Mittwoch, 28. September 2016

Schwangere wollen nicht hören, dass....

Vorab sei gesagt, bezüglich meiner Person liegen mir aktuell keine Informationen oder Erkenntnisse über eine mögliche Schwangerschaft vor. Also NEIN, ich bin NICHT schwanger, musste dennoch aus einem Gespräch heraus, diesen Post verfassen und mit euch teilen. ;-)

Schwangere sind sensibel, ich möchte sogar sagen, sehr sensibel. Nicht alle, aber ganz bestimmt sehr viele.

Speichert euch als Freunde, Geschwister, Eltern, Partner o.Ä. einer Schwangeren bitte Folgendes ganz, ganz fest ab:

Schwangere wollen nicht hören, dass ihr Babybauch für die dementsprechende SSW sehr klein oder sehr gross wirkt. Babybauch ist Babybauch und der eigene ist immer schön, ganz egal wie gross oder klein er ist.

Auch wollen sie nicht als erstes die Frage gestellt bekommen, ob sie gewollt oder ungewollt schwanger wurden. Ach, was sage ich, diese Frage verbietet sich KOMPLETT! 

Schwangere Frauen wollen auch nicht, dass ihr ungefragt einfach den Bauch anfasst und wie bei einem Hundekopf darüberstreichelt. Ihr dürft gerne vorher fragen. 

Schwangere sind grundsätzlich sehr glücklich über ihre Schwangerschaft und es spielt hierbei überhaupt keine Rolle, die wie viele Schwangerschaft es ist!! Reaktionen, wie z:B. "Was? Ihr habt doch schon 2 Kinder?!" dürft ihr für euch behalten.

Eine Schwangere freut sich nach dem Outing in den wirklich allermeisten Fällen über das Geschlecht ihres Babys, selbst wenn sie sich zuvor vielleicht heimlich, das jeweils andere Geschlecht gewünscht hat. Reaktionen wie "Ohh, schade." oder "Na dann wird es beim nächsten Mal vielleicht ein xy." sind einfach echt fehl am Platz. So richtig!

Auch wenn es stimmt und man sich eventuell mal zurücksehnen wird, wollen Schwangere - insbesondere beim Übertragen (!) - nicht zehnmal täglich hören, dass sie die Schwangerschaft noch geniessen sollen. Auch über den Satz "Raus kommen sie alle irgendwann!" kann man spätestens ab der 41. Schwangerschaftswoche nicht mehr lachen. ;-)

Da wären wir schon beim letzten, aber wirklich nicht zu verachtenden Punkt angelangt:

Bitte nicht zwei Wochen vor dem voraussichtlichen Entbindungstermin anfangen, die Schwangere täglich über das Handy oder auch persönlich daran zur erinnern, dass das Baby doch schon kommen könnte und über irgendwelche Pseudo-Fragen eigentlich nur wissen zu wollen, ob es denn nun schon losgeht oder das Baby sogar schon da ist, ohne das man bescheid wüsste! 
Ihr werdet es schon erfahren, versprochen! :-)




Ach, liebe Nicht-Schwangeren, die Liste könnte noch weiter fortgeführt werden, so lange ist der Mittagsschlaf unseres Babymädchen allerdings nicht. 

Wenn ihr euch an diese wenigen und eigentlich wirklich leicht umsetzbaren Punkte haltet, dann könntet ihr echt dicke Kumpels mit jeder Schwangeren werden! 

Chapeau!

Sonntag, 25. September 2016

GASTARTIKEL - Mama Sandra erzählt, warum sie während ihrer 2. Schwangerschaft ihre eigene Beerdigung plante.


Ich stelle mich kurz vor: Mein Name ist Sandra Röpe, ich bin mittlerweile 34 Jahre alt und Mama von zwei wunderbaren Jungs.

Bevor ich einen Einblick in unsere Geschichte gebe, möchte ich Dir, liebe Julia, von Herzen etwas sagen: Danke! Danke, dass ich einen Gastbeitrag auf Deinem Blog schreiben darf.
Liebe Leser, auch Euch danke ich dafür, dass ihr Eure kostbare Zeit gerade in meine geschriebenen Zeilen investiert. Los geht’s:

„Mama, ist Deine Brust immer noch krank?“ Die Worte unseres Sohnes Matthis* ließen mich innerlich zusammenzucken. Ich nahm Matthis in den Arm und schloss meine Augen, um mich ganz auf ihn zu konzentrieren. Was sollte ich sagen? Ich wich der Frage aus und meinte nur: „Matthis, noch ist die Brust krank, aber sie wird wieder gesund werden…“ Matthis strahlte. Herrje, er war noch nicht einmal 3 Jahre alt. „Reiß Dich zusammen“, sagte ich zu mir selbst. Matthis löste sich aus der Umarmung, hüpfte fröhlich zu seinem Spieltisch, schnappte sich aus seinem Arztkoffer das Stethoskop und kam fröhlich zu mir zurück. „Mama, ich mache Dich wieder gesund!“
Matthis wusste bereits, dass er einen Bruder bekommen wird. Ich war das zweite Mal schwanger. Matthis wusste aber auch, dass ich krank war…
Es war der 04.02.2015. An diesem Tag änderten drei ausgesprochene Worte einfach alles…

„Sie… haben … Krebs!“ Ich konnte den weiteren Worten der Ärztin kaum folgen, ich stand unter Schock. „Frau Röpe, Ihr Krebs ist äußerst aggressiv. Wir empfehlen Ihnen dringend, direkt mit einer Chemotherapie zu beginnen.“ Was? Mit gefasster Stimme stellte ich der Ärztin eine Frage: „Können wir mit der Chemotherapie nicht warten, bis unser zweites Kind geboren ist?“ Sie sah mich an, wog ihre Antwort gut ab und antwortete mit ruhiger fester Stimme: „Sie wollen doch Ihre zwei Kinder aufwachsen sehen, oder?“

Zu diesem Zeitpunkt befand ich mich bereits in der 20. Schwangerschaftswoche. Es war für mich die schlimmste Erfahrung, die ich in meinem Leben je machen musste. Als die Ärztin meinte, dass ich Brustkrebs habe, brach für mich meine ganze Welt zusammen. Es änderte sich schlagartig alles. Ich hatte Todesangst. Angst, die ich kaum beschreiben kann.

Nach der Diagnose und dem Entschluss, eine Chemotherapie während der Schwangerschaft durchzuführen, war mein Kalender voll mit Arztterminen. Der Kleine musste ständig via Ultraschall kontrolliert werden. Vor jeder Ultraschalluntersuchung war ich sehr nervös. Aber jedes Mal sagte man mir „Alles in Ordnung, der Kleine wächst normal. Nichts Auffälliges zu entdecken!“ Bei der ersten Chemotherapie rumpelte unser Baby in meinem Bauch. Ich musste weinen, denn ich wollte das alles nicht! Trotz, dass ich es wollte! Das klingt verwirrend… Im Verlaufe der Behandlung kam nämlich die nächste Hiobsbotschaft: Der Krebs hatte bereits in die Leber gestreut. Hätte ich abgebrochen oder die Therapie nicht gemacht, wäre ich jetzt sehr wahrscheinlich nicht mehr am Leben.

Diese Zeit war eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Ich wollte nur normal schwanger sein und diese Schwangerschaft genießen. Aber das Leben gab mir eine weitere Aufgabe. Nämlich in der schönsten Zeit des Lebens auch die schrecklichste Zeit eines Lebens zu ertragen.
Von der Chemotherapie während der Schwangerschaft war ich lediglich etwas schlapp. Mir fielen die Haare aus und ich wurde blasser. Ansonsten konnte ich zum Glück relativ normal den Alltag meistern. Emotional war ich auf der einen Seite voller Euphorie, weil ich mich so freute, dass es dem Baby so gut geht. Andererseits war ich voller Angst, ich plante zwischendurch meine Beerdigung weil niemand mir sagen konnte, wohin mich mein Lebensweg führt, sprich ob ich das alles überlebe oder nicht. Eine Chemotherapie während einer Schwangerschaft wird nämlich niedriger dosiert als eine Chemo ohne Schwangerschaft.
Meine Ängste konnte ich kaum ertragen, aber mir blieb nichts anderes übrig, als stark zu wirken. Innerlich war ich am Boden. Äußerlich war ich gefasst, ich hatte ja auch schließlich noch unseren großen Sohn Matthis, dem ich keine Angst machen wollte. Es war extrem schwierig!

Mein Mann stand die gesamte Zeit hinter mir, war für mich da, fing mich auf, wenn ich wieder einmal zusammenbrach und Rotz und Wasser heulte. Häufig habe ich nach so einem Ausbruch das Gefühl gehabt, die Ängste schaden unserem Baby. Im Gegenzug habe ich dann für unser Baby gesungen, den Bauch sehr oft gestreichelt in der Hoffnung, er spürt es. Ich habe ihm immer wieder gesagt, dass ich große Angst um ihn habe. Genauso oft habe ich ihm gesagt, dass ich mir sicher bin, dass er diese Prozedur übersteht. Dass er es schafft und unbeschadet auf die Welt kommen wird.

Mittlerweile ist Noah* 16 Monate alt. Er entwickelt sich ganz normal und erfreut sich an jeder Kleinigkeit, so, wie Kleinkinder es einfach tun. Die Freude, ihn jeden Tag sehen zu dürfen und mitzuerleben, wie er wächst und sich macht, ist sehr groß und manchmal weine ich sogar vor Freude.




Ich bin weiter in Therapie, allerdings nicht mehr in einer Chemotherapie. Nach Entbindung bekam ich noch 8x eine andere Chemotherapie, die mich körperlich kaputt gemacht hat. Ich konnte teilweise kaum essen, war absolut k.o. und lag viel auf dem Sofa. Zum Glück hatte ich genug Unterstützung für beide Kinder. Es war sehr schwierig für mich, meine Mutterrolle kurzzeitig abzugeben. Aber ich habe mich damit irgendwann angefreundet. Denn jetzt kann ich die Rolle wieder ausüben. Zwar bin ich noch in einer so genannten Antikörpertherapie, aber davon habe ich keine Nebenwirkungen. Diese Therapie bekomme ich auf unbestimmte Zeit alle drei Wochen und sie hält das mittlerweile gute Ergebnis. Und ich bete und hoffe, dass es genauso die nächsten mindestens 50 Jahre bleiben wird. Dass der Krebs still bleibt und sich nicht wieder ausbreitet.

Jetzt noch einmal zurück zu Matthis: So ein tapferer kleiner Junge, der meine komplette Veränderung mitbekam (von langen blonden Haaren zu einer Übergangs-Bob-Frisur zur Glatze), der niemals die Krankheit mit der Schwangerschaft in Verbindung gebracht hatte, der niemals dem Baby die Schuld dafür gab, dass seine Mama plötzlich krank war… Das rührt mich bis heute zu Tränen. Der Matthis, der flapsig sagte: „Mama, meine Haare sind angewachsen, Deine stehen auf der Fensterbank“ (da stand auf einer Halterung meine Perücke), der Matthis, der immer Rücksicht nahm, der verständnisvoll reagierte, der ohne zu Meckern alles so annahm und mitmachte: Absolut Spitzenklasse!

Ich habe ein Buch über meine zweite Schwangerschaft geschrieben. Es heißt:

„Babybauch und Chemoglatze“.

Ich habe dieses Buch u.a. geschrieben, um Frauen Mut zu machen, um ein wenig Aufklärung zu leisten und auch, um diese Geschichte besser verarbeiten zu können. Einige Zeit nach der Diagnose hatte ich plötzlich das Bedürfnis zu helfen. Ich habe es mir zum Ziel gesetzt, zu helfen und ich habe das Gefühl, ich kann damit helfen. So spende ich z.B. für jedes verkaufte Buch (ob im Buchformat oder als eBook) 0,50 € an eine Krebshilfeorganisation meiner Wahl. Es kommen überwiegend Frauen auf mich zu, die unsicher sind, nochmal Fragen haben und ich berichte über meine Erfahrungen. Und manchen Frauen nehme ich weitestgehend die Ängste. Man ist halt so gesund wie man sich fühlt! Und das treibt mich an, weiterzumachen und offen mit dem Thema umzugehen.

Besucht mich gern auf meiner Homepage www.babybauchundchemoglatze.de, um Euch ein Bild über mich und meine Arbeit machen zu können.

Nun bin ich am Ende angelangt. 

Ich danke Euch, dass Ihr Euch Zeit genommen habt, den Gastbeitrag zu lesen. Ich wünsche Euch allen ein glückliches und vor allem gesundes Leben!

Sandra
*Namen geänder


// P.S.: Wer "seine Geschichte" hier ebenfalls veröffentlichen möchte, darf sich gerne per Mail an mich wenden (info@loeckchenzauber.de!) Ich freue mich auf eure Mails! Gruss Julia

Dienstag, 20. September 2016

Quietschbuntes Kuschelvergnügen - Build A Bear


Übersetzt: Baue einen Bären – so heißt das Ladengeschäft bei uns, an dem ich die große Schwester nur schwer vorbei bekomme, ohne dass sie mir erzählt, wie cool doch der nächste Kindergeburtstag dort wäre oder welche Kleidung sie beim nächsten Mal welchem Kuscheltier anziehen möchte.

Schon vor zwei Jahren durfte sie in Berlin einen Build-A-Bear-Store aufsuchen, um dort ein Kuscheltier zum Leben zu erwecken. Ihr müsst wissen, sie hortet Kuscheltiere regelrecht. ;-)

Nun war es so, dass wir um diese Vorliebe eben sehr genau wissen. Es war also ein absolut feiner Schachzug von uns, ihr einen Build-a-bear-Gutschein in die Schultüte zu stecken.

Direkt nach dem ersten Schultag zogen wir also zu viert los. Und damit ihre kleine Schwester nicht leer ausgeht und empört zusieht, durfte sie sich natürlich auch ein kleines Tier aussuchen. (Ok, es war nicht klein.) Das Schulkind hatte immerhin das begehrenswerte Privileg, ihr auserwähltes Tier noch von Kopf bis Fuss nach ihren Wünschen einzukleiden.




Für die kleine Schwester entschieden wir uns für den Fisch DORIE aus dem Film „Findet Dorie!“. 
Er war es, den sie sich als erstes schnappte, also fiel die Entscheidung schnell. Auch die Grosse wurde zügig fündig.



Für die (größeren) Kinder ist der Aufenthalt in einem Build-a-Bear-Store ein einziges Abenteuer. Das Personal ist nach unseren Erfahrungen super geschult und wirklich sehr, sehr kindgerecht und unterhaltsam. Die Kinder sehen beim Erstellen ihres Tieres allesamt stets verdammt happy aus. Beobachtet das doch mal durch die Scheibe beim nächsten Mal. ;-) Teils ist es wirklich unverkennbar süß anzuschauen.



Nachdem man sich für ein Tier entschieden hat, darf man sich aussuchen, ob das Kuscheltier einen echten Herzschlag bekommen soll. Diesen kann man später dann für kurze Intervalle immer wieder einschalten. Das Gleiche gilt für einen Sound, hier kann man zwischen unterschiedlichen Geräuschen und Liedern wählen. Unsere Dorie kann jetzt auch Knopfdruck fröhlich singen, während in der feinen Affendame ein Herzchen schlägt. Man kann alternativ sogar beides kombinieren.

Nun heißt es, die Tiere müssen „Zum Leben erweckt werden“. Dafür werden sie mithilfe der Kinder mit Füllwatte ausgestopft, außerdem kommt ein (weiteres) Herzchen hinein. Ein paar süße Szenen zwischen Mitarbeitern und dem jeweiligen Kind später, werden die Kuscheltiere von ihren neuen Besitzern noch gekämmt und gestriegelt und tadaaa, fertig ist ein Build-A-Bear-Kuscheltier.

Für das Schulmädchen ging der Spaß nun richtig los. Die Affendame bekam neben ihren Absatzschuhen sogar ein Unterhöschen angezogen. Das Gesamtergebnis dürft ihr direkt hier bewundern:


Man könnte meinen, der Affe gehört einem Mädchen, oder was sagt ihr? ;-)




Nachdem es nun noch eine Geburtsurkunde, kleine Schleifchen und ein richtiges Häuschen für beide Tiere gab, verließen wir zu sechst das Geschäft, denn wir waren um zwei Mitbewohner reicher.






Wenn ihr Build-A-Bear gerne einmal kennenlernen oder euren Kindern diesen Spaß ein weiteres Mal gönnen wollt, habe ich sogar einen Gutschein für euch. Mit dem Code 890372 erhaltet ihr bis einschl. 30.10.2016 glatt 15% Rabatt. Diesen könnt ihr sowohl im Onlineshop als auch in einem Geschäft vor Ort einlösen. Eine Liste aller Shops findet ihr HIER.

Erzählt doch mal, wer von euch schon in einem Store war und wie es euch und euren Kinder gefallen hat! Ich freue mich auf eure Kommentare!

Ganz liebe Grüsse
eure Julia



W.E.R.B.U.N.G.

Sonntag, 18. September 2016

GASTARTIKEL - Emotional berichtet Vanessa über das Familienleben mit ihrem ersten Pflegekind


"Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.
-Hermann Hesse-

Mit diesen wunderschönen, so berührenden Worten möchte ich mich euch vorstellen. Mein Name ist Vanessa, ich bin 35 Jahre jung und von Herzen eine glückliche Mutter von drei Kindern.
Dir, liebe Julia, möchte ich danken, für Dein Vertrauen, für die Möglichkeit und für den Raum, den Du mir auf deinem so zauberhaften Blog zur Verfügung stellst.

Unsere Geschichte ist mir eine besondere Herzensangelegenheit und ich hoffe, ihr habt Verständnis, dass ich den Namen, der kleinen Hauptperson, ändern muss. Ich werde sie liebevoll „Mogli“ nennen, wie das Kind, was aus dem Dschungel kam und ebenfalls einer „Herzfamilie“ angehörig war.
Genau heute, vor vier Jahren klingelte gegen 14.20 Uhr das Telefon. Ich erkannte gleich die Nummer unseres Jugendamtes und mein Herzschlag setzte eine Millisekunde aus, um dann umso schneller weiterzuschlagen.
So viele Wochen und Monate wurden wir in diversen Seminaren und Schulungen für werdende Bereitschaftspflegeeltern auf diesen Moment vorbereitet und nach nur zwei Wochen „standby“ sollte es schon so weit sein?!
Nur 20 Minuten nach den wichtigsten Fragen, weshalb, welche Umstände, wie alt etc., saß ich schon im Auto und fuhr mit zittrigen Händen in Richtung Jugendamt, um dort ein drei Wochen junges Babymädchen abzuholen, welches ab genau diesem Moment für unbestimmte Zeit einen sicheren Platz in unserer Familie benötigen würde.
So viele Dinge gehen einem in diesem Moment durch den Kopf. Ist es wirklich die richtige Entscheidung gewesen, sich für die Bereitschaftspflege zu entscheiden? Was macht das alles emotional mit meinen Kindern und mit mir?

Meine Kinder waren zu diesem Zeitpunkt 14 und 7 Jahre, somit aus dem Gröbsten raus und kognitiv und auch auf der Gefühlsebene in der Lage mit diesen Dingen, die Bereitschaftspflege mit sich bringt, zu verarbeiten.

Gleich die erste Begegnung mit „Mogli“ war wie Magie, so sehr hat sie mich berührt. Hilflos, schutzsuchend, so winzig, ein kleines verletzliches Wunder. Ich kannte weder ihren Namen, noch sonst irgendwelche relevanten Fakten und doch war sie mir so nah.

"Moglis“ Eltern verabschiedeten sich von ihr. Sie waren mit der Inobhutnahme einverstanden und konnten sie gut gehen lassen. Sie wussten, es war nur ein vorübergehender Aufenthalt bei uns, denn eine Rückführung hat, wenn irgendwie möglich, oberste Priorität.

„Mogli“ verbrachte etwa fünf Wochen bei uns. Wir hatten in dieser Zeit nahezu tägliche Besuchskontakte mit ihren Eltern. Sie durften sie immer für etwa zwei bis drei Stunden im Jugendamt abholen und mit ihr spazieren gehen, oder bei schlechtem Wetter, die Zeit dort mit ihrer Tochter verbringen. Die Kontakte verliefen häufig nicht nach „Moglis“ Bedürfnissen, sodass es schwierig war, sie an einen festen Rhythmus zu gewöhnen. Wenn „Mogli“ zur Ruhe kam, man ihr Zeit gab, konnte man ihr bei der Entwicklung förmlich zusehen. Sie trank gut, ihr Stoffwechsel kam langsam in Gang und sie öffnete immer öfter, wenn auch zaghaft ihre dunklen Äuglein, die einem, so schien es mir, mitten in die Seele blicken konnten. Ihr Blick hatte etwas so Weises, etwas Wissendes. Ich glaube, sie konnte in meinen Augen lesen, was ich für sie empfand. Kennt ihr dieses Gefühl?

Nach diesen fünf Wochen konnte sie sich selbstständig melden, wenn sie etwas benötigte, sie wurde wach, wenn sie Hunger hatte oder wenn sie nach einer frischen Windel verlangte und sie gurgelte, wenn sie einfach nur auf den Arm wollte.

Es kam der Tag X, viel zu schnell, viel zu unerwartet.

Nach richterlichem Beschluss sollte „Mogli“ mit ihrer Mutter in eine Mutter-Kind-Einrichtung ziehen, um dort die Bindung aufzubauen, die ein Kind zwingend benötigt, um sich entwickeln zu können. Bindung, Stabilität und ganz allgemein die Versorgung, sollten in der Mutter-Kind-Einrichtung gefördert werden. Ich fuhr also mit unserer Sozialarbeiterin und „Mogli“, in die Einrichtung um sie nach einer kurzen „Einweisung“; wieviel sie in welchem Abstand trinkt, wann und wie oft sie schläft und welche Rituale ihr helfen, sich sicher zu fühlen, an ihre Mama zu übergeben.

Ein letzter Blick, das letzte Mal ihren Duft einatmen, und dann die Türe ist zu. Was folgt? Jede Menge schwarz, Tränen, der emotionale Supergau.

Genau das ist mein Job. Für gewisse Zeit für Stabilität und Nestwärme zu sorgen! ich wusste, unsere Zeit war begrenzt. Ich wusste das alles… Vorher..! Aber vorher ist nicht nachher…
Sieben Wochen, voller Sorge, sieben Wochen, die mich das Beten gelehrt haben, es möge nichts passieren und sieben Wochen, die ich morgens nur für meine drei Lieblingsmenschen aufgestanden bin. Meine Kinder und mein Mann, wir sind in dieser Zeit sehr zusammengerückt, haben uns Halt gegeben. Die Geschichte um die leibliche Familie von „Mogli“ war sehr komplex. Dennoch, ihre Mama hat die Chance verdient, es zu schaffen, für ihr Kind zu kämpfen. Ich gönnte es ihr als Mensch, von ganzem Herzen. Aus Gründen des Respekts vor „Moglis“ Familie, kann ich nicht näher darauf eingehen, doch war ein Scheitern vorhersehbar.

Dann, der für mich erlösende Anruf, dass sie schon am nächsten Tag zurückkommen würde. 

Ich hatte Angst. Was machen 7 Wochen mit einem Baby? Sie war inzwischen 15 Wochen jung. Der Moment, sie wurde uns nach Hause gebracht, sie schlief im Maxi Cosi und öffnete erst nach ein paar Minuten die Augen. Sie schaut mich mit ihrem Blick an und lächelt sanft, sie liest, alles was ich ihr zu sagen habe, sieht sie in meinen Augen.

Ich erfuhr nur in Ansätzen was in der Zwischenzeit alles passiert war. „Mogli“ war auf Verdacht etwa drei Wochen in einem Krankenhaus gewesen, weil man schwerwiegende Störungen vermutete. Sie war in ihrer Entwicklung so weit zurück, dass man eine geistige Einschränkung nicht ausschließen konnte. Für eine eingehende Diagnostik war sie jedoch viel zu klein. Das würde warten müssen.

Nachdem „Mogli“ wieder bei uns eingezogen war, ließen wir ihr alle Zeit der Welt, wieder anzukommen. Zu verarbeiten und zur Ruhe zu kommen. Wir waren mehrere Wochen damit beschäftigt, ihren Lebenswillen wieder zum Erwachen zu bringen, sie wieder dazu bringen, Nahrung einzufordern, Bedürfnisse anzumelden. Ihre körperliche Entwicklung stellten wir ganz hinten an. Zu sehr war „Mogli“ mit anderen Dingen beschäftigt. Leises Vertrauen aufzubauen. Was hat sie wohl gedacht, in dem Moment, in dem ich sie verlassen musste? –Diese Gedanken verfolgen mich bis heute…

Nach vielen Monaten emotionaler Achterbahnfahrt, vielen schlaflosen Nächten und körperlicher und geistiger Erschöpfung, einer Gerichtsverhandlung und auch nach vielen Gesprächen mit dem Jugendamt, war endlich klar; 

Unser Herzenskind bleibt bei uns.


  
Es ist nicht üblich, aus Bereitschaftspflegefamilie, Dauerpflegefamilie zu werden. Die Bereitschaft ein Kind dauerhaft aufzunehmen ist größer, als nur für einen begrenzten Zeitraum. Die Angst vor dem Abgeben ist vielen zu groß. Inzwischen vervollständigt „Mogli“ seit vier Jahren unsere Familie und ist etwas ganz Besonderes. Ich lebe für  alle meine drei Kinder, liebe sie von ganzem Herzen. Ich habe zwei Bauchkinder und ein Herzenskind und fühle mich unendlich reich.

Wir kämpfen an vielen Fronten, gegen das Damoklesschwert, der Traumatisierung, erhalten und verarbeiten „Moglis“ Vergangenheit. Die aufgeschobene Diagnostik steht an. Und auch wenn ich mir so sicher bin, dass sie sich „nur“ etwas verzögert entwickelt und es mir als Mama ganz egal ist, wie langsam oder wie schnell sie lernt, ist es unabwendbar. Zu groß wäre die Gefahr der Überforderung im Kindergarten oder später in der Schule. Ich sehe die Diagnostik als Chance, sie zu schützen und nicht als Anhaltspunkt wie viele Therapien und Frühförderung wohl nötig sein werden um sie an die standarisierten Untersuchungsprogramme anpassen zu können.

„Mogli“ ist anders. Sie kann viele Dinge nicht, die sie eigentlich nach den modernen Entwicklungsbausteinen können müsste. Aber in diesen Bausteinen ist auch nicht vorgesehen, dass ein Kind fast 10 Monate auf die Sicherheit warten muss, ein festes Zuhause zu haben. Sie war wochenlang mit Überleben beschäftigt, für Entwicklung hatte ihr kleiner Organismus keine Zeit. Sie kann so viele andere Dinge. Dinge, die sie zu einem liebenswerten Menschen machen. Sie hat eine sehr ausgeprägte Wahrnehmung für ihre Umgebung, nimmt jedes noch so kleine Käferchen wahr, versorgt ihre Kuscheltiere mit einer wahren Hingabe und liebt es mir in ihrer Spielküche ausgiebige Mahlzeiten zuzubereiten.

Mir hat sie beigebracht, wir müssen lernen die Kinder dort abzuholen, wo sie stehen, ihnen Raum und Zeit für ihr ganz eigenes Tempo einzuräumen und natürlich zum richtigen Zeitpunkt mit Förderung der eigenen Stärken zu beginnen. Aktuell ist unser wöchentliches Highlight die Reittherapie. Regelmäßig muss ich schlucken, wenn ich sehe, dass sie loslässt, sich verlässt und sich traut, zarte Bindungen einzugehen.

Und manchmal, an den Tagen an denen sich ganz leise die Erschöpfung einschleicht, reicht ein Blick in diese dunklen Augen, so viel Liebe, so viel Dankbarkeit! „Mogli“ lehrt uns das Leben neu. Mit mehr Toleranz und mit noch mehr Demut, vor dem was wir haben und haben können.

D.A.N.K.E.

Meine Intention diesen Gastbeitrag für Löckchenzauber zu schreiben; Pflegekinder und Pflegefamilien haben immer noch viel zu häufig einen stigmatisierten Stempel. Ein Tabuthema! Ich wünsche mir mehr Aufklärung, mehr Informationen und mehr Menschen, die sich für dieses Herzensthema öffnen. Es geht um unsere Kinder, um Zukunft und um unsere Gesellschaft. Wenn ihr ein leises Flüstern in euern Gedanken hört, ich könnte mir das vorstellen, ich habe noch Platz im Herzen und im Haus, könnt ihr euch beim Jugendamt in eurer Stadt über alles ganz genau informieren. Es gibt in manchen Städten Informationsveranstaltungen. Es gibt den Verband für behinderte Pflegekinder, die für beeinträchtigte Kinder ein zu Hause suchen. Davor ziehe ich meinen Hut. Sehr lesenswert ist die Homepage www.moses-online.de auf der man zu allen Themen, die Pflegefamilien begleiten, Informationen bekommt. 

Ich würde mich wahnsinnig freuen, mit diesem Artikel viele von euch zu erreichen.

PS: Ich habe nach „Mogli“ weitere Kinder in Bereitschaftspflege betreut, die mich alle unterschiedlich berührt habe Aber „Mogli“ war unser Spiegel. Uns hat das Schicksal zueinander geführt. Es konnte gar nicht anders sein und es beweist, Kinder können auch im Herzen geboren werden 

„Mogli“ lebt bei uns als Dauerpflegekind und das voraussichtlich, so lange sie möchte. Sicherlich könnten ihre leiblichen Eltern diesen Beschluss jederzeit einklagen. In unserem Fall halte ich es jedoch für sehr unwahrscheinlich, dass ein Richter, diesem Antrag stattgeben würde. Eine Adoption ist leider zurzeit kein Thema, da dazu die Eltern ihr Einverständnis geben müssten. So darf „Mogli“ mit 18 dann selbst entscheiden (eine Namensänderung, wäre allerdings auch ohne Adoption möglich). Aber dafür ist „Mogli“ noch zu klein. Kinder sollten selber in der Lage sein, diesen Wunsch ganz bewusst zu äußern, denn für einige unserer Herzenskinder, ist ihr Name, die einzige Verbindung zu ihren Wurzeln.

Vanessa

Dienstag, 30. August 2016

Sardinien - Zauber der Natur

Ok, ok.... es ist nun auch schon wieder 2 Monate her, nichtsdestotrotz kann ich euch definitiv nicht vorenthalten, was für unglaublich beeindruckende Tage uns die italienische Insel Sardinien schenkte.

Noch heute komme ich regelmässig ins Schwärmen und möchte jedem einen Sardinien-Urlaub aufschwatzen. ;-) Aber es ist ja auch so leicht, ist es schliesslich gar nicht weit entfernt für uns in Deutschland Lebende. Mit dem Flugzeug knapp 2 Stunden und ihr betretet vom Flieger aus direkt ein wirklich paradiesisches Fleckchen Erde. Die Natur hat es mit dieser Insel wirklich mehr als gut gemeint. 

Viel mehr als gut!





Sardinien. Wie beschreibt man Sardinien? Man könnte jetzt drei Adjektive wählen, aber egal, welche man wählt, drei Wörter würden Sardinien nicht gerecht werden. Eine Liste passender Adjektive würde vermutlich kein Ende finden....

Der Reihe nach.

Unsere Anreise:

Ihr kennt das ja mittlerweile schon. Donnerstag gebucht, Freitag los. :-P 
Zumindest für unseren Papa. Der setzte sich nämlich in unseren Lieblingsbus, voll bepackt bis oben hin und fuhr los Richtung Italien. Von dort aus ging es dann mit der Fähre (von Livorno nach Olbia, Fahrzeit ca. 6,5 Stunden) nach Sardinen. 

Die Mädels und ich, wir fuhren Samstag früh nach Berlin und flogen ihm hinterher.  Da wir fliegen ja schon ausreichend geübt sind, war es auch alleine für uns gar kein Problem.

Auf Sardinien angekommen erwartete uns der Papa bereits am Flughafen. Unsere wunderschöne Ferienwohnung hatte er bereits bezogen, so dass es für uns drei ein sehr entspanntes Ankommen war. Wir wohnten in der kleinen Hafenstadt Arbatax in einer sehr gepflegten Anlage, die zwei Pools und einen Spielplatz aufwies.

Arbatax - schön ist es dort, aber die Lage, im Nachhinein betrachtet, nicht so erstrebenswert. 
Also auch nicht schlecht, aber es geht eben besser. :-)

Wir fuhren ganz oft in den Südosten der Insel, häufig an die Costa Rei. Dort findet ihr in der Nähe der Stadt Villasimius unseren Lieblingsstrand. Zumindest von den Stränden, die man mit dem Auto erreicht. 

Also, notiere: 
Meine Empfehlung für den ersten Sardinien-Tripp: Costa Rei. Dort macht ihr jedenfalls defintiv nichts falsch. Möglich, dass es noch schönere Stellen gibt (die kleine Insel Maddelena zB, ganz im Norden), aber wir haben mit den Kindern nicht die komplette Insel erkundigt. Wir wollten natürlich nicht täglich stundenlang im Bus sitzen. Ohne Kinder wären wir vermutlich etwas mehr gefahren.

Gerne dürft ihr entweder bei INSTAGRAM oder FACEBOOK (jeweils KLICK!) Kommentare hinterlassen, in denen ihr weitere Tipps für tolle Orte und Plätze oder aber direkt Unterkünfte gebt. 

Strand bei Villasimius:




Vom Wasser aus erreicht man noch ganz andere Schätze. Wir mieteten uns für einen kompletten Tag ein Boot, welches man auch ohne Bootsführerschein dort steuern darf. Vom Hafen in Arbatax starteten wir und landeten dort, wo ich meinen Mund kaum wieder schliessen konnte. Was uns dort erwartet, war blanker Naturzauber.




Solch eine Wasserfarbe hatte ich noch nie zuvor gesehen. Auch Miami bietete SO ETWAS UNGLAUBLICHES nicht, zumindest haben wir es dort nirgends finden können. 
Es war so so so unbeschreiblich schön, dass ich unbedingt noch einmal dahin muss. Dieses Wasser an den Küsten und Buchten war einfach der blanke Wahnsinn. Ich hätte stundenlang einfach nur das Wasser anschauen können. Wir waren also hin und weg. 




Insgesamt blieben wir 14 Tage auf der Insel. 

An einem Tag besuchten wir eine riesige Tropfsteinhöhle ("Grotta di Ispinigoli") mitten in den Bergen. Die Fahrt dorthin war abenteuerlicher als erwartet. Falls jemand ein ebenso grosser "Serpentinen-Liebhaber" ist wie ich, der kann mich verstehen. Auch wenn es wirklich beeindruckend war, die Berge zu erleben, ich war froh, als wir endlich angekommen waren.

Die Natur bot auch in den Bergen unheimlich viel Schönes, ganz klar. Nicht zuletzt mussten wir ziemlich weit oben für Bergziegen bremsen, die in aller Ruhe nach und nach die Strasse überquerten. Das war einfach toll, auch für die grosse Schwester. 

Nach der Besichtigung der Höhle fuhren wir runter ans Meer, dieses Mal an die Bucht CALA FUILI. 

Auf der folgenden Collage sowohl oben als auch unten rechts im Bild.




Auch hier kann ich nur sagen, hin mit euch! Der Fussweg herunter hat es zwar in sich, aber man wird definitiv belohnt.

Hach ja, man wird eigentlich für jeden zurückgelegten Kilometer auf Sardinien belohnt, denn es gibt immer Besonderes zu entdecken. Auch die Tierwelt ist unheimlich vielfältig und aussergewöhnlich. Wir kamen sogar in den Genuss, in der Natur lebende Flamingos beobachten zu können. 


Verpflegung:

Verpflegt haben wir uns meistens unterwegs. Nur gefrühstückt haben wir bei uns zu Hause. 
Sämtliche Lokalitäten sind sehr kinderfreundlich. Es gab fast immer Spielecken, so dass es für uns ziemlich entspannt ablief.

Supermärkte reihen sich übrigens dicht aneinander und ihr werdet auf jeden Fall satt, sollte ihr euch selbst verpflegen. Auch der gastronomische Bereich ist durchaus erschwinglich.  


Mietwagen ja/nein:

Für mein persönliches Empfinden ist ein Auto schon irgendwie zwingend erforderlich. Es ist einfach schade, wenn man sich die Vielfalt auf Sardinien entgehen lässt, wenn man schon mal dort ist. Ich kenne aber auch zwei Familien, die dort zumindest zeitweise ohne einen Mietwagen Ferien gemacht haben. 

Meine Empfehlung dennoch: Mietwagen buchen! 

Oder natürlich die eigene Anreise in Erwägung ziehen. Für euch in Süddeutschland Lebende, 
ist es ja fast ein Katzensprung. ;-)




Zum Ende hin besuchten wir übrigens den "River Land Waterpark". Das war der schönste und familienfreundlichste Wasserpark, in dem ich je war. Es gibt dort ein unglaublich grosses Becken, dass ganz flach ausläuft und mit einem Gummiboden versehen ist. Ausrutschen für kleine Kinder somit unmöglich. Ausserdem natürlich eine Vielzahl an Rutschen und anderen Highlights. Wirklich toll. Nur das gastronomische Angebot war in diesem Fall eher so "na ja". 

"River Land Waterpark" hier oben rechts im Bild:




Obwohl ich grundsätzlich ja ein kleines Konsum-Opfer bin, waren wir tatsächlich nicht einmal so richtig shoppen oder mal in einem Einkaufscenter oder in einer grösseren Stadt. ;-) Wir haben uns tatsächlich nahezu ausschliesslich durch die Natur treiben lassen. Daher kann ich euch dahingehend auch keine Tipps geben. 




Sardinien blüht übrigens wie verrückt, ein Punkt, den ich unbedingt noch erwähnen muss. 
Wenn man aus anderen warmen oder gar heißen Urlaubsländern eher eine karge Landschaft gewohnt ist, wird man auf Sardinien ins Staunen kommen. Überall und in allen Farben blüht es. Die Farbenvielfalt ist wirklich sehr, sehr hübsch anzuschauen. Wir waren Anfang Juli dort, man merkte, dass die ersten Pflanzen langsam verblühten. Was diesen Punkt betrifft ist es sicher absolut perfekt, im Mai anzureisen. Dafür ist dann natürlich das Wasser noch kälter. Also mir war der Juli so gesehen schon ganz recht. ;-)

Ich könnte jetzt noch ewig weiterschreiben, aber ich möchte natürlich auch, dass jeder bis zum Schluss liest und wenn wir Mutter eines nicht im Überfluss haben, dann ist es doch die Zeit. ;-) 

Ich denke, alles Wichtige ist zumindest angesprochen oder erwähnt. 

Wer Lust hat, in Europa den wohl schönsten Urlaub zu erleben, der besucht ganz bald Sardinien und wird mir, insofern er an mich denkt, gerne ein Bilderguss per Mail schicken. 

Ich würde mich auf jeden Fall freuen!

Bis ganz bald,
liebe Grüsse
Julia

Mittwoch, 27. Juli 2016

Warum Langzeitstillen gar kein Langzeitstillen ist und warum Toleranz mehr Beachtung bekommen sollte.


Liebe Mamas, liebe Papas und alle anderen, die es hierher verschlagen hat!


Ich weiss, einige warten bereits sehnlichst auf den Artikel über unseren Sardinien-Urlaub, um ihren eigenen Jahresurlaub für das kommende Jahr zu planen. ;-) Vorab muss ich allerdings etwas einschieben. Eine wahre Herzenssache. Wenngleich es mir nicht leicht fällt, werde ich versuchen, nicht all zu weit auszuschweifen, damit auch jeder ausreichend Zeit findet, bis zum Ende zu lesen. ;-) 

Ich bin ein absoluter Still-Befürworter. 

Schon jetzt fühlen sich die ersten Mamas, die ihr Baby mit dem Fläschchen füttern vermutlich schon fast angegriffen. Zumindest würden sie schon damit beginnen, sich zu rechtfertigen. Braucht ihr nicht. Für mich nicht.

Ich, und das sollten sich ganz viele zu Herzen nehmen und ebenso umsetzen, bin ein absolut toleranter Mensch, was Kindeserziehung angeht. Sollte das nicht selbstverständlich sein? Ich habe eine Freundin, die schon während der Schwangerschaft gesagt hat, sie möchte nicht stillen. Ich habe eine Freundin, die mit einem Wunschkaiserschnitt entbunden hat. Auch habe ich eine Freundin, die ihr Baby schon sehr, sehr früh im eigenen Zimmer schlafen ließ. Keine von ihnen habe ich deswegen weniger gern um mich herum. Natürlich reden wir darüber und natürlich, da bin ich auch ganz ehrlich, versuche ich sie schon mal mit sachlichen und emotionalen Argumenten, von einer anderen Richtung zu überzeugen. Allerdings ohne Bewertung ihrer Handhabung und am Ende entscheidet ohnehin jede Mama über ihren Körper und ihr Baby. Natürlich gemeinsam mit dem Papa. 

Was mich dazu gebracht hat, diesen Artikel zu schreiben, war ein kurzzeitiger Aufenthalt in der Notaufnahme eines Krankenhauses. Um es ganz kurz zusammenzufassen, es ging darum, dass ich noch stille und trotzdem ein Medikament für eine sehr ausgeprägte allergische Reaktion benötigte. Man war auch wirklich sehr bemüht, etwas Passendes zu finden, bis ich sagte, meine Tochter sei 17 Monate alt. 

Die darauf folgende Reaktion einer Ärztin nötigt mich dazu, diesen Artikel schnellstmöglich zu verfassen. Die Ärztin (!) lachte plötzlich lautstark los, sie plusterte nahezu und äusserte im selben Atemzug" "Na dann wird es ja ohnehin Zeit für das Abstillen. Wie können Sie sich das nur antun?! 17 Monate...." ...... Sie führte fort: "Die WHO empfiehlt doch inzwischen nur noch 4 Monate zu stillen. Hätte ich das damals bei meinem heute 9-jährigen Sohn gewusst, hätte ich mich sicherlich nicht 6 lange Monate gequält."

Puuuuh. Tief durchatmen, Julia. Du befindest dich gesundheitlich gerade in einer echt beschissenen Situation. Es wäre vielleicht nicht der ideale Zeitpunkt, mit einer Ärztin verbal (wenn auch durch Argumente überlegen) zu kämpfen. Aufgrund meines gesundheitlichen Zustands in diesem Moment hielt sich meine Wut tatsächlich selbst innerlich in Grenzen. Ich hatte gerade einfach andere Sorgen. Wenn ich jetzt an die Situation denke, könnte ich ehrlicherweise platzen. ;-)

Bis zum Ende meiner Behandlung liess ich es mir natürlich trotzdem nicht nehmen, sie über die tatsächlichen Empfehlungen der WHO (das ist übrigens die Weltgesundheitsorganisation) aufzuklären. Diese empfiehlt natürlich 6-monatiges Vollstillen. Anschliessend wird empfohlen, mindestens (!) bis zum zweiten Geburtstag nach Bedarf weiter zu stillen. Ich kann es mir irgendwie auch nicht erklären, wie es dazu kommen konnte, aber am Ende unseres dann doch noch ausführlichen Gesprächs, fand ich die Dame irgendwie sogar tatsächlich richtig nett. Ich sagte ja, ich bin tolerant. ;-) 

Liebe Mamas, diese Ärztin ist ein absolutes Paradebeispiel dafür, wie unwissend man sich durch unsere Welt bewegen kann. Abgesehen von der inakzeptablen Reaktion ihrerseits, die man wohl als fehlende Empathie bezeichnen könnte. Zumindest dann, wenn man es nett ausdrücken möchte.

Um nun aber irgendwann den Kern des Apfels zu erreichen: 

Mädels, eure Kinder, eure Wege! 

Wenn ihr für euch entschiedet, euer Baby über den ersten Geburtstag hinaus zu stillen, dann tut ihr das! Und nicht einfach nur still und leise, ich möchte euch darin bestärken, auch voll und ganz dahinter zu stehen! Ihr dürft auch ein 1 1/2 jähriges Kind diskret stillen , wo und wann ihr wollt!

Hier bei uns in Deutschland gilt man als Stillmama eines 17 Monate alten Kleinkindes schon als Langzeitstillende. Ich sehe das nicht so. Was sind denn 17 Monate auf ein ganzes Leben gesehen? Und wie jung sind 17 Monate? Langzeitstillen bedeutet für mich persönlich, wenn man über den 3. Geburstag hinaus stillt. Ist für mich persönlich undenkbar, kann ich bei anderen aber ganz wunderbar akzeptieren. Abgesehen davon sollte man auch da niemals nie sagen.

Egal, wie ihr euch entscheidet bzw. wie ihr im besten Fall euer Baby entscheiden lasst:

Es ist für euch und euren Nachwuchs der bessere Weg, denn es ist EUER Weg! Sollte es länger sein, als vielleicht gedanklich geplant (Ich selbst hätte vor einiger Zeit nie gedacht, dass ich "so lange" stille) und ihr fühlt euch genötigt, auf empörte Unwissende zu reagieren: 

Wie aus einem Wasserfall sollten sie aus euch heraussprudeln. Die ausreichend vorhandenen Argumente, die ihr eurem lächelnden Gegenüber aufzählen könnt.

Ein gestilltes Baby ist besser geschützt vor chronischen Krankheiten, vor Adipositas im Kindesalter und vor grundsätzlichen Infektionen. Gestillte Babys haben zudem ein geringeres Risiko später an einer Herz-Kreislauferkrankung zu erleiden. Die in der Muttermilch enthaltenen Omega-3-Fettsäuren sind wichtig für die Entwicklung des Gehirns. 
Ferner ist der Magen-Darm-Trakt besser geschützt, auch haben gestillte Kinder später weniger Probleme mit Infektionen am Mittelohr. Das Risiko für einen Herzinfarkt ist geringer, ebenso das Risiko für den plötzlichen Kindestod. Die Muttermilch unterstützt auch nach Vollendung des ersten Lebensjahr die Arbeit des Immunsystems des Kindes. Im zweiten Lebensjahr weist sie sogar eine höhere Konzentration an bestimmten Antikörpern und Enzymen auf. Kinder, die länger gestillt werden, sind Studien zufolge seltener krank und benötigen seltener eine Antibiotika-Behandlung. Muttermilch ist während einer Erkrankung des Kindes besonders wichtig, wenn das Kind das Essen verweigert, nicht aber die Brust, Stillen schützt in diesen Phasen vor einer Austrocknung und bietet die notwendigen Nährstoffe für die Genesung.

Diese Liste ist vermutlich endlos fortzuführen. Ein Screenshot für einen passenden Moment ist erwünscht. ;-) 

Langzeitstillen bringt keine Nachtteile mit sich, dafür leider eine Menge Vorurteile. 

Dabei ist doch unbedingt erwähnenswert, wie viel Nähe und Geborgenheit der Nachwuchs durch das Stillen erfährt. Ganz egal, was viele denken, seid euch sicher, FALSCH macht ihr hiermit sicher nichts. 

Ich wünsche mir an dieser Stelle eine grosse Portion Toleranz für uns Mütter, die ihrem Baby weiterhin diese Art von Nähe geben, auch über den ersten Geburtstag hinaus. Es ist einfach erschreckend, dass es teilweise als anstössig beschrieben wird, abgesehen davon, dass man Langzeitstillenden nachsagt, sie können keine intakte Liebesbeziehung zu ihrem Partner führen. Oftmals sind es jedoch die Grossfamilien, selten die Einzelkinder, die länger gestillt werden. So ganz geht die Rechnung dann also irgendwie nicht auf. ;-) Denn auch der Papa sieht, wie wohl sich Mama und Kind damit fühlen. Auch der Papa sieht, dass (in unserem Fall) das Kleinkind die Muttermilch noch einfordert. Warum also sollte man es verwehren? Es gibt keinen Grund dafür. 

Frauen, die länger als 12 Monate stillen, wird oft nachgesagt, sie können nicht loslassen. Ich kann sagen, ich von meiner Seite aus könnte sofort mit dem Stillen aufhören. Solange die Kleine es aber noch geniesst, gebe ich es ihr. Dabei ist es mir egal, ob ich damit einer Minderheit angehöre. Und ich schreibe bewusst KLEINE, ich mein, wir sprechen hier von einem 17 Monate altem KLEINkind? Ja, sie kann laufen und ja, sie kann auch alles essen. Aber ansonsten? Sie sind doch noch so klein, dass sie 24 Stunden komplett auf uns angewiesen sind. Warum in aller Welt ist es so unnormal, ihnen noch Muttermilch zu geben?




Wer uns bei Instagram folgt, wird wissen, dass ich bereits einen Abstillversuch unternommen habe und relativ schnell kläglich gescheitert bin. Vielleicht war ich zu diesem Zeitpunkt selbst ein Stück weit gelenkt von der Gesellschaft, ich weiss es nicht. Aber als ich merkte, es ist noch nicht an der Zeit, habe ich mit einem guten Gefühl sofort nachgegeben. 

Insbesondere in unseren Urlauben war ich zunehmend froh darüber, noch immer zu stillen.
Es hat uns allen vieles erleichtert.


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Liebe Mamas, wir alle haben eines gemeinsam. Wir wollen für uns und unsere Kinder nur das Beste. Das Beste bedeutet nicht für jeden das Gleiche und das ist auch gut so. Aber können wir unsere Kinder bitte toleranter erziehen, als viele von uns es heute sind?

Es wäre mir eine grosse Ehre, wenn sich nach diesem Artikel wenigstens EINE Mama weniger schlecht fühlt, weil sie ihr Kind über den ersten Geburtstag hinaus stillt. Traurig genug, dass es überhaupt viele Mütter gibt, denen dies tatsächlich unangenehm ist. 

Ja, wir sind hierzulande leider eine Minderheit. Na und? Wer sagt, dass wir nicht der bessere Teil sind? Diese Frage darf jeder für sich selbst beantworten, ohne die Antwort laut zu sagen. Auch das Schweigen gehört zur Toleranz. Ich kann schliesslich etwas tolerieren und zugleich gut finden, etwas anderes aber noch besser finden, oder?

Lasst euch, liebe Langstillende, nicht kleinmachen und vertraut euch und eurem Kind, welches in eurem Körper herangewachsen ist. 

Sehr schwer vorstellbar, dass aus einem Menschen, der in den ersten Lebensjahren unglaublich viel Liebe und Nähe erhalten hat, mal ein bösartiger Mensch wird. 

Intoleranz raubt wertvolle Lebensenergie, das ist es nicht wert. Weder für den einen noch für den anderen. Seid offener, seid selbstbewusst und macht das, was ihr für richtig haltet, ohne den anderen dabei zu bewerten oder gar zu verletzen.

Ich wünsche nun allen Mamas einen schönen Mittwochabend und hoffe, dieser Artikel wird nicht nur weitergehend verbreitet, sondern bewegt in dem einem oder anderen etwas. 

Liebe Grüsse
eure Zweifachmama Julia