Sonntag, 16. Oktober 2016

GASTARTIKEL - Mama Svenja bekam mit 14 Jahren ihre Tochter und erzählt, wie es ihr 7 Jahre später geht.


Ich bin Svenja, 21 Jahre alt und Mutter einer ganz tollen Tochter. Über meine Geschichte werden einige vielleicht denken „Ob das wirklich alles so stimmt, wie es hier steht?“ Ja, es stimmt tatsächlich.

Im Juli 2009, also vor 7 Jahren, wurde unsere bezaubernde Tochter geboren. Huch, nun müsst ihr sicher erstmal nachrechnen und werdet stutzig. Ja, ich war tatsächlich blutjunge 14 Jahre alt. Der dazugehörige Papa damals 16. Ich erfuhr im April 2009 – wohlgemerkt in der 28.SSW – von meiner Schwangerschaft. Ich hatte natürlich nicht damit gerechnet, war vollkommen überfordert und wusste überhaupt nicht, was ich tun soll. Mein Freund hingegen hatte sich ab dem ersten Moment total gefreut. Ich erinnere mich noch daran, wie wir kurz nachdem wir es erfuhren, auf seinem Roller durch die Stadt fuhren. Es war nur ein kurzes Stück und ich habe ununterbrochen geweint. Ich hatte so viele Fragezeichen in meinem Kopf, so viele Gedanken und befand mich in einem absoluten Gefühlschaos.

Die Zeit verging, mein Bauch wurde immer runder und die Schwangerschaft war nun nicht mehr zu übersehen. Es war alles nicht so einfach, wie es sich so mancher vielleicht vorstellt. Schon vor der Geburt gingen wir durch richtig schwere Zeiten. Das Schlimmste war, dass das Jugendamt uns das Kind am liebsten aus dem Bauch geschnitten und in Obhut genommen hätte. Ja, so hat es den Anschein gemacht. Es war furchtbar, aber wir haben uns gemeinsam mit unserer Familie stark gemacht und vehement dagegen gewehrt. Unsere Familien waren damals eigentlich noch gar nicht wirklich „grün“ miteinander, aber irgendwie standen sie doch alle mehr oder weniger hinter uns. Es gab leider viele verschiede Ansichten in der Familie, dadurch auch die ein oder andere Auseinandersetzung. Ich stand oft zwischen den Stühlen und war mit mir selbst gar nicht im Einklang. So unterschiedliche Meinungen, Ratschläge und Tipps und ich eigentlich ja noch ein Kind. Ich war oft verzweifelt. Ich wollte es irgendwie allen recht machen, doch das war alles andere als leicht. Irgendwann beschloss ich, nur noch auf mein Herz und meinen Bauch zu hören. Ich hielt mit meinem Freund zusammen, nur gemeinsam konnten wir stark sein. Unsere Gefühle zu diesem Zeitpunkt waren unbeschreiblich. Ich habe all die Wochen viel geweint, an mir selbst gezweifelt. Doch dann dachte ich immer an meinen Bauchzwerg und wusste wieder, für was ich den Kampf kämpfe. An Aufgeben war nicht zu denken.

Irgendwann kam dann der Tag der Tage. Um 4:30 Uhr platzte meine Fruchtblase. Meine Mama fuhr uns direkt in die Klinik. Die Schmerzen ertrug ich irgendwie, ich hatte es mir sogar schlimmer vorgestellt. Es zog sich allerdings wie Kaugummi. Meine Mama und mein Freund blieben unentwegt bei mir im Kreißsaal. Um 17:05 Uhr war es dann endlich so weit und unsere Tochter erblickte auf natürlichem Wege das Licht der Welt. Mit Freudentränen nahmen wir sie in Empfang.

Wir bleiben drei Tage in einem Familienzimmer im Krankenhaus und konnten uns dadurch erst einmal in aller Ruhe kennenlernen. Diese Emotionen rund um die Geburt werden wir für immer in uns abspeichern. Unsere Tochter war so klein, so zart, so wunderschön. Plötzlich waren wir zu dritt, eine richtige kleine Familie.

Mit unserer Tochter wohnten wir anfangs noch eine Weile bei meiner Mutter, wollten dann aber schnellstmöglich eine eigene Wohnung beziehen. Die Suche gestaltete sich alles andere als leicht. Wer gibt schon einer 14- und einem 16-Jährigen eine Wohnung? Nach einer langatmigen Suche fanden wir dann aber doch noch eine schöne Wohnung. Mein Freund machte damals gerade seine Ausbildung und ich besuchte noch die Schule. Unsere Maus wurde daher zeitweise von einer Tagesmutter betreut. Anfangs lief irgendwie auch alles ganz gut, doch als ich meinen Kopf entwickelte und erste eigene Entscheidungen traf, wurde es innerhalb unserer Familie erneut  schwierig. An dieser Stelle möchte ich jedoch niemandem zu nahe treten und lasse es einfach mal so stehen, ohne ins Detail zu gehen.
Auf jeden Fall blieb ich in Absprache mit der Schule zu dieser Zeit erstmal daheim und besuchte diese nur zu anstehenden Prüfungen. 2012 machte ich dann regulär meinen Realschulabschluss mit einem Notendurchschnitt von 1,6! Ich war und bin unheimlich stolz darauf. Natürlich war an dieser Stelle noch nicht Schluss mit dem Thema Lernen. Ich hatte mich entschlossen, eine Ausbildung zu machen. Somit wurde die Uroma unserer Tochter in die Kinderbetreuung eingespannt. Mit dieser Lösung fühlten wir uns allesamt wohl. So wohl, dass die Uromi unsere Tochter auch heute noch behütet, wenn wir arbeiten müssen. Mein Freund hatte zu diesem Zeitpunkt nämlich ebenfalls Prüfungen und schloss seine Ausbildung sehr gut ab. Außerdem wurde er direkt in seinem Ausbildungsbetrieb fest eingestellt.
Im Oktober 2012 habe ich dann mit meiner Ausbildung zur Kinderkrankenschwester begonnen. Seit Oktober 2015 bin ich examiniert und arbeite heute in Vollzeit auf einer Kinderintensivstation.

Ihr merkt, ich spreche noch immer von einem „WIR“. Ja, der Papa unserer Tochter und ich, wir sind mittlerweile sogar verheiratet. Nach 8 Jahren Beziehung beschlossen wir 2014 zu heiraten. Unsere Hochzeit kam mir vor wie ein Märchentraum. Wir feierten mit der kompletten Familie und unseren liebsten Freunden in einer Burg. Auch hier hagelte es von außen Kritik: „Wie kann man so jung heiraten....!?“ etc., aber wir standen hinter unser Entscheidung. Es war eine Entscheidung für UNS. 

Mit Fleiß und Disziplin machte meine Mann letztes Jahr sogar noch seinen Meister. Nun ja, wir schreiben inzwischen das Jahr 2016. Wir lieben uns nach wie vor und sind noch immer eine unheimlich glückliche Familie.
Unsere Tochter ist mit ihren 7 Jahren super entwickelt. Sie wirkt so vernünftig, ist klug und wissbegierig. Inzwischen besucht sie nun schon die 2 Klasse.
Wir sind jetzt schon 10 1/2 Jahre zusammen, 2 1/2 Jahre davon verheiratet. Wir haben gelernt, dass uns so schnell nichts voneinander trennen kann. Wir sind zu einer Einheit gewachsen, die Höhen und Tiefen gemeinsam meistert. Auch nach all den kleinen und großen Krisen, u.a. hinsichtlich unserer Familien, haben wir es bis hierher geschafft. Es gäbe noch vieles mehr zu erzählen, aber das würde an dieser Stelle den Rahmen sprengen.

Heute haben mein Mann und ich auf jeden Fall ein gefestigtes Umfeld. Wir haben wahre Freunde um uns, die trotz unserer Situation geblieben oder hinzugekommen sind. Das war keine Selbstverständlichkeit, denn unser Leben sah, wie ihr euch sicher vorstellen könnt, im Vergleich zu dem eines Gleichaltrigen komplett gegenteilig aus. „Nächte durchtanzen“ gab es maximal in den heimischen vier Wänden, wenn die Kleine nicht zur Ruhe kam und die Nacht zum Tag machte. ;-)

Momentan bauen wir gerade unsere eigenen 4 Wände. In uns Dreien herrscht riesige Vorfreude. Bis es so weit ist und unser erster Umzug als Familie ansteht, wohnen wir weiterhin in unserer damals bezogenen ersten, gemeinsamen Wohnung. Ganz egal, was andere über uns sagen oder denken, wir sind stolz auf das, was wir geschafft haben. Wir halten uns aneinander fest, bis dass der Tod uns scheidet.