Sonntag, 18. Dezember 2016

GASTARTIKEL - Mama Andrea berichtet über die Zeit mit ihrem zweiten "Schreibaby"

Koliken – man kann sie nicht verstehen bis man sie selbst miterlebt

Als ich im Dezember letzten Jahres erfahren habe, dass ich wieder schwanger bin, war ich natürlich wie die meisten Mütter wieder mega aufgeregt. Ich malte es mir wieder schön rosig aus: eine angenehme Schwangerschaft, ein gesundes Baby, eine brave große Schwester und zu allerletzt, ein ruhiges Baby ohne Koliken. 
Ich dachte nie an ein Schreibaby, denn unsere erste Tochter war eines und ich dachte nicht, dass wir den Jackpot haben könnten mit einem zweiten. Die Koliken-Zeit mit Ella war schon ziemlich heftig damals. Die ersten 3 Monate hat sie täglich geschrien. Zwischen 18:00-19:00 Uhr ging es meistens los und dauerte bis zu drei Stunden, manchmal auch länger. Das Gute war jedoch, dass sie immer nur abends zum Schreibaby wurde und wir trotzdem noch ruhige Tage hatten.

Damals dachten wir, es kann nicht schlimmer werden. Tja, da hatten wir uns getäuscht! Es ist tatsächlich schlimmer geworden und zwar so schlimm, dass es an den Kräften zehrte!
Meine Schwangerschaft mit Lina war ein Traum, bis auf einige Tage, an denen ich mich nicht wohlgefühlt habe. Ich konnte die Schwangerschaft in vollen Zügen genießen, da mein Mann zu dieser Zeit auch zu Hause war. Somit waren wir täglich zusammen, sowie auch ein eingespieltes Team mit Ella. Auch die Geburt verlief kurz und schmerzhaft. Schon im Krankenhaus hatte Lina einige Schreiphasen, aber nicht schlimm und auch nicht lang. Wir hielten das Ganze für ziemlich normal zu der Zeit. Ab dem Zeitpunkt , an dem wir endlich nach Hause durften, begann jedoch das Weinen. Leider war es nicht dieses süße Neugeborenen-Weinen, sondern ein richtiges Schreien und es zog sich über Stunden. Ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass es täglich um die 6 Stunden andauerte. Ihr Kopf wurde dabei knallrot, die Fäuste bereit für den Boxkampf und sie schrie. Sie schrie sich ihre Lungen aus dem Leib. Das ging von morgens bis abends, außer in der Zeit, wo ich sie stillte oder sie schlief. Wenn ihr noch nie ein Schreibaby erlebt habt, kann ich euch sagen, es zerreißt, es tut weh und es macht wütend. Es verursacht einen Rollercoaster der Gefühle und es spielt keine Rolle, dass das Baby ruhig ist, wenn es schläft, denn es beeinflusst trotzdem euer ganzes Wohlbefinden.

Ich bin ein handlungsorientierter Mensch und muss immer alles hinbekommen und "reparieren" und das meistens sofort. Ich wollte ihr helfen und ich wollte sie irgendwie beruhigen. Also fing ich an wieder Bücher, Artikel, Blogposts und Experten-Tipps zu lesen, aber nichts hat geholfen. Ich trug die kleine Lina kilometerlang in der Trage oder im Tragetuch, ging wie ein Flamingo auf und ab. Nebenbei musste ich mich natürlich auch um unsere Große kümmern, die gerade mal 1 Jahr und 7 Monate alt war. Mein Mann hatte inzwischen wieder die Arbeit begonnen und war unter der Woche nicht mehr da, wie ich es gewohnt war! Rückblickend frage ich mich, was ich in dieser Zeit ohne meine Mama und anderen Helferleins gemacht hätte? Oft war ich nach einiger Zeit so kaputt, dass ich einfach mitweinte. Ich fühlte mich als Versagerin. Ich als Mutter konnte mein eigenes Baby nicht beruhigen. Wir haben so viel Geld ausgegeben für alle möglichen Tropfen und Globulis und haben unzählige Experten-Tipps ausprobiert. Nur wer sie live miterlebt hat, konnte mich auch tatsächlich verstehen. Meistens konnte sie zu der Zeit niemand länger wie 30 Minuten halten, weil es ihnen zu viel war, oder es in Tränen endete und ich auch das Gefühl hatte, dass sie doch bei mir schneller zur Ruhe fand. Ich bin zu dem Entschluss gekommen, dass es keine richtige Antwort zu diesen "Koliken" gibt, aber es definitiv richtig ist, sich Hilfe zu holen. Während dieser Zeit hat man das Gefühl, dass kein Ende in Sicht ist. Aber es gibt ein Ende!
Genau 3 Tage nachdem sie 3 Monate alt wurde, war der ganze Spuk vorbei. Wir haben seitdem ein komplett ausgewechseltes und zufriedenes Baby. Sie ist den ganzen Tag gut gelaunt, hat ein Lächeln bis zu den Ohren und weint nur noch bei Riesenhunger oder eben dann, wenn das Bäuchlein mal drückt.
Also Mamas und Papas: Es wird besser! Nach einem bestimmten Zeitpunkt wird es besser. Traut euch eure Familien und Freude um Hilfe zu bitten. Hätte ich meine Familie nicht in der Nähe gehabt, wären wir zu dem Zeitpunkt Stammkunden beim Lieferservice geworden, würden wahrscheinlich 15 kg weniger wiegen und wären psychisch total am Boden. Ich empfehle euch wirklich, jemanden zu bitten, euch in dieser Zeit zu helfen, damit ihr auch, wenn nur für kurze Zeit, in Ruhe ausgehen, ein Bad nehmen, einfach nur alleine raus an die Luft gehen oder mal in Ruhe ein Mittagsschläfchen halten könnt. Seid offen und sprecht darüber mit Eltern, die das Gleiche durchmachen oder durchgemacht haben. Zu wissen man ist nicht allein, kann einen auch nochmals stärken. Und zu allerletzt: seid gnädig zu euch selbst! Als Eltern erwartet man, dass man den Grund des Weinens oder Schreiens findet und man schnell eine Lösung dafür hat, aber leider ist ein Baby manchmal einfach nur ein Schreibaby.


DURCHHALTEN!