Sonntag, 2. Oktober 2016

GASTARTIKEL - Mama Katharina erzählt, warum sie nach der Geburt ihres Sohnes kurzzeitig sogar an einer Adoption dachte...

Hallo, mein Name ist Katharina und ich bin 30 Jahre alt. Seit 9 Wochen bin ich Mama von unserem kleinen Anton. Er ist ein absolutes Wunschkind. Als ich den positiven Schwangerschaftstest in der Hand hielt, konnte ich noch nicht mal abwarten bis der werdende Papa zu Hause ist, stattdessen rief ich ihn weinend an und erzählte es ihm am Telefon (nicht gerade sehr schön verpackt, ich weiß)...

Nachdem Anton 7 Tage nach errechnetem Termin noch immer nicht kommen wollte, wurde die Geburt schließlich auf unseren Wunsch hin eingeleitet. Aber was dann passierte, damit habe ich niemals gerechnet...

Nach 2 Nächten durften wir das Krankenhaus verlassen und ich war vollkommen überfordert, wünschte mir mein Kind weg, mein altes Leben zurück, konnte keine Verbindung zu ihm aufbauen. Von Tag zu Tag wurde es schlimmer, ich weinte nur noch - wie kann man ein Kind nicht lieben und sich wünschen, es wäre niemals geboren, wenn man es sich vorher doch so gewünscht hat?! Jede Mama erzählt einem doch, dass man Gefühle spürt, die man noch nie erlebt hat!? Aber Anton hätte für mich auch ein fremdes Kind sein können. Wenn ich das lese, komme ich mir wie der schlechteste Mensch auf der Welt vor, vor allem wie eine Rabenmutter... Aber wer macht sich schon vorher Gedanken darüber, das er in postnatale Depressionen verfallen könnte - es erwischt doch immer die anderen...!? 

Ich hatte kurz vor der Entbindung sogar noch einen Film zu diesem Thema gesehen und fand es so schrecklich, dass es so etwas gibt. Jetzt erging es mir selbst so.

Es ging so weit, das ich meinem Freund mehrfach vorschlug, das Baby zur Adoption frei zu geben, denn er hätte es woanders doch so viel besser und wir könnten so weitermachen wie vorher (was ein Quatsch, aber so dachte ich tatsächlich).

Ich erkannte mich selbst nicht wieder, hatte Gedanken, die so weit gingen, das mein Freund und meine Mutter sich nicht trauten, mich mit Anton alleine zu lassen. Ich merkte selber, das ich Hilfe brauchte. N

ach unzähligen Anrufen, Emails und Arztbesuchen, wurden mir schließlich Antidepressive und eine Therapie beim Psychologen verschrieben. Leider sind die Termine für eine solche Therapie kurzfristig nicht zu bekommen, was ich bei einer solchen Erkrankung erschreckend finde. Ich wollte doch nur Hilfe ,um mein Kind lieben zu können. 




Was mir schließlich half, war meine Familie. 

Ich ging für eine Zeit zusammen mit Anton zu meiner Mutter und erfuhr überall Unterstützung, wirklich niemand hat mich verurteilt. Ich habe sehr viel über das Thema gesprochen, mich nicht versteckt und auch andere Mütter kennengelernt, denen es ähnlich erging.

Ich möchte hiermit allen betroffenen Frauen Mut machen! Sprecht darüber, denn es hilft so sehr und nur so kann man dem Teufelskreis entkommen! 

Eine Geburt ist das Größte, was man "durchmachen" kann. Man hat 40 Wochen eine Hormonumstellung  erlebt und genauso lange braucht der Körper, um zur alten Form zurückzufinden!
Es trifft am häufigsten Frauen, die vorher gut strukturiert waren und einen festen Tagesablauf hatten, was mit einem Baby eben nicht mehr drin ist. 

Plant nicht zu viel im Voraus und lasst alles entspannt auf euch zukommen, es kommt doch anders als man denkt und niemand, wirklich niemand, kann einem erklären, wie sich das Leben verändert. Man muss es selbst erleben. 

Jemand hat mir mal gesagt, das es ist, wie mit einer neuen Beziehung. Auch hier muss man den Partner - in diesem Fall das Kind - erst einmal kennenlernen und das trifft es wohl ganz gut, nur das man eben zu 100% verantwortlich ist und 24/7 da sein muss.

Mittlerweile komme ich besser mit meinem neuen Alltag klar, aber ganz weg ist die Depression immer noch nicht. Bei manchen geht es schneller, bei anderen kann es bis zu einem Jahr dauern. Wenn es aber stetig so weitergeht wie bisher, bin ich positiv gestimmt, dass ich mir ein Leben ohne meinen Sohn irgendwann nicht mehr vorstellen kann! Schon jetzt macht mich jedes Lächeln von ihm glücklich und entschädigt für viel!

Liebe Julia, es war mir eine Herzensangelegenheit über dieses Thema ein bisschen zu schreiben, um anderen betroffenen Frauen Mut zu machen! Ich finde, dass immer noch zu wenig über postnatale Depressionen gesprochen wird, obwohl es eine ernst zu nehmende Erkrankung ist, für die niemand etwas kann.

Eine gute Seite, um Hilfe zu bekommen, ist Folgende: www.schatten-und-licht.de !


Liebe Grüsse
Katharina


// P.S.: Wer "seine Geschichte" hier ebenfalls veröffentlichen möchte, darf sich gerne per Mail an mich wenden (info@loeckchenzauber.de!) Ich freue mich auf eure Mails! Gruss Julia