Samstag, 22. Oktober 2016

Früher war es für mich einfach nur „öko“, heute ist es fast schon Balsam für die Seele. Thema Hausgeburt.


Wo fange ich am besten an? Öko, was ist eigentlich ÖKO? Kennt ihr das nicht auch? So haltlose und eigentlich schwachsinnige Bezeichnungen für etwas, was eigentlich so rein gar nichts damit zu tun hat?! Tragen, lange stillen... All das machen doch nur die „Ökos“. Wer oder was genau sind diese Ökos eigentlich? Es ist mir fast schon peinlich, das zu schreiben, aber es gab Zeiten, da habe ich tatsächlich genau so schwachsinnig gedacht. Öko war für mich Vieles mehr, nicht nur in Bezug auf Kinder. Aus der Ironie heraus nutze ich diesen Begriff tatsächlich immer noch ab und an. ;-)

Ich habe schon länger das Gefühl, die Gesellschaft befindet sich in Bezug auf das Thema Schwangerschaft/Geburt, Babyzeit und Kindererziehung irgendwie im Wandel. Dabei gehen „wir“ sowohl vor als auch zurück. Vieles wird moderner, und neu auferlegt da wir glücklicherweise mehr hinterfragen. Vieles wird aber auch einfach wieder genau so gemacht wie früher, also so ganz ganz früher. Ich mag diesen Wandel und hoffe darauf, dass er sich in dem einen oder anderen Punkt noch mehr durchsetzen wird.

Bei meiner ersten Geburt, ich war 24 Jahre jung, hatte ich keinen einzigen Moment an eine Hausgeburt gedacht. Das war nicht nur öko, das war irgendwie weltfremd, fast schon verrückt für mich. ;-) In meiner zweiten Schwangerschaft war es schon viel mehr ein Thema, aber dennoch irgendwie ausgeschlossen. Aus unserem Vorbereitungskurs haben am Ende tatsächlich 3 Mamas ihre Kinder zu Hause geboren, alle mit unserer Hebamme. Für eine Mama davon war es sogar die erste Geburt. Toll gemacht, liebe G.. :-)

Ich erinnere mich noch ganz genau daran, wie schnell die Geburt unserer zweiten Tochter verlief. Es war der 26.02.2015. Meine ersten wirklich schmerzhaften Wehen verspürte ich gegen 12.45 Uhr, nachdem mir in der Nacht zuvor die Fruchtblase platzte. Ja, und um 14:09 Uhr war unser Babymädchen schon geboren. Als unsere Hebamme gegen 13:20 Uhr bei uns zu Hause eintraf, hatte sie alles dabei und fragte noch mal, ob ich bleiben oder ins Krankenhaus möchte. Ich entschied mich für das Zweitere. Im Krankenhaus angekommen ging es dann ja wirklich mehr als schnell. Kurz nach 18 Uhr waren wir dann - mit unserem Babymädchen im Arm - auch schon wieder zu Hause. Ein längerer Krankenhausaufenthalt kam für mich nicht in Frage, das war schon zu Beginn der Schwangerschaft.
Warum, das lest ihr in meinem Artikel: „Entspannte Babys – Kann ich mir eines backen?“.

Heute frage ich mich, warum ich uns (der Kleinen und mir) eigentlich diesen "Stress " angetan habe und in die Klinik gefahren bin? Wobei, irgendwie war es auch so etwas wie Ablenkung, muss ich gestehen. Die Fahrt, das Ankommen und das komplette Drumherum.I ch bildete mir ein, so würde die Zeit (noch) schneller vergehen. ;-)
Zurück zur Frage, warum ich mir das "angetan habe"?! Nun werden viele denken, na um sicher sein zu können, dass bei Bedarf medizinisch geholfen wird. Stimmt natürlich grundsätzlich auch. Dennoch, für mich steht fest:
Bekommen wir noch einmal Nachwuchs, dann möchte ich diesen sehr gerne zu Hause gebären. Natürlich immer unter der Voraussetzung, dass die Schwangerschaft bis dato komplikationsfrei verlief. Ich stelle mir das einfach absolut schön vor. Ich möchte behaupten, inzwischen grundsätzlich eine stark ausgeprägt positive Lebenseinstellung zu haben. So auch hier. Ich bin einfach optimistisch und vor allem setze ich vollstes Vertrauen in meinen Körper UND in meine Hebamme. Natürlich bleibt dennoch ein Restrisiko, aber es ist sehr gering, wenn man sich Statistiken ansieht. 

Für mich steht im Vordergrund, dass wir uns alle mit der Situation wohlfühlen und das die Ankunft unseres möglichen neuen Familienmitglieds durchweg entspannt ist. Das Selbige gilt für die ersten Tage/Wochen.
Eine Hausgeburt hat für mich persönlich so viele Vorteile. Zum einen ist man in seiner gewohnten Umgebung, man fühlt sich also wohl. Man kann nach der Geburt direkt in das heimische Bett hüpfen und dort mit dem Neugeborenen stundenlang kuscheln. Das Baby bleibt direkt nach dem Entbinden viel länger bei mir, die Nabelschnur darf vor dem Durchtrennen auspulsieren und überhaupt stelle ich mir, insbesondere die Zeit ab der Geburt, so so viel entspannter, gemütlicher und noch schöner vor. Wird in eine Geburt nicht eingegriffen, so läuft der natürliche Geburtsverlauf statistisch gesehen wesentlich häufiger komplikationslos. Ich hätte es selbst nie für möglich gehalten, dass ich bei diesem Thema mal ins Schwärmen geraten würde, bin aber froh, dass ich dahingehend offener geworden bin, mich zudem viel belesen habe. Ich höre so häufig auf meinen Bauch und auf mein Herz, handle in Bezug auf das gesamte Leben sehr intuitiv. Und es tut so gut!




In meinem Herzen existiert für mich keine Geburt mehr in einem Krankenhaus, in meinem Herzen habe ich andere Wunschvorstellungen. Nicht, weil ich es schlecht in Erinnerung habe, sondern weil ich es mir noch schöner vorstellen kann! Nur für uns ganz persönlich.
Der Papa im Hause benötigt noch etwas Überzeugungsarbeit, spätestens meine Hebamme würde das jedoch sicher hinbekommen. ;-) So im Falle des Falles. Vielleicht. Irgendwann.
Bei ihm stehen die Sorge und Angst noch zu sehr im Vordergrund, hat er sich natürlich auch noch nie wirklich mit diesem Thema auseinandergesetzt.

Sehr gerne dürft ihr mir in den Kommentaren bei Instagram oder Facebook eure Erfahrungen zum Thema Hausgeburt mitteilen. Ich würde mich freuen, auch wenn es nur ein paar wenige von euch sind. Denn, wenngleich die Zahl steigend ist, so bleibt sie aktuell noch immer schwindend gering - was ja auch vollkommen ok ist.

Ich möchte mit diesem Artikel niemandem seine Klinikgeburt ausreden, um Gottes Willen. Eine Geburt ist so ein einschneidendes Erlebnis im Leben einer Frau, da sollte jeder seine Meinung haben dürfen und nach seinen ganz persönlichen Wünschen entscheiden. Ich wollte es mir quasi einfach nur mal von der Seele schreiben und außerdem sagen: Nicht alles, was man erstmal komisch findet, ist am Ende auch tatsächlich komisch.

Eure Julia