Sonntag, 20. November 2016

GASTARTIKEL - Wenn dein Baby in SSW 23 + 0 auf die Welt geholt wird.

Hallo, mein Name ist Conny und ich bin 28 Jahre alt. Im September letzten Jahres bin ich zum zweiten Mal Mutter geworden. Ein absolutes Wunschkind, auf das wir uns so gefreut haben. Als ich die Bestätigung der Schwangerschaft in der Hand hielt, konnte ich mich vor Freude kaum halten. Ich war die stolzeste Schwangere der Welt und kaufte direkt einen Vorrat an Umstandsmode ein. Wohl bemerkt war ich in der 6. Woche! Die Schwangerschaft verlief völlig normal. Mir ging es so lange gut bis meine Frauenärztin mich auf Protein im Urin aufmerksam machte. Ich bekam direkt eine Überweisung ins Krankenhaus und so nahm der Albtraum seinen Lauf. Ich hatte in der ersten Nacht 6 Liter Wasser eingelagert, was den Chefarzt dazu veranlagte, mich in eine Uni Klinik verlegen zu lassen. Zu diesem Zeitpunkt war ich erst in der 19. SSW. Dort angekommen begann ein Wettlauf gegen die Zeit. Meine Blutwerte (Thrombozyten) wurden immer schlechter und doch hatte ich die Hoffnung, das alles mit meinem Wunschkind zu überstehen. Zwischenzeitlich ging es mir dann tatsächlich auch immer besser.

Doch am 11. September kam alles anders. Ich hatte die schlimmsten Schmerzen meines Lebens und musste mich sekündlich übergeben. Eine Schwester entnahm mir zur Kontrolle Blut. Eine halbe Stunde später standen mehrere Ärzte an meinem Bett. Sie sagten mir, dass sie jetzt sofort einen Kaiserschnitt machen müssten, da mein Leben in Gefahr sei. Ich war geschockt! Zu diesem Zeitpunkt war ich schliesslich erst in der 23+0 SSW. Da ich Kinderkrankenschwester bin, wusste ich dementsprechend auch sofort, was das bedeutet. Für mich stand fest: Ich möchte diesen Kaiserschnitt definitiv nicht durchführen lassen. Ich habe mich wirklich dagegen gewehrt. Mein Mann wurde direkt aus dem Bett geklingelt. Man schilderte ihm alles und er sollte entscheiden. Er konnte es nicht. Wie sollte er auch entscheiden? Entweder seine Frau oder sein Kind. Furchtbar. Wir waren machtlos. Ich musste also einen Kaiserschnitt über mich ergehen lassen. Im Hinterkopf immer der Gedanke, dass mein Baby gleich sterben wird.

Um 5:38 Uhr wurde unsere kleine Maus geboren. Winzige 25cm klein und zarte 380 Gramm leicht.

Ich war so wütend. Wütend auf mich, auf die Ärzte, einfach auf die ganze Welt. Ich konnte es nicht verstehen. Wir haben gerade erst erfahren, dass wir ein zweites Mädchen bekommen und jetzt sollte alles vorbei sein?! Ich stand völlig neben mir, habe geweint und geschrien. Es war einfach unglaublich schrecklich. Meine kleines armes Mädchen in diesem Inkubator zu sehen. Sehen, wie sie leiden musste. Ich lag direkt nach der Geburt einige Minuten alleine im Kreißsaal. Ich muss dazu sagen, dass mein Mann ungefähr 1 Stunde bis zur Klinik fahren und erstmal ein „Kindermädchen“ finden musste. Ich war so froh als ich ihn dann endlich sah und brach direkt in Tränen aus. Ich war von dem Kaiserschnitt so mitgenommen, dass ich immer wieder einschlief. Nach einiger Zeit klingelten wir, da wir wissen wollten wie es um unser Kind stand Leider bekamen wir jedoch keine Informationen. Ich schickte meinem Mann auf die Station, auf der unsere Maus bereits 2 Stunden um ihr Leben kämpfte. Er kam jedoch ohne Informationen wieder. Es war so schlimm. Ich wollte wissen, wie es um sie steht, ob sie lebt und überhaupt. Alle sind uns aus dem Weg gegangen bis mir schließlich der Kragen platzte. Ich klingelte und teilte der Hebammenschülerin mit, dass ich sofort mit einem Kinderarzt sprechen möchte. Ginge dies nicht, würde ich alleine auf die Station gehen. Endlich passierte etwas. Der Arzt, der de Kaiserschnitt durchführte, betrat mein Zimmer. Bevor er sich vorstellen konnte, fragte ich ihn, ob meine Tochter leben würde. Dies bejahte er. Puuuuh, ich war so froh!! Er teilte uns mit, dass sie sehr unreif sei (...was ja kein Wunder war) und das wir die nächsten Stunden abwarten müssen. Nach dem Gespräch brachte mich eine Hebamme zu meiner winzigen Tochter. Ich befand mich in einer Art Schockstarre. Ich sah mein kleines Mädchen, das Mädchen auf das ich mich soooo sehr gefreut hatte. Sie lag in ihrem Inkubator und ich fühlte einfach nichts. Gar nichts! Ich war leer und wollte sofort wieder weg. Ich konnte mir nicht erklären, warum ich so empfand. Das ging ganze drei Tage so. Am dritten Tag sagte mir eine Ärztin, dass sie unsere Lilly beatmet müsse, damit sie sich körperlich erholen kann. (Sie hatte von Anfang an selbstständig mit einer Atemunterstützung geatmet.) Zu diesem Zeitpunkt stand ich neben dem Inkubator und brach zusammen. Ich hatte keine Kontrolle mehr über meinem Körper. Ich sackte zu Boden und fing an zu weinen, nein, ich schrie! Die Ärztin fing mich auf und versuchte mich zu beruhigen. Sie rief direkt eine Psychologin an. Ab diesem Tag hatte ich endlich Müttergefühle. Ich weinte viel. Es war eine sehr anstrengende Zeit, die nach langen 5 1/2 Monaten zu Ende ging. In dieser Zeit hat unsere Tochter mehrmals dem Tod ins Gesicht geblickt. Aber sie hat gekämpft und den Kampf gewonnen. Ich bin so stolz auf sie.

Sie war unheimlich  tapfer! 6 Operationen lagen hinter ihr, aber sie hatte es geschafft. 6 Monate nach ihrer Geburt durften wir sie mit nach Hause nehmen. Völlig gesund!!! Sie ist unser Wunder, sie ist so ein Sonnenschein. Sie hatte von Anfang an unglaublichen Willen, den Willen zu leben. Ich bin so dankbar, dass sie uns nicht genommen wurde.

An alle Mamas da draußen, die vielleicht gerade selbst vor einer Frühgeburt stehen oder gerade eineFrühgeburt erlebt haben. Seid stark, stark für euer Kind! Und wenn ihr mal weinen wollt, lasst es raus, schreit auch mal. Es nimmt ein wenig den Schmerz und es gibt vor allem neue Kraft. Kraft, die man in dieser Zeit aufbringen muss. Der Tag wird kommen, an dem diese schrekliche Zeit ein Ende findet.

Kinder sind die wertvollsten Wesen, Kinder lieben bedingungslos.

Wenn ihr mehr über uns erfahren wollt, könnt ihr mir gerne auf meinem Blog www.fruehchenwunder.de oder bei  Instagram unter „fruehchenwunder“ folgen.

Conny




P.S.: Wenn auch ihr EURE Geschichte auf meinem Blog veröffentlichen wollt, meldet euch sehr gerne per E-Mail mit einer Kurzfassung unter info@loeckchenzauber.de!