legte mich mit unserer Tochter auf´s Sofa und bewunderte ihre niedliche Zartheit. Unsere ersten Kinder waren eher speckige Möpse gewesen und auch die Hebamme und mein Freund waren erstaunt über ihre Zartheit.  Die großen Geschwister waren gerade auf dem Weg in die Nachbar-WG zum Abendessen und wir riefen sie, samt „Babysittern“,  nochmal zurück um ihnen die ganz frische Schwester zu präsentieren. Unser Sohn meckerte ein bisschen dass er lieber einen Bruder gehabt hätte, war aber trotzdem ganz angetan. Nach einigen Minuten Entspannung und Ruhe zum Kennenlernen  merkte ich wie die nächsten Wehen heranrollten und freute mich, dass die Plazenta dieses Mal wohl kein Problem machen würde. Bei den ersten beiden Malen hatte sie sich sehr lange bitten lassen auch noch heraus zu kommen. In der liegenden Position auf dem Sofa war die nächste Wehe richtiggehen schmerzhaft und ich schickte alle Besucher und die Kinder schleunigst wieder raus. Mit dem Baby auf der Brust und in der nachgeburtlichen Verfassung wollte ich aber auch nicht mehr vom Sofa herunterklettern und musste ordentlich brüllen um mit der Wehe klar zu kommen.  Das angebrüllte Baby in meinem Arm tat mir leid ;-) Kurz später kam Unruhe bei den Hebammen auf. Die eine fragte die andere nach dem Fundusstand (Größe der Gebärmutter), bekam eine Antwort und sagte dann plötzlich „Alles gut, ihr bekommt Zwillinge“. Ich war so  mit den Wehen beschäftigt, dass ich nicht besonders überrascht sein konnte, übergab in einer Wehenpause nur schnell das Babymädchen, während es noch hastig abgenabelt wurde, an den Papa und presste dann was das Zeug hielt unser Überraschungskind, einen Jungen, ans Abendlicht. Er wurde in seiner intakten Fruchthülle geboren und guckte selber auch etwas überrumpelt.  Bis heute, 1,5 Jahre später, sind wir überzeugt, dass er sich hinter seiner durchsetzungsstarken, aktiven, lauten kleinen Schwester versteckt hat.
Da standen/lagen/saßen wir nun mit zwei  für uns ungewöhnlich kleinen Babys (2,6 und 3 kg), viel zu großen Klamotten (ich hatte nur Sachen ab Gr. 62 besorgt, weil ich das für sinnvoll hielt für ein erwartet großes Baby) und zu wenig Stoffwindeln. Ich war heilfroh, dass die Hebammen da waren und uns bei den ersten Handgriffen halfen und wir  lachten alle herzlich zusammen darüber, dass ich nun beim Stillen mit zwei Babys im Arm sogar Hilfe zum Kratzen an der Nase brauchte.
An diesem ersten Abend hatte ich, als alles ruhig geworden war, große Angst wie ich das nun alles schaffen sollte, aber schon am nächsten Tag „war`s einfach so“ und der ganz normale Alltagswahnsinn nahm seinen Lauf…
Die Nachricht verbreitete sich ganz von alleine in Windeseile und innerhalb von wenigen Tagen hatten wir ohne eigenes Zutun genügend kleine Klamotten, einen Zwillingswagen, ein zweites Tragetuch, eine zweite Manduca, fast täglich eine warme Mahlzeit und eine Nachbarin, der wir immer einen Einkaufszettel mitgeben konnten. Und mittlerweile sitzen wir ganz selbstverständlich zu 6. am Küchentisch ;-)

Ich möchte mit diesem Bericht nicht jeden davon überzeugen, dass es unnötig ist, eine Schwangerschaft mehr zu „überwachen“. Aber ich würde mich doch freuen, damit zeigen zu können, welchen Wert dieser Weg für uns hatte und welches Geschenk er war. Hätten wir von den Zwillingen gewusst, hätten wir uns noch mehr den Kopf zerbrochen wie wir das schaffen können. Ich hätte mir sicherlich auch irgendwie den „risikoschwanger“-Stempel aufdrücken lassen und hätte schwer an der Gewissheit getragen, für die Entbindung ins Krankenhaus gehen zu müssen. Es gibt so wenige Mut machende Erfahrungsberichte über Zwillingsgeburten. Ich bin überzeugt, dass schon das Stillen im Krankenhaus so viel schwieriger geworden wäre unter den prüfenden Augen von Krankenschwestern, die sicher gehen wollen, dass die Kleinen auch auf jeden Fall genügend zunehmen. Zuhause lag ich die ersten Tage nur in unserem großen Bett und habe quasi nichts anderes gemacht als gestillt und geschlafen und gekuschelt. Den Rest hat mein Freund gemanagt.

In meiner zweiten Schwangerschaft, der ersten ganz ohne Ultraschall, wurde ich oft gefragt: Hast du keine Angst vor einer unerkannten Eileiterschwangerschaft, Plazenta  Praevia oder Zwillingen? Ich habe immer gesagt, dass ich sicher wäre, dass ich es merken würde, bevor es irgendwie brenzlig wird. Und davon bin ich immer noch überzeugt. ;-)

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Wenn auch ihr Autor eines Gastartikels werden wollt, schickt mir einen kleinen Ausschnitt eurer Geschichte gerne an info@loeckchenzauber.de! 

Samstag, 22. Oktober 2016

Früher war es für mich einfach nur „öko“, heute ist es fast schon Balsam für die Seele. Thema Hausgeburt.


Wo fange ich am besten an? Öko, was ist eigentlich ÖKO? Kennt ihr das nicht auch? So haltlose und eigentlich schwachsinnige Bezeichnungen für etwas, was eigentlich so rein gar nichts damit zu tun hat?! Tragen, lange stillen... All das machen doch nur die „Ökos“. Wer oder was genau sind diese Ökos eigentlich? Es ist mir fast schon peinlich, das zu schreiben, aber es gab Zeiten, da habe ich tatsächlich genau so schwachsinnig gedacht. Öko war für mich Vieles mehr, nicht nur in Bezug auf Kinder. Aus der Ironie heraus nutze ich diesen Begriff tatsächlich immer noch ab und an. ;-)

Ich habe schon länger das Gefühl, die Gesellschaft befindet sich in Bezug auf das Thema Schwangerschaft/Geburt, Babyzeit und Kindererziehung irgendwie im Wandel. Dabei gehen „wir“ sowohl vor als auch zurück. Vieles wird moderner, und neu auferlegt da wir glücklicherweise mehr hinterfragen. Vieles wird aber auch einfach wieder genau so gemacht wie früher, also so ganz ganz früher. Ich mag diesen Wandel und hoffe darauf, dass er sich in dem einen oder anderen Punkt noch mehr durchsetzen wird.

Bei meiner ersten Geburt, ich war 24 Jahre jung, hatte ich keinen einzigen Moment an eine Hausgeburt gedacht. Das war nicht nur öko, das war irgendwie weltfremd, fast schon verrückt für mich. ;-) In meiner zweiten Schwangerschaft war es schon viel mehr ein Thema, aber dennoch irgendwie ausgeschlossen. Aus unserem Vorbereitungskurs haben am Ende tatsächlich 3 Mamas ihre Kinder zu Hause geboren, alle mit unserer Hebamme. Für eine Mama davon war es sogar die erste Geburt. Toll gemacht, liebe G.. :-)

Ich erinnere mich noch ganz genau daran, wie schnell die Geburt unserer zweiten Tochter verlief. Es war der 26.02.2015. Meine ersten wirklich schmerzhaften Wehen verspürte ich gegen 12.45 Uhr, nachdem mir in der Nacht zuvor die Fruchtblase platzte. Ja, und um 14:09 Uhr war unser Babymädchen schon geboren. Als unsere Hebamme gegen 13:20 Uhr bei uns zu Hause eintraf, hatte sie alles dabei und fragte noch mal, ob ich bleiben oder ins Krankenhaus möchte. Ich entschied mich für das Zweitere. Im Krankenhaus angekommen ging es dann ja wirklich mehr als schnell. Kurz nach 18 Uhr waren wir dann - mit unserem Babymädchen im Arm - auch schon wieder zu Hause. Ein längerer Krankenhausaufenthalt kam für mich nicht in Frage, das war schon zu Beginn der Schwangerschaft.
Warum, das lest ihr in meinem Artikel: „Entspannte Babys – Kann ich mir eines backen?“.

Heute frage ich mich, warum ich uns (der Kleinen und mir) eigentlich diesen "Stress " angetan habe und in die Klinik gefahren bin? Wobei, irgendwie war es auch so etwas wie Ablenkung, muss ich gestehen. Die Fahrt, das Ankommen und das komplette Drumherum.I ch bildete mir ein, so würde die Zeit (noch) schneller vergehen. ;-)
Zurück zur Frage, warum ich mir das "angetan habe"?! Nun werden viele denken, na um sicher sein zu können, dass bei Bedarf medizinisch geholfen wird. Stimmt natürlich grundsätzlich auch. Dennoch, für mich steht fest:
Bekommen wir noch einmal Nachwuchs, dann möchte ich diesen sehr gerne zu Hause gebären. Natürlich immer unter der Voraussetzung, dass die Schwangerschaft bis dato komplikationsfrei verlief. Ich stelle mir das einfach absolut schön vor. Ich möchte behaupten, inzwischen grundsätzlich eine stark ausgeprägt positive Lebenseinstellung zu haben. So auch hier. Ich bin einfach optimistisch und vor allem setze ich vollstes Vertrauen in meinen Körper UND in meine Hebamme. Natürlich bleibt dennoch ein Restrisiko, aber es ist sehr gering, wenn man sich Statistiken ansieht. 

Für mich steht im Vordergrund, dass wir uns alle mit der Situation wohlfühlen und das die Ankunft unseres möglichen neuen Familienmitglieds durchweg entspannt ist. Das Selbige gilt für die ersten Tage/Wochen.
Eine Hausgeburt hat für mich persönlich so viele Vorteile. Zum einen ist man in seiner gewohnten Umgebung, man fühlt sich also wohl. Man kann nach der Geburt direkt in das heimische Bett hüpfen und dort mit dem Neugeborenen stundenlang kuscheln. Das Baby bleibt direkt nach dem Entbinden viel länger bei mir, die Nabelschnur darf vor dem Durchtrennen auspulsieren und überhaupt stelle ich mir, insbesondere die Zeit ab der Geburt, so so viel entspannter, gemütlicher und noch schöner vor. Wird in eine Geburt nicht eingegriffen, so läuft der natürliche Geburtsverlauf statistisch gesehen wesentlich häufiger komplikationslos. Ich hätte es selbst nie für möglich gehalten, dass ich bei diesem Thema mal ins Schwärmen geraten würde, bin aber froh, dass ich dahingehend offener geworden bin, mich zudem viel belesen habe. Ich höre so häufig auf meinen Bauch und auf mein Herz, handle in Bezug auf das gesamte Leben sehr intuitiv. Und es tut so gut!




In meinem Herzen existiert für mich keine Geburt mehr in einem Krankenhaus, in meinem Herzen habe ich andere Wunschvorstellungen. Nicht, weil ich es schlecht in Erinnerung habe, sondern weil ich es mir noch schöner vorstellen kann! Nur für uns ganz persönlich.
Der Papa im Hause benötigt noch etwas Überzeugungsarbeit, spätestens meine Hebamme würde das jedoch sicher hinbekommen. ;-) So im Falle des Falles. Vielleicht. Irgendwann.
Bei ihm stehen die Sorge und Angst noch zu sehr im Vordergrund, hat er sich natürlich auch noch nie wirklich mit diesem Thema auseinandergesetzt.

Sehr gerne dürft ihr mir in den Kommentaren bei Instagram oder Facebook eure Erfahrungen zum Thema Hausgeburt mitteilen. Ich würde mich freuen, auch wenn es nur ein paar wenige von euch sind. Denn, wenngleich die Zahl steigend ist, so bleibt sie aktuell noch immer schwindend gering - was ja auch vollkommen ok ist.

Ich möchte mit diesem Artikel niemandem seine Klinikgeburt ausreden, um Gottes Willen. Eine Geburt ist so ein einschneidendes Erlebnis im Leben einer Frau, da sollte jeder seine Meinung haben dürfen und nach seinen ganz persönlichen Wünschen entscheiden. Ich wollte es mir quasi einfach nur mal von der Seele schreiben und außerdem sagen: Nicht alles, was man erstmal komisch findet, ist am Ende auch tatsächlich komisch.

Eure Julia



Sonntag, 16. Oktober 2016

GASTARTIKEL - Mama Svenja bekam mit 14 Jahren ihre Tochter und erzählt, wie es ihr 7 Jahre später geht.


Ich bin Svenja, 21 Jahre alt und Mutter einer ganz tollen Tochter. Über meine Geschichte werden einige vielleicht denken „Ob das wirklich alles so stimmt, wie es hier steht?“ Ja, es stimmt tatsächlich.

Im Juli 2009, also vor 7 Jahren, wurde unsere bezaubernde Tochter geboren. Huch, nun müsst ihr sicher erstmal nachrechnen und werdet stutzig. Ja, ich war tatsächlich blutjunge 14 Jahre alt. Der dazugehörige Papa damals 16. Ich erfuhr im April 2009 – wohlgemerkt in der 28.SSW – von meiner Schwangerschaft. Ich hatte natürlich nicht damit gerechnet, war vollkommen überfordert und wusste überhaupt nicht, was ich tun soll. Mein Freund hingegen hatte sich ab dem ersten Moment total gefreut. Ich erinnere mich noch daran, wie wir kurz nachdem wir es erfuhren, auf seinem Roller durch die Stadt fuhren. Es war nur ein kurzes Stück und ich habe ununterbrochen geweint. Ich hatte so viele Fragezeichen in meinem Kopf, so viele Gedanken und befand mich in einem absoluten Gefühlschaos.

Die Zeit verging, mein Bauch wurde immer runder und die Schwangerschaft war nun nicht mehr zu übersehen. Es war alles nicht so einfach, wie es sich so mancher vielleicht vorstellt. Schon vor der Geburt gingen wir durch richtig schwere Zeiten. Das Schlimmste war, dass das Jugendamt uns das Kind am liebsten aus dem Bauch geschnitten und in Obhut genommen hätte. Ja, so hat es den Anschein gemacht. Es war furchtbar, aber wir haben uns gemeinsam mit unserer Familie stark gemacht und vehement dagegen gewehrt. Unsere Familien waren damals eigentlich noch gar nicht wirklich „grün“ miteinander, aber irgendwie standen sie doch alle mehr oder weniger hinter uns. Es gab leider viele verschiede Ansichten in der Familie, dadurch auch die ein oder andere Auseinandersetzung. Ich stand oft zwischen den Stühlen und war mit mir selbst gar nicht im Einklang. So unterschiedliche Meinungen, Ratschläge und Tipps und ich eigentlich ja noch ein Kind. Ich war oft verzweifelt. Ich wollte es irgendwie allen recht machen, doch das war alles andere als leicht. Irgendwann beschloss ich, nur noch auf mein Herz und meinen Bauch zu hören. Ich hielt mit meinem Freund zusammen, nur gemeinsam konnten wir stark sein. Unsere Gefühle zu diesem Zeitpunkt waren unbeschreiblich. Ich habe all die Wochen viel geweint, an mir selbst gezweifelt. Doch dann dachte ich immer an meinen Bauchzwerg und wusste wieder, für was ich den Kampf kämpfe. An Aufgeben war nicht zu denken.

Irgendwann kam dann der Tag der Tage. Um 4:30 Uhr platzte meine Fruchtblase. Meine Mama fuhr uns direkt in die Klinik. Die Schmerzen ertrug ich irgendwie, ich hatte es mir sogar schlimmer vorgestellt. Es zog sich allerdings wie Kaugummi. Meine Mama und mein Freund blieben unentwegt bei mir im Kreißsaal. Um 17:05 Uhr war es dann endlich so weit und unsere Tochter erblickte auf natürlichem Wege das Licht der Welt. Mit Freudentränen nahmen wir sie in Empfang.

Wir bleiben drei Tage in einem Familienzimmer im Krankenhaus und konnten uns dadurch erst einmal in aller Ruhe kennenlernen. Diese Emotionen rund um die Geburt werden wir für immer in uns abspeichern. Unsere Tochter war so klein, so zart, so wunderschön. Plötzlich waren wir zu dritt, eine richtige kleine Familie.

Mit unserer Tochter wohnten wir anfangs noch eine Weile bei meiner Mutter, wollten dann aber schnellstmöglich eine eigene Wohnung beziehen. Die Suche gestaltete sich alles andere als leicht. Wer gibt schon einer 14- und einem 16-Jährigen eine Wohnung? Nach einer langatmigen Suche fanden wir dann aber doch noch eine schöne Wohnung. Mein Freund machte damals gerade seine Ausbildung und ich besuchte noch die Schule. Unsere Maus wurde daher zeitweise von einer Tagesmutter betreut. Anfangs lief irgendwie auch alles ganz gut, doch als ich meinen Kopf entwickelte und erste eigene Entscheidungen traf, wurde es innerhalb unserer Familie erneut  schwierig. An dieser Stelle möchte ich jedoch niemandem zu nahe treten und lasse es einfach mal so stehen, ohne ins Detail zu gehen.
Auf jeden Fall blieb ich in Absprache mit der Schule zu dieser Zeit erstmal daheim und besuchte diese nur zu anstehenden Prüfungen. 2012 machte ich dann regulär meinen Realschulabschluss mit einem Notendurchschnitt von 1,6! Ich war und bin unheimlich stolz darauf. Natürlich war an dieser Stelle noch nicht Schluss mit dem Thema Lernen. Ich hatte mich entschlossen, eine Ausbildung zu machen. Somit wurde die Uroma unserer Tochter in die Kinderbetreuung eingespannt. Mit dieser Lösung fühlten wir uns allesamt wohl. So wohl, dass die Uromi unsere Tochter auch heute noch behütet, wenn wir arbeiten müssen. Mein Freund hatte zu diesem Zeitpunkt nämlich ebenfalls Prüfungen und schloss seine Ausbildung sehr gut ab. Außerdem wurde er direkt in seinem Ausbildungsbetrieb fest eingestellt.
Im Oktober 2012 habe ich dann mit meiner Ausbildung zur Kinderkrankenschwester begonnen. Seit Oktober 2015 bin ich examiniert und arbeite heute in Vollzeit auf einer Kinderintensivstation.

Ihr merkt, ich spreche noch immer von einem „WIR“. Ja, der Papa unserer Tochter und ich, wir sind mittlerweile sogar verheiratet. Nach 8 Jahren Beziehung beschlossen wir 2014 zu heiraten. Unsere Hochzeit kam mir vor wie ein Märchentraum. Wir feierten mit der kompletten Familie und unseren liebsten Freunden in einer Burg. Auch hier hagelte es von außen Kritik: „Wie kann man so jung heiraten....!?“ etc., aber wir standen hinter unser Entscheidung. Es war eine Entscheidung für UNS. 

Mit Fleiß und Disziplin machte meine Mann letztes Jahr sogar noch seinen Meister. Nun ja, wir schreiben inzwischen das Jahr 2016. Wir lieben uns nach wie vor und sind noch immer eine unheimlich glückliche Familie.
Unsere Tochter ist mit ihren 7 Jahren super entwickelt. Sie wirkt so vernünftig, ist klug und wissbegierig. Inzwischen besucht sie nun schon die 2 Klasse.
Wir sind jetzt schon 10 1/2 Jahre zusammen, 2 1/2 Jahre davon verheiratet. Wir haben gelernt, dass uns so schnell nichts voneinander trennen kann. Wir sind zu einer Einheit gewachsen, die Höhen und Tiefen gemeinsam meistert. Auch nach all den kleinen und großen Krisen, u.a. hinsichtlich unserer Familien, haben wir es bis hierher geschafft. Es gäbe noch vieles mehr zu erzählen, aber das würde an dieser Stelle den Rahmen sprengen.

Heute haben mein Mann und ich auf jeden Fall ein gefestigtes Umfeld. Wir haben wahre Freunde um uns, die trotz unserer Situation geblieben oder hinzugekommen sind. Das war keine Selbstverständlichkeit, denn unser Leben sah, wie ihr euch sicher vorstellen könnt, im Vergleich zu dem eines Gleichaltrigen komplett gegenteilig aus. „Nächte durchtanzen“ gab es maximal in den heimischen vier Wänden, wenn die Kleine nicht zur Ruhe kam und die Nacht zum Tag machte. ;-)

Momentan bauen wir gerade unsere eigenen 4 Wände. In uns Dreien herrscht riesige Vorfreude. Bis es so weit ist und unser erster Umzug als Familie ansteht, wohnen wir weiterhin in unserer damals bezogenen ersten, gemeinsamen Wohnung. Ganz egal, was andere über uns sagen oder denken, wir sind stolz auf das, was wir geschafft haben. Wir halten uns aneinander fest, bis dass der Tod uns scheidet.





Dienstag, 11. Oktober 2016

Warum Kinder nachts zu Mama wollen und warum wir es zulassen sollten.

Um eines direkt vorweg zu nehmen. In der heutigen Gesellschaft scheint es unter den Müttern nur noch zwei Seiten zu geben. Die bösen „Raben-„ und die nicht loslassenden „Helikoptermütter“, oder? Eine Mitte existiert offenbar nicht?!
Mit meinem nachfolgenden Artikel möchte ich niemanden in seiner Lebensweise angreifen oder gar bloßstellen. Mir geht es in erster Linie um eines, nämlich um Aufklärung und das damit verbundene Verständnis!

Kennt ihr diese erleichterten Blicke und Reaktionen von Müttern, wenn sie hören, dass man selbst etwas genauso macht, wie sie es tun? Etwas, von dem sie dachten, es wäre vielleicht komisch oder falsch. Etwas, für dass sie sich bislang möglicherweise schämten.

Ich fange mal anders an. Nicht alles habe ich bei meiner ersten Tochter schon so gemacht, wie ich es jetzt bei der Zweiten mache. Zum Beispiel habe ich sie damals mit 7 Monaten abgestillt. Aus Gründen, die mit meinem jetzigen Wissen, keine waren. Manchmal denke ich mir, ich wäre gerne noch einmal mit dem ersten Kind schwanger, aber mit dem Wissen von heute. Ich würde ganz sicher das ein oder andere anders machen.

Eines jedoch habe ich von Anfang an genauso gemacht, wie ich es jetzt auch tue: 

Das Baby neben mir schlafen lassen. 

Warum? Weil es sich für mich ab der ersten gemeinsamen Nacht einfach richtig anfühlte, weil es die Natur so vorgibt, weil kleine Bündel einfach den Schutz und die Wärme der Mama brauchen, um entspannt und sicher schlafen zu können. Es ist ein Urinstinkt. Ein Baby wäre alleine einfach nicht überlebensfähig. Hätte man es früher alleine draußen liegen lassen, hätte es die Nacht nicht überlebt. 
Ich weiß, es gibt ein paar wenige Erwachsene, die lieber alleine statt neben ihrem Partner einschlafen. Ein Urteil über diese Lebensweise und die Gründe dafür, möchte ich mir nicht erlauben, denn ich könnte nur Vermutungen anstellen. Die meisten unter uns, fühlen sich doch aber wohler, wenn sie in der Nacht jemanden neben sich haben. Für sie würde es sich komisch anfühlen, würde der Partner alleine in einem anderen Zimmer schlafen.
Nun gut, wir schreiben das Jahr 2016. Viele handhaben es inzwischen so, dass das Baby im ersten Lebensjahr im Eltern- oder Beistellbett schläft. Nicht zuletzt, weil die Nächte somit einfach für alle ruhiger sind. Insbesondere das Stillen wird hier um ein Vielfaches erleichtert und verkürzt. Wunderbar, kann ich da nur sagen. Sicherlich auch eine Entwicklung, die aufgrund der Aufklärung in den sozialen Netzwerken oder überhaupt dem Internet zu verdanken ist.
Was aber kommt nach dem ersten Geburtstag? Oft ist das der Stichtag für Eltern, das Kleinkind nun endlich in das eigene Zimmer „zu verfrachten“. Wisst ihr, jeder sollte es wirklich so machen, wie er es für richtig hält. Nur, wenn man den Grund hinterfragt, dann ist es bei den Wenigsten eine Entscheidung aus dem Bauch oder gar aus dem Herzen heraus. Oft ist es das Umfeld, die Gesellschaft. Aber sind es Außenstehende, die über euer nächtliches Wohlergehen urteilen sollten? Sind sie es, die sich damit wohl fühlen sollen? 
Warum stößt man oft auf Unverständnis, wenn ein 3-jähriges oder auch 5-jähriges Kind, ach, was sage ich, meinetwegen auch ein 10-jähriges Kind, im Zimmer der Eltern schläft? Muss man einem Kind antrainieren, alleine zu schlafen? „Da müssen sie durch.“ Oder auch ganz beliebt „Das hat uns auch nicht geschadet.“ Spätestens bei dem zweiten Satz will ich ein solches Gespräch eigentlich beenden. Es gibt wenige Sätze, die mich so zum inneren Explodieren bringen wie dieser. Manchmal lohnt es sich, sachlich und argumentativ fortzufahren, oftmals aber auch nicht. Wie sagt man so schön? Da ist dann Hopfen und Malz verloren.

Habt ihr nicht auch den Eindruck, dass immer mehr Menschen - zumindest zeitweise - psychologisch betreut werden, um irgendetwas aufzuarbeiten? Haben nicht ganz schön viele Menschen Bindungsängste? Gibt es nicht unzählige Männer und Frauen, die sich selbst als „beziehungsunfähig“ deklarieren? Hat man nicht allg. das Gefühl, es gibt immer mehr Menschen, die schwer mit Konflikten umgehen können? Ich könnte das noch lange weiter fortführen.
Ich bin natürlich nicht so naiv und möchte behaupten, dass das Familienbett alldem vorbeugt, um Gottes Willen! Ich möchte nur sagen, dass es vielleicht ein kleiner, aber richtiger Schritt in die Zukunft ist und das es ganz bestimmt keinem (!) Kind schaden wird. Wenn ein Kind in den ersten Lebensjahren bzw. in der kompletten Zeit in seinem Elternhaus viel Liebe und körperliche Nähe erfährt, dann ist es ziemlich gut versorgt für den Schritt in das eigene Leben. Und glaubt mir, Liebe erfahren hat rein gar nichts mit späterer Charakterstärke oder dem Selbstbewusstsein zu tun. Es wird ja häufig behauptet, dass "solche Kinder" dann nicht mit beiden Beinen im Leben stehen können. Genau das Gegenteil ist der Fall. Davon bin ich überzeugt.  Unsere fast 7-jährige Tochter ist sehr selbstständig, schläft gerne mal auswärts und ich mache mir keinerlei Sorgen, dass sie sich irgendwann mal nicht lösen können wird. 

Ich wünsche mir, dass diese Art von „Familienleben“ oder „Lebenseinstellung“ mehr Toleranz erfährt, akzeptiert und vor allem verstanden wird. Nicht alles macht Sinn, nur weil es über Jahrzehnte so gemacht wurde.

Ich erlebe nicht selten, wie ich Erleichterung entgegengebracht bekomme, wenn ich erzähle, dass das Babymädchen kein Bett in ihrem Zimmer hat, da sie ohnehin jede Nacht bei uns schläft.

„Familienbett“ heißt auch nicht zwangsläufig, dass sich alle Familienmitglieder auf 1,60m quetschen müssen. Es heißt auch nicht, dass Papa auf die Couch zieht und Mama mit den Kindern das Ehebett teilt. Es gibt unterschiedlichste Formen. Für mich besagt das Familienbett, dass alle in EINEM Zimmer schlafen können, so lange sie es möchten. Ganz egal, ob sie nun im Beistellbett, im Kinderbett oder später vielleicht auf einer Bodenmatratze nächtigen.
Wichtig ist, sorgt dafür, dass ihr ausreichend Platz habt. Ist es so, dass ihr nämlich doch wie erwähnt zu viert auf 1,60m schlaft, kann das – eigentlich - entspannte Familienbett doch auf lange Sicht zur Belastung werden.

Ich finde es schade, dass Mamas und Papas sich damit verstecken, dass sie ihren Kinder so etwas unglaublich Gutes und Wichtiges geben. Niemand braucht sich dafür zu schämen, dass er seinen Kindern Liebe, Nähe und Geborgenheit entgegenbringt. Das schließt natürlich nicht aus, dass Kinder, die in ihrem Zimmer schlafen, das auch bekommen. Nur ist das eben nicht die eigentlich natürliche Form und sollte daher auch nicht als solche angesehen und vermittelt werden.

Ebenso verhält es sich beim Thema Einschlafbegleitung. Für mich ist es ganz natürlich, davon zu erzählen, dass unsere 20 Monate alte Tochter immer in meinem Beisein einschläft, jeden Abend seit der Geburt. Ich weiß jedoch von Müttern, denen das unangenehm ist. Ist das nicht total schade und vor allem ist das nicht absolut unnötig?

Bevor nun die andere Seite losstürmt und mitteilen möchte, dass sie ihr Bett für sich alleine nutzen möchten bzw für sich und ihren Partner: Jeder ist seines Glückes Schmied. Wenn das die für euch passende Variante ist, mit der ihr glücklich seid, dann ist das vollkommen in Ordnung. Aber bitte lasst es „uns“ urteilsfrei so machen, wie wir es möchten. Die oben zitierten Sprüche sind hier einfach fehl am Platz. Es wäre schön, wenn man eine Mama, die beispielsweise ihr Kind bei sich schlafen lässt oder es lange stillt, einfach mal lieb fragt, aus welchen Beweggründen sie das macht? Vielleicht ließe sich so ein total entspanntes Gespräch aufbauen, aus dem beide Seiten ohne schlechtes Gefühl herausgehen können.

Ich bin ganz ehrlich: Ich habe wirklich Hoffnung, dass die Zeit es mit sich bringen wird, dass es auch in Europa hoffentlich schon ganz bald ganz normal sein wird, dass die Familie zusammen schläft. Es würde vieles leichter machen und ja, es würde mich sehr für das Wohlergehen aller Babys und Kinder freuen.




Als es vor kurzem um das Thema Stillen ging, wurde ich gefragt, ob ich nicht mal das Bedürfnis habe, mein Kleinkind über Nacht wegzugeben oder mal wieder Alkohol zu trinken. Meine Antwort darauf ist Folgende:

Wir sind irgendwie überhaupt keine Gelegenheitstrinker, total langweilig. Habe daher null Appetit auf Wein oder Sekt oder Ähnliches... Und nein, die Kleinste über Nacht weggeben, kann ich mir aktuell tatsächlich auch noch überhaupt gar nicht vorstellen. Also wirklich so gar nicht gar nicht und es fühlt sich für mich normal an. Ich finde auch immer, was sind schon 2 oder 3 Jahre von einem ganzen Leben? Für die Kinder jedoch bedeuten diese ersten Jahre unglaublich viel, sie sind abolut prägend. Die Zeit des "Verzichts" ist doch auf das Leben gesehen so klein und das, was zurückkommt, dabei so groß.

Liebe "Familienbettler", habt bitte keine Scheu. Redet einfach mehr darüber, ihr glaubt ja gar nicht, wie viele es ganz genauso machen!! Spätestens ab der zweiten Nachthälfte! ;-) Ihr müsst euch sagen, ihr handelt nach den Bedürfnissen eurer Kinder. Natürliche Bedürfnisse, die eure Kinder glücklich und behutsam (auf)wachsen lassen. Ihr habt einfach darauf verzichtet, ihnen etwas anderes anzutrainieren. Darauf dürft ihr einfach mal stolz sein und es spielt hierbei ganz und gar keine Rolle, wie alt euer Kind ist!

Eure Julia

Sonntag, 9. Oktober 2016

Gastartikel - Die sehr ergreifende Geschichte einer jungen Frau, die wir an dieser Stelle namenlos lassen.

Ich war 21 Jahre alt, jung und durchweg positiv in die Zukunft blickend.

Seit fünf Jahren befand ich mich in einer scheinbar fantastischen Beziehung mit meinem damaligen Freund, der zu diesem Zeitpunkt Anfang 30 war.  Wir lebten bereits seit 2 Jahren zusammen und verspürten beide einen Kinderwunsch. Da wir uns beide tatsächlich angekommen und füreinander bestimmt fühlten, verzichteten wir zwar bewusst auf die Verhütung, waren aber dennoch ganz entspannt, was das Thema anging.

Einige Zeit später bemerkte ich eine Veränderung zwischen uns. Alles begann nach der Hochzeit eines Kollegen. Ich spürte, dass mein Freund mir etwas verheimlichte. Ständig verließ er einen Raum zum Telefonieren. War er in einer Gegenwart, so tippte er unentwegt SMS. Ich wurde achtsam. Eines Tages klingelte sein Handy, während er unter der Dusche stand. Auf dem Display erschien ein mir nicht bekannter Männername. Ich roch den Braten und nahm das Telefonat entgegen. 

Eine Frauenstimme.

Das Ende vom Lied war, mein Freund hatte mich betrogen und sich in diese Frau verliebt. Es folgte die Trennung. Für mich brach eine Welt zusammen. Dieser Mann war meine erste große Liebe. Für mich war er der Mann, für den ich an das Ende der Welt gegangen wäre, für den ich alles stehen und liegen gelassen hätte, für den ich einfach ausnahmslos alles getan hätte. Ich hatte bereits vor Augen, wie wir mit einem Baby im Arm heiraten, wie wir reisen, wie wir einfach glücklich leben. 
Ich liebte ihn so sehr, dass ich ihm sogar vergeben hätte. Er allerdings war nicht mehr sicher, was er wollte.

Es blieb bei der schmerzhaften Trennung.

Durch einen Zufall ergab sich, dass ich eine Wohnung im Haus meiner Mutter bezog. Mit leerem Herzen und leeren Händen. Ich kaufte mir ein paar gebrauchte Möbel und versucht, meine Wohnung irgendwie schön zu gestalten. Doch mein Liebeskummer zerfraß mich. Jede Nacht schlich ich mich eine Treppe tiefer zu meiner Mama ins Bett und hielt ihre Hand. Immer wieder versprach sie mir: "Alles wird gut! Wir schaffen das!".

Da lag ich nun, tieftraurig und am Boden zerstört, mit einem kaputten Selbstwertgefühl, im Bett meiner Mama. Dass es mir jemals schlimmer ergehen könnte, war für mich unvorstellbar. Doch es kam alles anders.

Anfang Dezember, circa 4 Wochen später, bekam meine Mutter in der Nacht Herzschmerzen. Sie suchte zunächst einen Hausarzt auf, fuhr dann weiter zu einem Kardiologen. Nach einer einwöchigen Behandlung ging es meiner Mutter noch immer nicht wirklich besser. Daraufhin wurde für den 13. Dezember eine Herzkatheder-Untersuchung angesetzt. 

Es war der Tag vor meinem 22. Geburtstag. 

Auf der Fahrt ins Krankenhaus sagte meine Mama, dass sie ein so schlechtes Gefühl habe bezüglich der anstehenden Untersuchung. Sie hatte Angst. Ich war stark und redete ihr gut zu. Schliesslich mussten wir eine Ursache für ihre Schmerzen finden. 

Der Eingriff war für 11:00 Uhr geplant. Schon eine Stunde später sollte ich wieder zu ihr dürfen, am selben Abend war die gemeinsame Heimfahrt geplant.

12:30 Uhr. Niemand gab mir Auskunft, ich lief vor dem Fahrstuhl im Krankenhaus auf und ab, immer wieder. Langsam bekam ich Angst. Ich rief verzweifelt Freunde an, wusste nicht, wohin mit mir. Irgendwann weinte ich. Dann plötzlich öffnete sich die Fahrstuhltür. In diesem stand nur eine Krankenschwester, die mich zum operierenden Arzt bringen wollte. Ich war fassungslos und weinte weiter, jetzt noch mehr als zuvor. Beim Arzt angekommen erläuterte dieser, dass es Komplikationen gab. Meine Mama befindet sich derzeit auf der Intensivstation, aber es sei alles in Ordnung. 

Ich durfte sofort zu meiner Mama, die ebenfalls bitterlich weinte. Sie hatte Schmerzen, scheinbar unerträgliche Schmerzen. Ich verließ das Zimmer wieder und gab sofort den Schwestern Bescheid. Dann verliess ich die Station, um gefühlt alle Menschen anzurufen, die ich kannte. Ich kam mir so hilflos vor. Eine Freundin meiner Mama versprach, sich direkt auf den Weg zu machen. Als ich dann wieder zu meiner Mama in das Zimmer wollte, durfte ich nicht mehr hinein. Lange 45 Minuten ließ man mich warten. Dann kam ein Arzt und teilte mir mit, dass das Herz meiner Mama stehen geblieben ist. Man habe sie sofort reanimiert und eine Not-OP durchgeführt.

Sie war nun auf dem Weg in ein Herzzentrum. Dort wartete bereits ein Spezialisten-Team für eine weitere OP auf sie. 

Tränenüberströmt fuhr ich hinterher. Meine Mama war bereits im OP, als ich eintraf. Die Nacht zu meinem 22. Geburtstag verbrachte ich im Wartebereich des Krankenhauses. Mitten in der Nacht, um 4:00 Uhr durfte ich mit Kittel und Mundschutz endlich zu meiner Mutter. Als ich ihr Zimmer betrat, verlor ich das Bewusstsein.
Da lag sie, meine Mama, mit der ich seit Stunden längst zu Hause in meinen Geburtstag reinfeiern wollte. Ihr Brustkorb war geöffnet, angeschlossen an einen Herzballon. Unzählige Kabel hingen an ihr, sie lag im Koma. 

Ich wurde nach Hause geschickt, sollte Kraft tanken.  Dort wartete der von meiner Mama fertig gedeckte Geburtstagstisch für mich. Kuchen, Geschenke und ein Brief. Ein Brief, den ich mir die letzten 10 Jahre immer und immer wieder gedanklich vorlese ,,... weil du wunderschön, liebenswert und großartig bist!".

Meine Mama wachte nie mehr auf. Am Morgen des 21. Dezember wurden ihre Geräte abgestellt.

Bis zur letzten Sekunde habe ich ihr immer wieder ins Ohr geflüstert : ,,Alles wird gut! Wir schaffen das!".

Doch wir haben es nicht geschafft. 

Die darauffolgenden Wochen waren die schlimmsten Wochen meines Lebens. Ich musste ihre Wohnung auflösen und mir selbst eine neue Wohnung suchen. ich konnte dort nicht bleiben.

Ich musste die Beerdigung organisieren und mich um sämtlichen Bürokratiekram kümmern. Ich verlor den Boden unter den Füßen, habe die Welt einfach nicht mehr verstanden. Vor lauter Kraftlosigkeit schmiss ich meinen Job.





Irgendwann war alles geschafft und ich kam zur Ruhe. Erst jetzt fiel mir auf, dass meine Regel schon lange ausgeblieben war. Ich hatte sehr viel an Gewicht verloren und schob es auf den Stress der letzten Wochen.

Doch ein Arztbesuch zeigte mir das Gegenteil. Ich war schwanger. Ich war tatsächlich schwanger und das schon in der zehnten Woche. Ich, die vor lauter Kummer kaum geradeaus stehen konnte, war nun auch noch schwanger. Da stand ich nun. Schwanger, ohne meine geliebte Mutter, ohne den Papa des Ungeborenen. Kraftlos, müde, erschöpft und überhaupt nicht bei mir.

Ich nahm als erstes Kontakt zu meinem Ex-Freund auf. Er stellte sofort klar, dass er immer hinter mit stehen wird, egal, wie ich mich entscheiden werde. Er sagte, auch wenn wir kein Paar mehr werden würden, er würde dem Kind ein guter Papa sein.

Ich habe mehrere Beratungsstellen besucht, viel nachgedacht und 5 Tage später mein Baby abtreiben lassen. 

Ich habe mich schlecht gefühlt, ein Kind in die Welt zu setzen, welches eine psychisch instabile Mutter hat, die mit ihrem Leben nicht mehr zurecht kommt. Ohne Job, ohne alles. 

Obwohl ich meine Entscheidung damals für richtig hielt, war die Zeit danach noch schwärzer als die Zeit davor. Ich habe mir Vorwürfe gemacht, schwere Vorwürfe.

Irgendwann fuhr ich 4 Wochen alleine in den Urlaub. An guten Tagen setzte ich mich in einer Decke an den kalten Strand, schrie und heulte, an schlechten Tagen verließ ich dafür nicht mal das Hotelzimmer. Ich war innerlich gebrochen, ich weinte um meine Mutter und um das Baby, über das ich mich Wochen zuvor noch so gefreut hätte.

Ich habe ein Jahr gebraucht um mein Leben wieder auf die Reihe zu bekommen und Frieden mit mir zu schießen. Erst dann ging ich wieder arbeiten und konnte langsam Stück für Stück wieder einen Alltag einkehren lassen. In dieser Zeit war mein Ex-Freund oft an meiner Seite, trocknete meine Tränen und wollte nach etwa 6 Monaten sogar noch einmal eine Beziehung mit mir eingehen. Er probierte, sich zaghaft heranzutasten, doch ich wollte es auf keinen Fall. Ich brach bis heute den Kontakt ab. Es wäre einfach absurd gewesen, auch dem Baby gegenüber.

Ein paar Jahre später habe ich meinen jetzigen Mann kennengelernt. Wir haben heute eine gemeinsame Tochter. In meiner Schwangerschaft mit ihr habe ich die schlimmsten Ängste ausgestanden. Ich hatte Angst, der liebe Gott würde sie mir als Strafe für meinen Schwangerschaftsabbruch wieder nehmen. Aber er hat sie mir gelassen. Seit ihrer Geburt fühle ich mich wieder zuhause und angekommen.

Ich denke sehr oft an meine Mutter. Sie hat so große Spuren in mir hinterlassen und ich gebe heute alles dafür, um meine Spuren im Herzen meiner Tochter zu hinterlassen! Ich habe mich aufgerappelt und mein Leben wieder zu einem lebenswerten Leben gemacht.

Ich habe es geschafft, weil meine Mama schrieb ,,...Du bist wunderschön, liebenswert und großartig!"
Ich habe mir das einfach immer und immer wieder gesagt und wenn meine Tochter eines Tages ohne mich weitergehen wird, dann wird sie wissen, das sie genau das auch ist!

Samstag, 8. Oktober 2016

Hamburg geht auch idyllisch.

(Werbung)

Vor gut zwei Wochen machte ich mich gemeinsam mit unserer Kleinsten auf den Weg nach Hamburg. Da das Babymädchen und das Autofahren auch nach 19 Monaten ihre Freundschaft nicht vertiefen konnten, entschied ich mich sofort für eine (wirklich entspannte) Zugfahrt. 

30 Grad im Schatten, blauer Himmel und ausnahmslos gute Laune. 
Gemeinsam mit einigen anderen Bloggern trafen wir uns auf einem unfassbar idyllischen Bauernhof in Hamburg-Bergedorf. 




Als Blogger bekommt man regelmäßig Einladungen für diverse Events. Mehr als 5 Jahre habe ich mich komplett ferngehalten, aber nun sollte es so weit sein. Pohl-Boskamp bekam meine erste Zusage und ich sage euch, sie haben die Messlatte für zukünftige Events derart hochgelegt, dass es schwer wird, dieses Gesamtpaket zukünftig zu toppen. ;-) Dabei war das Produkt, um welches sich alles drehte, eigentlich alles andere als verlockend. Wer sagt schon direkt JA, wenn es um das Näherbringen eines Läusemittels geht? Wenn man eine solche Mail liest, juckt es doch erstmal auf dem Kopf. ;-)

Dann aber erinnerte ich mich daran, dass in der Kita unserer großen Tochter im letzten Jahr die Läuse zu Besuch waren. Hach, wer die Haarmenge und Länge unserer Großen kennt, der weiß, wie groß die Freude war. Am Nachmittag des Abholens kratzte sie sich genau EINMAL auf dem Kopf. Das alleine war für mich ausreichend für einen sofortigen Besuch in der Apotheke. Alle 3 wurden vorsorglich behandelt. Dabei konnte ich auf ihrem Kopf beim Schauen überhaupt nichts finden. Aber sicher war dann doch sicher. Beim Babymädchen war der Haarwuchs zu diesem Zeitpunkt glücklicherweise noch sehr überschaubar. 

Damals kaufte ich in der Apotheke direkt ein Präventiv-Spray. In der glücklichen Position der Elternzeit konnte ich sie natürlich den Rest der Woche erstmal zu Hause lassen. Aber selbst für die Woche danach war es mir lieber, ihr volles Haar mit dem überteuerten Spray vor Kita-Antritt zu behandeln. 

Hätte ich mir schenken können, weiß ich nun. 
Überhaupt weiß ich nun so vieles mehr, was ich an euch gerne weitergeben möchte.

Diese Sprays also könnt ihr komplett vergessen, ist nur hilfreich für den Hersteller, nicht aber für euch. ;-) 

Wenn ihr euer Kind nach Läusen oder Nissen absucht, dann insbesondere im Nacken und hinter den Ohren am Haaransatz schauen. 

Ihr denkt sicher seit Jahrzehnten, dass Läuse springen können, richtig? Können sie nicht. Sie können tatsächlich nur krabbeln. Auch ist es unnötig, sämtliche Kuscheltiere zu waschen oder gar einzufrieren. Läuse überleben nur auf der Kopfhaut. Ohne Blut läuft da nix. ;-)

Es reicht somit auch, wenn ihr einmal die Bettwäsche im Schonwaschgang spült, theoretisch braucht ihr sogar nur die Kopfkissenbezüge waschen und selbst das eigentlich nur für das Frischegefühl.

Ihr seht, gar nicht so schlecht, solch ein Herrschaftswissen, oder? 

Pohl-Boskamp jedenfalls hat ein komplett neues Produkt auf dem Markt: NYDA® express. Während früher ausschließlich Nervengifte als Wirkstoff genutzt wurden, sind es bei NYDA® heute Silikonöle, die die Läuse ersticken lassen und nicht über die Kopfhaut aufgenommen werden. NYDA® express hat eine Einwirkzeit von lediglich zehn Minuten . Für den nächsten Läusebefall in der Kita merkt euch also: NYDA® express von Pohl-Boskamp. :-)

Unsere Gesprächsrunde über das Produkt war im Tagesablauf eigentlich nur relativ kurz eingeplant. Aber wie das so ist bei so vielen Frauen (und einem Mann ;-)) am Tisch, wir haben so viel gequatscht und gefragt, dass es sich irgendwie in die Länge zog und man es gar nicht bemerkte. Wenn man schon mal solche Experten am Tisch hat, muss man sie schließlich auch löchern. Es war wirklich erstaunlich, wie viele Mythen aufgeklärt wurden.

Der komplette Tag war jedenfalls total entspannt und hätte einfach nicht schöner geplant werden können. 

Die Kinder konnten im Grünen toben, sie konnten Tiere füttern, auf einem Pony reiten, sie aßen Eis, sie wurden geschminkt, ja, sie konnten baden. Was will man als Mama für seine Sprösslinge mehr? 

Das Babymädchen und der Schimmerschuh von Marry Kotter.

Für uns "Große" gab es leckeres Essen (sogar mehrmals, was die stillende Mutter natürlich seeehr gefreut hat), nette und informative Gespräche und sogar einen lehrreichen Fotoworkshop. 

Liebes Pohl-Boskamp-Team, es war für mich wirklich eine durch und durch gelungene Premiere in Sachen Blogger-Event. Vielen Dank an dieser Stelle für diesen rundum tollen Tag! 

Wir kommen gerne wieder. :-)

Bis bald,
eure Julia