Sonntag, 11. Dezember 2016

Gastartikel - Eine anonyme Mama macht auf das sensible Thema früher Fehlgeburten aufmerksam.

Ich denke, fast jeder weiß, dass Fehlgeburten im ersten Schwangerschaftsdrittel häufig vorkommen und somit „normal“ sind. Doch was nicht fast jeder weiß, ist, wie schwer es dennoch für die Betroffenen ist. Deshalb möchte ich euch einmal mitnehmen:

Als ich im Frühjahr letzten Jahres erfuhr, dass ich nach gar keiner langen „Versuchszeit“ mit unserem ersten Kind schwanger bin, waren mein Mann und ich sehr glücklich. Den ersten Ultraschall-Termin legten wir so, dass er auf jeden Fall dabei sein kann. Die Vorfreude, unser Baby zu sehen, war riesengroß. Ich konnte es kaum erwarten, das kleine Pünktchen-Herz schlagen zu sehen! Als es dann so weit war, wurde die Vorfreude noch größer, eigentlich realisierte man nun erst richtig, dass in meinem Körper ein Minimenschlein heranwächst. Die ersten Wochen verliefen einfach super. Ich war erleichtert, von keiner Übelkeit geplagt zu sein und hatte tatsächlich bloß kleine Wehwehchen, die nicht der Rede wert waren. Zu jedem erneuten Wochenwechsel schaute ich morgens schnell auf mein Handy, um nachzulesen, was sich diese Woche nun alles im Baby entwickeln, was in meinem Körper passieren würde. Und immer wieder war ich vollkommen baff, wie viel sich in den ersten Wochen doch im eigenen Körper so tut! Ich dachte irgendwie immer, dass das meiste später passiert, aber das ist völlig falsch.

Der nächste Ultraschalltermin war in der 12.SSW. Um genau zu sein, in SSW 11+5. Ich wusste natürlich um die hohe Fehlgeburtenrate, war mir nun aber doch ziemlich sicher, dass ich jetzt – in der fast 13. SSW - „safe“ bin. Am Abend vor dem Termin bekam ich plötzlich leichte Blutungen. Nichts wildes, dachte ich mir, das kann und darf ja vorkommen. Als dann auch noch Unterleibsschmerzen eintraten, wurde ich ziemlich nervös. Unterleibsschmerzen können auch vorkommen, aber beides gepaart? Ich ging in die Badewanne um etwas zu entspannen und dann ins Bett. Am nächsten Morgen ging es super nervös zum Arzt.

Und genau dort kamen dann wohl mit die schlimmsten Worte, die wir jemals hören mussten: „Ich kann leider keinen Herzschlag sehen!“ Es war mucksmäuschenstill. Ich wollte etwas sagen, etwas fragen, aber ich brachte einfach keine Worte heraus.

Im Sprechzimmer sagte er dann, dass er bei dieser weit voran geschrittenen Schwangerschaft eine Ausschabung empfehle und für uns im Krankenhaus anrufen könne, um einen Termin zu vereinbaren. Noch völlig starr stimmten wir dem einfach zu (Ich bin sehr froh, dass ich auch im Nachhinein, als ich mich bei klarem Verstand selbstständig um meine Möglichkeiten informiert hatte, mich immer noch dafür entschieden hätte!). Wir konnten direkt ins Krankenhaus kommen. Dort wurde ich erneut untersucht und wieder diese Worte: „Es stimmt, es ist kein Herzschlag da.“ Ja, vielen Dank, höre ich mir gerne noch ein paar weitere Male an. 

Später weiter zur Aufklärung der Narkose. „Also Sie haben sich nun dafür entschieden.“ Ich musste kurz überlegen, was gemeint war. Nein, ich habe mich für gar nichts entschieden, ich habe mein Baby verloren! Diese Untersuchungen und Aufklärungen waren offensichtlich total die Routine bei den Ärzten, anscheinend vergaßen manche dadurch die gerade dort so wichtige Empathie. Die Schwester auf der Station und die Ärztin, die die Abschlussuntersuchung machte, waren aber sehr nett und zuvorkommend. Das muss ich fairerweise auf jeden Fall dazusagen.

Bei Familie und Freunden wollten wir die Schwangerschaft erst bekanntgeben, wenn wir im zweiten Trimester angekommen sind. Somit wusste keiner bescheid. Als wir von der Fehlgeburt erzählten, kamen verschiedene Reaktionen. Es gab welche, die mitgetrauert haben, es gab welche, die nur kurz „Tut mir leid“ sagten und dann gab es die, die fragten, ob es denn schlimm für uns sei und die, die sagten, ach, sie war ja noch nicht so weit.

An dieser Stelle sei gesagt: Natürlich ist es in gewisser Weise ein Unterschied, ob man sein Baby kurz vor der Geburt verliert oder im Anfangsstadium der Schwangerschaft. Aber liebe Leute, egal, ob in der 8., 12. oder 35. Woche. Wenn eine Mutter ihr Baby als ihr Baby angenommen hat - und das kann schon ab positivem Schwangerschaftstest sein - fühlt es sich nicht an, als würde da Gewebe (wie es im Krankenhaus genannt wurde) abgestorben sein. Es fühlt sich tatsächlich so an, als wäre sein Baby gestorben, denn so ist es nun mal auch.

Meine zweite Schwangerschaft war in den ersten Wochen eine starke psychische Belastung, ich hab erst in der 15. Woche vorsichtig aufgeatmet. Nachdem ich das Herz in der 11. Woche schlagen sehen hab, hab ich mich natürlich gefreut, im Auto aber erst mal geheult. Schließlich hatte das Herz meines ersten Babys doch auch geschlagen und wer weiß, ob dieses kleine Herzchen nicht auch noch aufhört? Heute kann ich mich glücklicherweise über eine ganz fabelhafte kleine Maus freuen.


Liebe Leser, ich bitte euch darum, den Müttern und auch nicht zu vergessen den Vätern, die sich egal zu welchem Zeitpunkt von ihrem Baby verabschieden mussten, viel, ganz viel Mitgefühl entgegenzubringen. Sie werden es euch vielmals danken. Nehmt es ernst, seid für sie da und spielt es um Gottes Willen nicht herunter!

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P.S.: Für neue Gastartikel meldet euch sehr gerne unter info@loeckchenzauber.de! Ich freue mich immer über weitere Themenvorschläge und einer kurzen Zusammenfassung von euch!