Sonntag, 4. Dezember 2016

GASTARTIKEL - Es sind die Unterschiede, die uns einzigartig machen.

Puhhh, endlich - der Umzug zurück in die Heimat ist geschafft. Es ist der 20. August 2016, sonnig und sehr warm.
Mein Name ist Sindy, ich bin 29 Jahre alt und lebe gemeinsam mit meinem Mann und unserer kleinen Tochter. Ich bin so froh, endlich kehrt Ruhe ein und ich kann die letzten 4 Wochen der zweiten Schwangerschaft genießen – ja bald sind wir zu viert. Auch der Bauchzwerg hat es jetzt ruhiger, es wird ihm gut tun. Mein Mann und ich unternehmen jetzt noch so viel es geht mit unserer kleinen Tochter, die im Januar 2 Jahre alt wird. Sie freut sich schon riesig auf ihren kleinen Bruder und kann es kaum erwarten bis er endlich da ist.
Die Schwangerschaft verlief bisher sehr gut. Bis auf ein paar Kleinigkeiten, die wohl jede Schwangere kennt, war alles super. Wir entschieden uns, wie auch schon in der ersten Schwangerschaft, für den Test der Nackenfaltenmessung und den damit verbundenen Bluttest. Ja ich weiß, viele halten nichts davon, aber wir haben uns viel darüber unterhalten und für uns stand immer fest, dass wir uns ein Leben mit einem behinderten Kind einfach nicht vorstellen können. Der Test war negativ, es gab also keinerlei Anzeichen für eine Trisomie. Super, alles in Ordnung mit dem Zwerg. Auch alle weiteren Ultraschalluntersuchungen waren unauffällig. Es ist mittlerweile etwas mehr als eine Woche vergangen. Am 31. August quälte ich mich den ganzen Tag mit Ziehen im Unterleib – ich tat es als normale Senkwehen ab. Am Abend sind wir dann doch zum Check ins Krankenhaus gefahren und siehe da, es waren tatsächlich richtige Wehen. Der kleine Mann wollte also 3 Wochen früher als geplant auf die Welt. Leider sollte es auch diesmal ein Kaiserschnitt werden, eine Normalgeburt blieb mir leider wieder verwehrt. Es war kurz vor 23 Uhr, als unser kleiner Schatz das Licht der Welt erblickte. Ein Moment, der zu den schönsten im Leben zählt, oder zählen sollte. Von dieser Sekunde an änderte sich jedoch unser ganzes Leben.
Nur ganz kurz durfte ich in die Augen meines Sohnes blicken, dann brachten sie ihn weg. Eine gefühlte Ewigkeit später kam der Arzt, ich noch immer auf dem OP Tisch und faselte quasi im Vorbeigehen etwas davon, dass unser Sohn einen Fehler am Herzen hätte. Da war er auch schon wieder weg. Wir wussten weder wie groß, noch wie schwer unser Sohn war.
Nun lag ich da, mein Mann saß neben mir und uns liefen die Tränen. Unser kleiner Schatz, irgendwo ohne Mama und Papa und dabei ist er doch erst ein paar Minuten alt.
3 Stunden später durften wir für eine Minute zu ihm. „Nur schauen, nicht anfassen!“ sagte die Ärztin.  Es war so furchtbar – die unzähligen Kabel und mittendrin unser kleiner Wurm.
Mein Mann durfte über Nacht nicht bleiben, es wäre kein Platz für ihn, hieß es. Aber das man in solch einer Situation einander braucht, scheint nicht zu interessieren. Es war die schlimmste Nacht in meinem Leben. Ich war am Ende.
Am frühen Morgen kam mein Mann. Ich war endlich nicht mehr alleine.
Wir haben natürlich sofort versucht einen Arzt zu finden, der uns endlich sagt, was genau unserem Sohn fehlt. Aber Fehlanzeige – die Ärzte hätten jetzt alle keine Zeit.  Ein neues U-Heft gibt es ab 1. September, das müssen sie den Eltern die da sind erstmal erklären. Wie bitte? Ein solch blödes Heft ist wichtiger als uns endlich zu sagen, was Sache ist? Ich war einfach nur fassungslos.
Genau 15 Stunden nach der Geburt kam endlich eine Schwester zu uns und führte uns zu unserem Sohn. Ich durfte seine Hand halten, es war einfach nur wunderschön. Ich fragte, ob er denn keinen Hunger habe, ich war ja noch gar nicht zum Stillen bei ihm. Ganz plump antwortete die Schwester, er habe selbstverständlich bereits die Flasche bekommen. Ich fiel aus allen Wolken, jetzt haben sie mir auch das genommen. Das durfte nicht wahr sein.
Irgendwann war es dann endlich so weit – die Ärztin betrat das Zimmer und kam ganz nah zu uns, so,  als ob sie wollte, dass uns auch ja keiner hört. Sie fing an zu stottern und sagte dann, er habe nichts am Herzen, mit seinem Herz ist alles in Ordnung. Gott, was war ich erstmal froh, doch schon im nächsten Moment war ich unfassbar sauer. 15 Stunden mit dem Gedanken, unser Kind hat einen Herzfehler und plötzlich sagen sie dir, es ist alles gut?
Es herrschte Ruhe und sie begann wieder mit dem Stottern und redete drum gefühlt irgendwie herum. Und dann fiel der Satz: „Ihr Sohn hat wahrscheinlich das Down Syndrom.“ Zack – da war der Schlag mitten ins Gesicht. Ich konnte nichts sagen, wir haben nur noch geweint.  Es kreiste alles durch meinen Kopf. „Warum? Der Test war doch negativ, wieso wir? Wie sollen wir das schaffen?“. Ich war wie in Trance. Die Ärztin gab sich keine große Mühe. Sie sagte immer „Solche Kinder haben dies und das….“, ich nahm es irgendwie gar nicht richtig wahr. Allesamt hatten nur „Schiss“, uns die Wahrheit zu sagen. Man kam sich vor wie aussässig, als wären wir jetzt Menschen anderer Klasse. Ich hatte noch nie so ein Gefühl, es war einfach nur grausam.
Ich fragte, woran Sie erkenne, dass er das Down Syndrom habe. Sie hat jahrelange Erfahrung, sowas sehe sie eben. Die Ärztin sagte uns noch, sie lege mir Unterlagen bereit, da kann ich mich über das Down Syndrom informieren. Dann war sie auch schon weg und wir saßen am Bett unseres Sohnes mit einer Diagnose, die wir in diesem Moment nicht für möglich gehalten hätten. Unzählige Tränen flossen über unsere Wangen. In diesem Moment ging die Tür auf. Unsere kleine Tochter mit ihren nicht mal 2 Jahren kletterte auf meinen Schoß, nahm meinen Kopf in ihre Hände und sagte: „Mama nicht weinen, alles gut.“ Sie wischte meine Tränen weg. Dann sah sie das erste Mal ihren Bruder, auf den Sie so lange gewartet hat und aus ihrem kleinen Mund kam nichts anderes als „Mein Baby!“ und sie strahlte über das ganze Gesicht.
Es klingt verrückt, aber in diesem Moment wusste ich, was wirklich zählt. Mir war plötzlich egal, dass unser Sohn behindert ist. Ich machte mir keine Sorgen mehr, was die Zukunft mit ihm bringen würde – ich war überglücklich zwei wundervolle Kinder mein eigen nennen zu können.  Ich schämte mich ungemein, jemals gesagt zu haben, ein behindertes Kind würde ich nie austragen wollen und ich tue es bis heute.
3 Tage lagen noch vor uns bis wir endlich nach Hause durften. Und die Tage waren die Hölle. Ich musste so kämpfen, dass ich meinen Sohn stillen durfte. Die Schwestern sagten immer: „Solche Kinder kann man schlecht stillen, das ist auf Grund ihrer längeren Zunge kaum möglich.“ Aber wir haben es ihnen gezeigt. Er liebte das Stillen und er trank so gut, dass er nicht mal viel an Gewicht verlor. Die Schwestern taten es als Zufall ab und sagten, das würde sich noch ändern.Und dann waren da ja noch die „versprochenen“ Infobroschüren. Ich glaube, im dritten Satz war zu lesen „Kinder mit Down Syndrom sind anfällig für Leukämie usw.“  - vielen Dank, die Broschüre können sie behalten. Genau so etwas braucht man nach solch einer Diagnose.
Endlich war es dann soweit, wir durften nach Hause – endlich weg von diesem schrecklichen Krankenhaus. Es konnte nur besser werden, dachten wir. Wären da nicht noch die Krankenkassen. Unsere Hebamme schrieb uns eine Empfehlung für eine Haushaltshilfe, welche mein Mann übernehmen sollte. Wir hatten gute Gründe, der zweite Kaiserschnitt, ein Kind unter 2 Jahre und dann die Diagnose Down Syndrom. Mein Man sollte mich eben unterstützen können. Eigentlich reicht es, dies bei der Krankenkasse einzureichen, nur nicht so bei unserer. Unzählige Telefonate und Briefe über Wochen und dann ein Satz, der mich sprachlos machte. Mein toller Sachbearbeiter fragte mich zum gefühlt tausendsten Mal, warum ich diese Haushaltshilfe brauche und ich zählte ihm nochmals die Gründe auf.  Und dann sagte er tatsächlich zu mir „Das ihr Kind das Down Syndrom hat, interessiert uns nicht.“ Ich war sprachlos . Wie kann man einen solchen Satz von sich geben? In der heutigen Zeit? Was folgte, ist klar. Ich beantragte sofort einen Kassenwechsel.
Es verging einige Zeit, unzählige Termine standen auf dem Programm. Frühförderung, Termine bei der behinderten Beratung und noch viele mehr.  Auf einen Termin bei der Gentechnik warteten wir bis zum 15. November. Leider braucht man einen solchen Termin, denn hat man nicht schwarz auf weiß das wirklich eine Behinderung vorliegt bekommt man keinerlei Hilfe oder Zuschüsse. Der Tag war endlich da, der Termin, auf den wir so lange warteten. Und plötzlich wollte ich das Ergebnis nicht wissen. Was sollte es denn ändern? Wir lieben unseren Sohn, wir lieben unsere Kinder. Und es ist so egal, ob er behindert ist oder nicht. Aber uns blieb nichts anderes übrig. Die Ärztin war wirklich sehr nett und gab sich große Mühe. Sie erklärte uns, wie eine Trisomie entsteht und welche Arten es gibt. Dann folgte die Blutabnahme und Entnahme von Mundschleimhaut. Und dann durften wir auch schon nach Hause. Ein paar Tage später wussten wir dann, was wir eigentlich schon wussten – unser kleiner Schatz hat das Down Syndrom. Es klingt komisch, aber ich bin so froh, dass dieses Thema endlich vom Tisch ist. Wir können nun nach vorne schauen und wieder leben.
Unserem Sohn geht es hervorragend. Er hat keinerlei Beeinträchtigungen oder Probleme. Er ist genauso gesund wie jedes andere Baby – eben nur etwas anders, nein besonders. Ich möchte allen werdenden Müttern und Müttern sagen, ein behindertes Kind ist genauso wundervoll wie jedes andere auch. Es ist normal sich Gedanken zu machen ob man einer solchen Aufgabe gewachsen ist, auch ich komme noch oft an solch einen Punkt - aber ich kann euch sagen, es lohnt sich! Rückblickend bin ich froh, dass ich nicht vorher wusste, das unser Sohn behindert ist. Sonst wäre er nicht bei uns. Wenn mich heute einer fragt, ob ich in einer Schwangerschaft nochmals einen Test auf Trisomie machen würde – nein! Heute weiß ich es besser und ich glaube, es hat seinen Sinn, warum wir ein besonderes Kind bekommen haben. Wir alle können uns glücklich schätzen, dass Kinder unser Leben bereichern, sie geben so viel Liebe und genau aus diesem Grund ist es ganz egal, ob sie „anders“ sind oder eben nicht. Auch wenn man Steine in den Weg gelegt bekommt, man wächst daran und ich werde für meine Kinder kämpfen – für immer.



Sonntag, 27. November 2016

GASTARTIKEL - Kleine Seelen - Ein Plädoyer für Freiheit


Immer mal wieder treffen wir alle auf Mamas, die es anders machen, als wir selbst. Ich treffe fast immer auf Mamas, die es anders machen als ich. Ich lebe für mich und meine kleine Tochter, die nun 2 Jahre alt ist, unerzogen. Unerzogen, das meint, dass darauf verzichtet wird, Kinder nach den eigenen Vorstellungen durch Lob, schimpfen und künstliche Grenzen sowie Konsequenzen zu formen.
Viele von euch wurden nun schon mit diesem etwas irreführenden Begriff konfrontiert und verdrehen innerlich die Augen. Ich möchte euch hier gern schildern, was unerzogen für mich NICHT bedeutet. Es bedeutet nicht, sein Kind sich selbst zu überlassen, nicht es in Watte zu packen und überzubehüten. Es bedeutet nicht, das Kind zum Familienoberhaupt zu machen und sich selbst und seine Interessen aufzugeben. Vielmehr bedeutet es, sich ganz auf diesen kleinen Menschen einzulassen, seine Bedürfnisse weiterhin so wahrzunehmen wie zur Babyzeit, sein Verhalten nicht über sein Sein zu stellen. Es bedeutet, ihm Freiheit zu schenken, Freiheit zu sein, sich zu erfahren, zu lernen und zu verstehen. Und somit auch sich selbst.
Dieses ganze Wissen habe ich mir nun 2 Jahre lang erarbeitet und tue es noch. Auf diesen bezeichnenden Begriff stieß ich selbst erst vor Kurzem und will mich mit ihm gar nicht solange aufhalten, da er eigentlich keinen Erziehungsstil beschreibt sondern eine Einstellung dem Kind gegenüber. Alles was damit zu tun hat überschreibt quasi die eigenen Programmierungen durch die eigene Erziehung.  Das bringt mich nun dazu, euch meine Geschichte zu erzählen.
Ich wurde sehr autoritär erzogen. Die Eltern waren die wichtigste Instanz, Erwachsene per se glaubwürdiger und immer zu ehren. Ich habe viel gelitten als Kind, ich musste schon früh lernen, dass meine Bedürfnisse und Gefühle nicht wichtig und nicht schützenswert waren. Es war alles dabei was man sich so vorstellen kann an herkömmlicher psychischer Gewalt, hin und wieder auch Schläge. Diese Erfahrungen haben sich tief eingebrannt. Noch heute werde ich ständig damit konfrontiert, habe undefinierbare Ängste vor Chefs oder Ärzten so wie früher vor meiner Mutter und Lehrern. Ich könnte mich ja falsch ausgedrückt oder benommen haben.
Für mein Töchterchen nun wünschte ich mir schon zur Zeit der Schwangerschaft etwas anderes. Sie sollte keine Angst vor mir haben, nicht bangen müssen, nicht untröstlich sein. Ich wollte sie beschützen vor allem, was mir eine glückliche Kindheit genommen hat. Und wie das so ist, wenn man sich unbedingt abgrenzen will, aber nicht genug über Alternativen weiß, habe ich erstmal versagt.
Im ersten Jahr war ich oft überfordert und ja, ich habe mein kleines unschuldiges Baby angeschrien und war ein paar Mal grob zu ihr. Ich hatte solche Angst so zu sein wie meine Mutter, dass ich das Wesentliche aus den Augen verlor und aus der Unzufriedenheit meines Babymädchens schloss, nicht genug für sie zu tun. Das machte mich wütend, denn ich war ständig mit meinen Ängsten konfrontiert und arbeitete dagegen an, sodass ich dachte, das müsste doch zusammen mit der prompten Erfüllung ihrer Bedürfnisse genügen.
Erst nach knapp einem Jahr, als ich mich einer Fenkid-Gruppe anschloss, erkannte ich worum es wirklich geht. Nämlich: Nicht um mich sondern um mein Mädchen. Ich erkannte, dass sie nicht meinetwegen unzufrieden war, sondern ganz einfach weil sie so gern viel mehr können wollte. Ich erkannte, dass ihr Verhalten niemals gegen mich gerichtet war, dass sie nicht absichtlich quengelte wenn wir mit dem Kinderwagen unterwegs waren, in dem sie sich nicht frei bewegen konnte. Ich erkannte, dass nichts an ihrem Verhalten provokativ war. Und ich erkannte und erkenne immer wieder, dass die herkömmliche Art, sein Kind zu erziehen mich und mein Mädchen verletzt.
Und so kam ich über Literatur und Google zu "unerzogen" und endlich fühlte es sich richtig an. Für mich und sie ist es der richtige Weg. Ich hatte ohnehin so viele Ängste, dass es mir keine Angst machte, mich meiner eigenen Erziehung, Kindheit und den Eltern meiner Kindheit zu stellen. Das ist nämlich etwas, was vielen Angst macht: Die Erziehung ihrer eigenen (geliebten) Eltern zu hinterfragen, mit der Erkenntnis, dass diese oftmals nicht okay gehandelt haben. Wer keine Angst hat, oder sich nicht gut fühlt, bei dem wie er mit seinem Kind umgeht und Hintergrundinformationen braucht, warum das so ist, empfehle ich das Buch "Liebe und Eigenständigkeit" von Alfie Kohn.

Was bedeutet das nun aber für unser Leben, auch auf die Zukunft gerichtet und überhaupt, wo ist denn hier der Vater? Mein Mann und Vater unserer Kleinen ist herkömmlich traditionell eingestellt, boykottiert meinen Weg aber nicht. Da sich unser Mädchen ohnehin mehr an mir orientiert und er bis kurz vor Schlafenszeit arbeitet, gibt es da bei uns kaum Streitpotenzial. Hin und wieder weise ich ihn aber darauf hin, wenn ich sein Verhalten der Kleinen gegenüber ungerechtfertigt finde.
In unserem Alltag gibt es noch keine Kita, aber viele gleichaltrige Kinder aus unterschiedlichen Haushalten. Es gibt Besuche hier und dort, es gibt das Spielen auf dem Spielplatz. Alles birgt für uns viele Auseinandersetzungen, was mal positiv und mal negativ besetzt ist. Einfach einfach ist es nicht (mehr), wenn man sich auf unerzogen eingelassen hat. Es geht immer wieder darum, das Verhalten des Kindes zu übersetzen. Zum Beispiel, weil ich weiß, es beschäftigt die meisten immer wieder, warum will mein Kind nicht mit dem Besuchskind teilen.
Der einfache, wenn auch nicht weniger stressige, Weg ist es, das Kind zu berufen und die gebunkerten Spielsachen dann als "Machthaber" zur Verfügung zu stellen. Mein Weg ist es, mich zu fragen warum mein Kind wohl gerade ein Problem damit hat, etwas herzugeben und sie in ihrem Gefühl zu unterstützen. Auch wenn das bedeutet, dass der Besuch zurückstecken muss. Ich löse dies so, in dem ich die andere Mama bitte, ein Spielzeug ihres Kindes mitzubringen, das es dann im Gegenzug auch nicht hergeben muss. Umgekehrt halte ich es genauso und es geht wirklich viel entspannter zu. Für die Kinder an sich ist dieses Verhalten nämlich völlig normal, keines der beiden möchte unbedingt und gerne sein Spielzeug teilen. Und so kann man immer wieder eine blöde Situation retten, ohne dem Kind alle Auseinandersetzungen zu ersparen, die ja wichtig sind für die Entwicklung.

Jetzt werdet ihr mich fragen WIE mein Kind denn das Teilen lernt, wenn ich ihm die Situation derart "vereinfache". Ich behaupte, dass das von ganz alleine geht. Mit meinem Vorbild und ihrem Heranreifen wird sie schnell verstehen, wie schön es ist, etwas, an dem man Freude hat, zu teilen und ebenfalls Freude zu schenken.
Andere Beispiele, die gern herangezogen werden, sind Medien- und Süssigkeitenkonsum, selbstbestimmtes Schlafengehen und Körperpflege. Ich persönlich halte es so, dass ich meiner Kleinen die Entscheidung nicht gänzlich überlasse, aber alles zu ihren Gunsten und ihrem Spaß entscheide. Also, sie darf Fernsehen soviel sie will, aber ich suche aus, was. Sie darf (nur) eine Kinderschokolade am Tag essen, aber sie entscheidet wann. Ich wähle die Schlafenszeit, aber variiere  plus minus eine Stunde, je nach Grad der Müdigkeit oder des Tagesablaufs. Ich sage, dass ich sie wickeln oder baden möchte, aber sie hat die Wahl ob jetzt oder später, wenn sie dazu bereit ist.

Was bedeutet so eine Lösung also für die Zukunft?

Das Kind wird irgendwann etwas müssen, denken viele. Keiner wird sich dafür interessieren, warum es etwas nicht tun wollen wird. Und überhaupt, wo kommen wir denn dahin, wenn jedes Gefühl berücksichtigt wird und Mama an der Seite steht. Das geht ja im Berufsleben auch nicht mehr.

Ich bin davon überzeugt, dass unsere Kinder mit einer bedingungslosen Basis, ohne Druck, gesellschaftliche Zwänge ("müssen"), Lob und Tadel, jede Hürde, die sich im Laufe ihres Lebens ganz natürlich von sich aus ergibt, meistern werden. Ich glaube, dass das Vertrauen und den Beistand den sie jetzt, in ihren kleinen Jahren, bekommen sich tief in ihre kleinen Seelen setzt und diese schützen kann, wenn jemand ankommt, der nicht fähig ist ihre Integrität zu wahren. Ich glaube, dass sich alles fügen wird. Jeden Tag, eins zum anderen. Unterschätzt nicht eure Vorbildfunktion, unterschätzt nicht, was ein warmes, geborgenes zu Hause in den kleinen Herzen bewirkt. Für immer.




Zum Abschluss möchte ich sagen, dass wohl keine Familie ihre Vorstellung von Erziehung und Zusammenleben zu 100% verwirklichen kann. Und mir geht es da nicht anders. Jeder Tag ist ein Neubeginn, den ich mal nach meinen Vorstellungen und Wünschen verlebe und mal diesen entgegengesetzt, weil ich schwach bin. Ich halte das für natürlich, wie so vieles was uns im Leben begegnet und habe ebenso Verständnis für euch angestrengten Mamas da draußen, die ihr euch über meinen Artikel aufregt, weil ihr ihn für unrealistische Träumereien haltet. Ich kenne es zu gut, wenn einem etwas Neues Angst macht.

Ich wünsche uns allen, dass wir unseren Weg mit unserem Kind finden, auf dem wir uns wohl und sicher fühlen.

Eure Katharina

Mittwoch, 23. November 2016

geliebt - verwöhnt - verzogen

Diese Schlussfolgerung scheint in vielen Köpfen so derart fest verankert, dass es mir ein inniges Bedürfnis ist, endlich über diese Fehlinterpretation zu schreiben. Liebe, auch sehr viel Liebe, schließt Erziehung nicht aus, keinesfalls tut sie das. Jedenfalls nicht unter unserem Dach.

Oft lese ich in den Weiten verschiedener „Social-Media-Kanäle“ davon, dass aus verwöhnten Babys unselbstständige und unerzogene Kinder werden. Ich kann einfach nicht verstehen, warum man diese Dinge miteinander vermischt. In meinen Augen hat das eine mit dem anderen überhaupt gar nichts zu tun. Als es vor kurzem um das Thema Familienbett ging, konnte mich eine Leserin in den Kommentaren der Facebookseite „Liebes Leben“ doch sehr amüsieren. Sie schrieb, dass wir bei unserem übertrieben liebevollen Umgang mit unseren Kindern ziemlich entspannt sein können, schließlich müssen wir ja später nicht 5 Tage die Woche „neben diesem Arschloch“ sitzen. ;-) Herrlich. Die Dame war kinderlos, was mich gleich noch viel mehr zum Schmunzeln brachte. Sie führte ihre Meinung weiter aus, in dem sie das Familienbett als „bockigen Willen“ unserer Kinder bezeichnete, dem wir nachgeben würden.

Das natürliche Bedürfnis nach Nähe und Liebe hat also etwas damit zu tun, dass wir dem Kind seinen „Willen“ lassen. Diese Aussage ist so haltlos und schwachsinnig, dass man als weise Mutter nur schmunzeln kann. Super hingegen fand ich die Antwort der Seiteninhaberin, denn sie konterte Folgendes:

„Du bist nicht mehr auf dem neuesten Stand! Genau das ist in soziologischen Studien bereits mehrfach deutlich widerlegt worden. Kinder die geborgen wachsen dürfen, verhalten sich im späteren Leben deutlich sozialer und verantwortungsbewusster. Die Arschlöcher im Büro sind eher die, die Nähe, Gleichwürdigkeit und Verständnis nicht erfahren haben, sondern Ellenbogen...“

Besser hätte ich es nicht formulieren können, liebe Steffi! Chapeau!

Eigentlich liest man heutzutage wirklich schon sehr, sehr viel Schönes über das Empfangen der Neugeborenen und das Miteinander zwischen Eltern und ihren Kindern. Leider scheint es immer noch zu wenig zu sein. Ich möchte damit nicht sagen, dass es zu wenig Menschen gibt, die so leben und handeln wie wir. Ich möchte sagen, es gibt zu wenig Menschen, die die Hintergründe dazu kennen und verstehen.

Seinen Kindern sehr viel Liebe mit auf den Weg zu geben, heisst in keinster Weise, dass wir den Kindern keine Grenzen aufzeigen. Für uns persönlich finde ich sie sogar sehr wichtig. Es sind Grenzen in den unterschiedlichsten Bereichen. Es wird nicht gehauen, es wird in gewissen Situationen geteilt, es gibt Zeit für uns als Eltern etc...

Ich las gerade erst davon, wie eine Mama schrieb, ihre Kindern müssen bei Besuch von anderen Kindern NICHTS von ihrem Spielzeug abgeben, wenn sie es nicht wollen. Ich war vollkommen erschrocken, wie viel Zuspruch dieser Artikel fand. Für uns gilt, dass besondere Sachen, die den Kindern am Herzen liegen, gerne weggeräumt werden dürfen bevor Besuch kommt. Sie dürfen sich also gewisse Sachen schützen. Gab es beispielsweise gestern am Geburtstag die langersehnte Puppe, dann darf sie diese auch auf dem Arm halten und für sich beanspruchen, ohne sie teilen zu müssen. Aber das gesamte Kinderzimmer als Tabuzone für andere Kinder einrichten? Ich bin wirklich unglaublich überrascht und frage mich, wohin das im Erwachsenenalter führen soll, auch wenn ich damit nun bei dem einen oder anderen anecken mag.
 Schliesslich erfreut es auch meine Kinder, wenn sie woanders zum Spielen sind, dass sie die Dinge ihrer Freunde nutzen dürfen. In meinem Freundes- und Bekanntenkreis ist das im Übrigen glücklicherweise vollkommen normal.

Auch die Vermittlung von Werten, wie ich sie gelernt habe ist mir wichtig, z.B. die Höflichkeit. Für die eigenen Werte einzustehen und eigene Grenzen klarzumachen bedeutet eben auch, dass Kinder manchmal zurückstecken müssen, dass sie lernen müssen, dass sie einige Dingen einfach nicht dürfen. Für mich gehört das einfach zu einem friedvollen Miteinander dazu.

Zusammengefasst bedeutet das also, dass man trotz aller Liebe und Geborgenheit auch konsequent sein sollte und das eine gewisse Strenge von Nöten ist, um im späteren nicht immer friedlichen Strudel des Lebens nicht unterzugehen.

Aufmerksame Leser meines Blogs wissen, dass unsere Töchter hier definitiv im Mittelpunkt stehen und tagtäglich sehr viel Liebe erfahren. Hier dürfen alle beisammen schlafen, wenn sie es möchten. Hier wird mit fast 2 Jahren noch immer gestillt und bei Bedarf getragen. Viel, viel körperliche Nähe ist hier an der Tagesordnung, was heute ja leider oftmals vergessen wird. Dabei ist es das wohl Allerwichtigste, wenn es darum geht, geborgen groß zu werden.

Eltern, die nicht so ähnlich leben, wie wir, behaupten oft, die Kinder werden zu sehr verwöhnt. Verwöhnt mit Liebe? Gibt es so etwas? Kann zu viel Liebe einen kleinen Menschen für später negativ beeinflussen? Ich sage, es kommt ganz drauf an.
Für alles gibt es eben einfach eine Grenze. Wenn ich mir vorstelle, wir würden an den Wochenende regelmäßig beide Mädels erst ins Bett legen, wenn sie quasi schon im Sitzen unten eingeschlafen sind, ja dann bin ich selbst so weit, dass ich schlafen gehe. Wo bleibt da die ohnehin schon wenige Zeit mit dem Partner? Zurückstecken ja, gerne, aber aufgeben nein, danke!

Ich erwarte von der Großen trotz aller Liebe ganz klar auch Disziplin in gewissen Maßen. Und dabei bin ich durchaus sehr konsequent. Konsequenz lernt auch der Kleinsten bereits kennen, nur sind die "Anforderungen" natürlich ganz minimal. Hier werden quasi gerade die ersten Bausteine gesteckt.

Auch meine Eltern haben mich früher erzogen, es gab ganz klare Regeln und Grenzen und ich denke immer, aus mir ist ein nicht so verkehrter Mensch geworden. Ich wüsste nicht, dass es mir nachhaltig Schaden zugefügt hat, ganz im Gegenteil. Ich könnte jetzt ausholen und witzige Anekdoten und darauf folgenden Bestrafungen ausführen, aber das sprengt den Rahmen und geht am Thema vorbei. ;-) Ich finde jedenfalls, sie haben ihren „Job“ ganz gut gemacht.

Mit diesen Worten heute möchte ich unbedingt mit dem oft verbreiteten Vorurteil aufräumen, dass aus Kindern, die viel Liebe bekommen, schwache und unselbstständige Persönlichkeiten werden.

Gerade WEIL wir unsere Kinder lieben, sind wir auch konsequent. Unser Weg bedeutet, unseren Kindern zu geben, was sie wirklich brauchen. Das ist Liebe, Nähe und Zeit miteinander.


Liebe macht stark. Liebe macht selbstbewusst und sicher alles andere als unselbstständig. Liebe erdet, Liebe tut der Seele gut und eine gute Seele formt den Menschen, einen GUTEN Menschen.

Eure Julia

Sonntag, 20. November 2016

GASTARTIKEL - Wenn dein Baby in SSW 23 + 0 auf die Welt geholt wird.

Hallo, mein Name ist Conny und ich bin 28 Jahre alt. Im September letzten Jahres bin ich zum zweiten Mal Mutter geworden. Ein absolutes Wunschkind, auf das wir uns so gefreut haben. Als ich die Bestätigung der Schwangerschaft in der Hand hielt, konnte ich mich vor Freude kaum halten. Ich war die stolzeste Schwangere der Welt und kaufte direkt einen Vorrat an Umstandsmode ein. Wohl bemerkt war ich in der 6. Woche! Die Schwangerschaft verlief völlig normal. Mir ging es so lange gut bis meine Frauenärztin mich auf Protein im Urin aufmerksam machte. Ich bekam direkt eine Überweisung ins Krankenhaus und so nahm der Albtraum seinen Lauf. Ich hatte in der ersten Nacht 6 Liter Wasser eingelagert, was den Chefarzt dazu veranlagte, mich in eine Uni Klinik verlegen zu lassen. Zu diesem Zeitpunkt war ich erst in der 19. SSW. Dort angekommen begann ein Wettlauf gegen die Zeit. Meine Blutwerte (Thrombozyten) wurden immer schlechter und doch hatte ich die Hoffnung, das alles mit meinem Wunschkind zu überstehen. Zwischenzeitlich ging es mir dann tatsächlich auch immer besser.

Doch am 11. September kam alles anders. Ich hatte die schlimmsten Schmerzen meines Lebens und musste mich sekündlich übergeben. Eine Schwester entnahm mir zur Kontrolle Blut. Eine halbe Stunde später standen mehrere Ärzte an meinem Bett. Sie sagten mir, dass sie jetzt sofort einen Kaiserschnitt machen müssten, da mein Leben in Gefahr sei. Ich war geschockt! Zu diesem Zeitpunkt war ich schliesslich erst in der 23+0 SSW. Da ich Kinderkrankenschwester bin, wusste ich dementsprechend auch sofort, was das bedeutet. Für mich stand fest: Ich möchte diesen Kaiserschnitt definitiv nicht durchführen lassen. Ich habe mich wirklich dagegen gewehrt. Mein Mann wurde direkt aus dem Bett geklingelt. Man schilderte ihm alles und er sollte entscheiden. Er konnte es nicht. Wie sollte er auch entscheiden? Entweder seine Frau oder sein Kind. Furchtbar. Wir waren machtlos. Ich musste also einen Kaiserschnitt über mich ergehen lassen. Im Hinterkopf immer der Gedanke, dass mein Baby gleich sterben wird.

Um 5:38 Uhr wurde unsere kleine Maus geboren. Winzige 25cm klein und zarte 380 Gramm leicht.

Ich war so wütend. Wütend auf mich, auf die Ärzte, einfach auf die ganze Welt. Ich konnte es nicht verstehen. Wir haben gerade erst erfahren, dass wir ein zweites Mädchen bekommen und jetzt sollte alles vorbei sein?! Ich stand völlig neben mir, habe geweint und geschrien. Es war einfach unglaublich schrecklich. Meine kleines armes Mädchen in diesem Inkubator zu sehen. Sehen, wie sie leiden musste. Ich lag direkt nach der Geburt einige Minuten alleine im Kreißsaal. Ich muss dazu sagen, dass mein Mann ungefähr 1 Stunde bis zur Klinik fahren und erstmal ein „Kindermädchen“ finden musste. Ich war so froh als ich ihn dann endlich sah und brach direkt in Tränen aus. Ich war von dem Kaiserschnitt so mitgenommen, dass ich immer wieder einschlief. Nach einiger Zeit klingelten wir, da wir wissen wollten wie es um unser Kind stand Leider bekamen wir jedoch keine Informationen. Ich schickte meinem Mann auf die Station, auf der unsere Maus bereits 2 Stunden um ihr Leben kämpfte. Er kam jedoch ohne Informationen wieder. Es war so schlimm. Ich wollte wissen, wie es um sie steht, ob sie lebt und überhaupt. Alle sind uns aus dem Weg gegangen bis mir schließlich der Kragen platzte. Ich klingelte und teilte der Hebammenschülerin mit, dass ich sofort mit einem Kinderarzt sprechen möchte. Ginge dies nicht, würde ich alleine auf die Station gehen. Endlich passierte etwas. Der Arzt, der de Kaiserschnitt durchführte, betrat mein Zimmer. Bevor er sich vorstellen konnte, fragte ich ihn, ob meine Tochter leben würde. Dies bejahte er. Puuuuh, ich war so froh!! Er teilte uns mit, dass sie sehr unreif sei (...was ja kein Wunder war) und das wir die nächsten Stunden abwarten müssen. Nach dem Gespräch brachte mich eine Hebamme zu meiner winzigen Tochter. Ich befand mich in einer Art Schockstarre. Ich sah mein kleines Mädchen, das Mädchen auf das ich mich soooo sehr gefreut hatte. Sie lag in ihrem Inkubator und ich fühlte einfach nichts. Gar nichts! Ich war leer und wollte sofort wieder weg. Ich konnte mir nicht erklären, warum ich so empfand. Das ging ganze drei Tage so. Am dritten Tag sagte mir eine Ärztin, dass sie unsere Lilly beatmet müsse, damit sie sich körperlich erholen kann. (Sie hatte von Anfang an selbstständig mit einer Atemunterstützung geatmet.) Zu diesem Zeitpunkt stand ich neben dem Inkubator und brach zusammen. Ich hatte keine Kontrolle mehr über meinem Körper. Ich sackte zu Boden und fing an zu weinen, nein, ich schrie! Die Ärztin fing mich auf und versuchte mich zu beruhigen. Sie rief direkt eine Psychologin an. Ab diesem Tag hatte ich endlich Müttergefühle. Ich weinte viel. Es war eine sehr anstrengende Zeit, die nach langen 5 1/2 Monaten zu Ende ging. In dieser Zeit hat unsere Tochter mehrmals dem Tod ins Gesicht geblickt. Aber sie hat gekämpft und den Kampf gewonnen. Ich bin so stolz auf sie.

Sie war unheimlich  tapfer! 6 Operationen lagen hinter ihr, aber sie hatte es geschafft. 6 Monate nach ihrer Geburt durften wir sie mit nach Hause nehmen. Völlig gesund!!! Sie ist unser Wunder, sie ist so ein Sonnenschein. Sie hatte von Anfang an unglaublichen Willen, den Willen zu leben. Ich bin so dankbar, dass sie uns nicht genommen wurde.

An alle Mamas da draußen, die vielleicht gerade selbst vor einer Frühgeburt stehen oder gerade eineFrühgeburt erlebt haben. Seid stark, stark für euer Kind! Und wenn ihr mal weinen wollt, lasst es raus, schreit auch mal. Es nimmt ein wenig den Schmerz und es gibt vor allem neue Kraft. Kraft, die man in dieser Zeit aufbringen muss. Der Tag wird kommen, an dem diese schrekliche Zeit ein Ende findet.

Kinder sind die wertvollsten Wesen, Kinder lieben bedingungslos.

Wenn ihr mehr über uns erfahren wollt, könnt ihr mir gerne auf meinem Blog www.fruehchenwunder.de oder bei  Instagram unter „fruehchenwunder“ folgen.

Conny




P.S.: Wenn auch ihr EURE Geschichte auf meinem Blog veröffentlichen wollt, meldet euch sehr gerne per E-Mail mit einer Kurzfassung unter info@loeckchenzauber.de!


Sonntag, 6. November 2016

GASTARTIKEL - Wie viel Leid kann eine kleine Kinderseele ertragen?



Meine Tochter ist ein absolutes Wunschkind. Ich heiratete ihren Papa sehr jung, ich war gerade erst 19 Jahre alt.

Schnell wurde ich schwanger und die Vorfreude auf die kleine Bauchbewohnerin stieg von Tag zu Tag. Anfang der 37. Woche kam unser ganzer Stolz zur Welt. Es gab zwar einige Anpassungsschwierigkeiten, aber die nahmen wir gerne in Kauf.

Wir vergötterten unsere Prinzessin ab dem ersten Moment, mussten aber sehr bald mit Erschrecken feststellen, dass unsere Liebe zueinander verblasst war. Ich fragte mich auf einmal, ob das nun alles war, ob das mein Leben ist? Die Antwort bekam ich einige Monate nach der Trennung. Ich lernte meinen jetzigen Mann kennen. Zu diesem Zeitpunkt war unsere Prinzessin gerade erst 1 Jahr alt. Ihr Papa kämpfte noch sehr lange um uns, aber irgendwann verstand er, dass es für mich kein zurück mehr gab. Ich liebte meinen jetzigen Mann einfach von ganzem Herzen. Wir waren jahrelang eine sehr gut funktionierende Patchwork-Familie. Mein Mann und ich, wir wurden sogar Eltern eines kleinen Jungens. 


Doch dann kam der Januar im Jahre 2013. Schon 2 Wochen vorher bemerkten wir bei unserer damals 5-jährigen Prinzessin einige Veränderungen. Viele Ärzte suchten wir mit ihr auf, es schenkte uns jedoch keiner so wirklichen Glauben.

Irgendwann erbrach sie mehrfach, konnte plötzlich nicht mehr laufen und nahm in kürzester Zeit ab. Zudem begann sie quasi über Nacht zu schielen. Daraufhin wurde sie endlich stationär aufgenommen. Ein MRT musste her. Es war schnell deutlich, dass es schlimm sein muss. Wir hatten solche Angst, Angst um das Leben unserer kleinen Tochter. Ohne sie konnte ich nicht mehr atmen, denn nichts brauche ich mehr wie meine Kinder. 



Mein Sohn wurde zu diesem Zeitpunkt kurz vorher 2 Jahre alt.

Ich saß mit ihrem leiblichen Papa an ihrem Bett, als mehrere Ärzte hereinkamen und die alles entscheidenden Bildern in ihren Händen hielten. Als sie uns die Bilder zeigten, brach ich auf der Stelle zusammen und bekam wiederholt Beruhigungsmittel. Man hatte bei unserer Tochter einen Gehirntumor entdeckt.

Ihr Papa hielt weiterhin ihre kleine Hand. Ihm entgleisten dabei jedoch 1 Million Tränen. Eine Ärztin nahm mich zur Seite und machte mir unmissverständlich klar, dass es gerade nicht um mich geht, sondern um meine Tochter und das diese nun eine sehr starke Mami braucht.

Sie sagte, mein Ex-Mann und ich wurden auserwählt, nun diesen Weg zu gehen, wir sollen uns zusammenreissen und alle Stärke beisammen nehmen. Es waren solch harte Worte in diesem Moment, aber sie hatte Recht.
Nur eine Stunde später wurde unsere kleine Maus in ein anderes Krankenhaus verlegt und musste dort sofort notoperiert werden. Ein Röhrchen steckte in vorerst ihrem kleinen Köpfchen, es war da, um den Druck abzulassen. Es war alles wie in einem Alptraum. Mehrere Gespräche fanden statt und es war schnell klar, dass sie ohne eine weitere –richtige – OP nicht den Hauch einer Chance hat. Wir hatten also keine Wahl. Die OP wurde zwei Tage später am frühen Morgen durchgefüht.

Der Weg zum OP kam mir rasend schnell vor. Wir wollten sie beschützen, sie begleiten und nicht alleine lassen. Sie wirkte sogar fröhlich und sagte, ich solle nicht weinen, wir sehen uns später wieder. „Ich liebe dich bis zum Mond und wieder zurück.“ Das waren ihre Worte. Dieser Satz hat auch heute noch eine ganz große Bedeutung für uns.

Ihr Papa sagte noch, sie solle ganz stark sein und kämpfen. Sobald es ihr wieder gut geht, fahren wir alle gemeinsam ins Disneyland, so lautete sein Versprechen. Sie lächelte. Nun aber mussten wir sie „allein“ zurücklassen.


16 lange Stunden warteten mein Mann und ich in der Klinik, ihr Papa zu Hause. Wir zündeten Kerzen an und beteten.

Alle Bekannten und die gesamte Familie waren gedanklich bei uns und unserer Tochter. Es war sehr spät abends, als wir endlich einen Anruf bekamen. Es sieht alles ganz gut aus, hieß es. Wir atmeten auf und fingen an, Mut zu schöpfen. Sie schoben unsere Prinzessin mit unzähligen Kabeln an uns vorbei. Wir durften sie nur kurz sehen, sollten draußen vor ihrem Zimmer auf der Intensivstation warten. Doch plötzlich rannten Ärzte aus allen Richtungen in das Zimmer unserer Tochter. Ich hörte ganz viele Alarme und brach direkt fast zusammen. Wir saßen auf dem Boden und beteten laut. Gott darf sie uns nicht nehmen. Mich quälten böse Gedanken, ich sei an allem Schuld. Ich hätte sie nicht allein lassen dürfen.

Endlich ein Arzt! Sie mussten unsere Tochter reanimieren, sie sei nun aber wieder stabil. Kurz darauf durften wir zu ihr. 



Der Kopf entwickelte sich mit der Zeit prima, der Tumor war gutartig – ein pilozytisches Astrozytom 1. Grades. Wir konnten unser Glück kaum fassen. Mit der Zeit jedoch veränderte sich ihr Bein. Es wurde eiskalt, dick und blau. Um sie am Leben zu erhalten, mussten sie ihr ein Mittel in ihren Fußrücken spritzen. Mehrere Stunden verflogen, unsere Prinzessin im tiefsten Koma- Schlaf. Dann endlich reagierten die Ärzte und sagten uns, sie müsse erneut sofort notoperiert werden. Meine kleine Prinzessin, die gerade erst 16 Stunden am Gehirn operiert wurde, sollte also noch mehr Strapazen auf sich nehmen müssen. Durch die OP folgte die Diagnose „Kompartmentsyndrom“. Weitere Operationen folgten.
In dieser kompletten Zeit war mein Körper nicht mehr als eine leere Hülle. Am Tage der Tumor-Diagnose zerbrach mein Herz, eigentlich zerbrach unser komplettes Leben. Ich funktionierte nur noch, trank und aß nichts und wollte jede Minute bei meiner Tochter verbringen. Ich nahm außerdem Tabletten, um alles irgendwie zu ertragen. Diese Bilder werden für immer in meinem Kopf bleiben.


Es verging viel Zeit, aber es ging bergauf. Unsere Prinzessin kämpfte sich im Rollstuhl gefesselt zurück ins Leben. Sie nahm die Herausforderung an und schaute nicht zurück. Leider bekam sie noch einen Spitzfuß, den wir im Oktober 2013 dank Spendeneinnahmen operieren lassen konnten. Sie wird nie tanzen, springen, rennen können, so wie es andere Kinder tun. Aber sie kann laufen, immerhin ein paar Schritte.

In der Zwischenzeit haben wir unser Leben in vollen Zügen genossen. Wir unternahmen viel mit ihrem leiblichen Papa. Wir tankten Kraft und langsam traten die Erlebnisse trotz der Krebsnachsorge in den Hintergrund. Sie war so tapfer, so stark. Sie war wie ihr Papa. 

Aber es hörte einfach nicht auf. Januar 2016. Der geliebte Papa meiner Tochter erkrankte an der Lunge. Er musste mehrfach operiert werden. Es sah jedoch gut aus und man machte uns Hoffnung, dass er bald gesund nach Hause könne.



Februar. An einem Samstagmorgen bestand unsere Tochter vehement darauf, ihren Papa sehen zu dürfen. Es musste unbedingt sein, es kann nicht warten.
Wir fuhren sie zu ihm in die Klinik. Es tat beiden gut, sie war beruhigt. Ende Februar wurde er entlassen. Alles sollte wieder gut werden. Wir telefonierten sehr viel, sahen uns via „FaceTime“ am Telefon. Wir sagten uns Dinge, die gesagt werden mussten, denn ich hatte zu diesem Zeitpunkt wahnsinnige Angst ihn. Berechtigt.
Er gestand mir während dieser Zeit, mich immer geliebt zu haben, nur aus Rücksicht zu meiner Familie habe er jahrelang geschwiegen.

Dann das Unfassbare. Im März 2016 starb er, der Papa meiner Tochter. Oh Gott, wir vermissen ihn so sehr. Der Schmerz ist unbeschreiblich. Er war zwar mein Ex-Mann, aber er war immer für uns da, er war mein Freund, er war wie ein Bruder für mich. Ich saß nach dem Anruf wie versteinert im Auto. Es war 8 Uhr morgens. Gerade hatte ich meine Tochter zur Schule gebracht und rief aus Verzweiflung meine beste, nein, meine allerbeste Freundin an. Diese alarmierte während dem Telefonat den Notarzt und meine Eltern, da ich einfach keine Luft mehr bekam. Der Notarzt organisierte ein psychologisches Team, um meiner Tochter die schmerzliche Wahrheit zu sagen. Ich weinte und weinte. Ich konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen. Meine Eltern und mein Mann kamen, wir weinten zusammen. Wir waren so verzweifelt. Das durfte einfach nicht wahr sein.


Was hat mein Mädchen verbrochen, so viel Leid ertragen zu müssen?!


Ich hatte solche Panik davor, dass sie diese Nachricht nicht überstehen würde. Wir holten sie aus der Schule ab. Sie spürte sofort, dass es ernst und sehr schlimm sein muss. Ich hielt sie so fest ich konnte und sagte ihr, dass es ihrem Papa sehr, sehr schlecht ging. Ich sagte, dass er versucht habe zu kämpfen, er es aber nicht geschafft hat und nun in den Himmel gegangen ist. Sie schrie nur „NEIN, NEIN, NEIN! Hol ihn zurück, ich brauche ihn!“. Meine Tränen laufen auch jetzt noch, weil es für uns noch immer unverständlich ist. Es ist, als wäre er immer noch bei uns.

Meine Tochter ist seitdem gebrochen. Sie sagt immer wieder, dass ihr Herz so fürchterlich weh tut und sie ihn hören und anfassen möchte. Wir reden täglich über ihn. Wir weinen, wir erzählen aber auch lustige Dinge über ihn.


Mich beschäftigt seitdem vor allem die Frage, wie viel Leid ein Mensch ertragen kann?


Unsere Tochter kämpft ... und kämpft und kämpft. Ich bin ihre Mami und ich werde immer an ihrer Seite sein, ebenso mein Mann, der sie unendlich doll liebt. Und nicht zu vergessen, ihr kleiner Bruder, der hier n unserer Geschichte  etwas kurz gekommen ist, was aber nichts mit unserer Liebe ihm ggü. zu tun hat. Er ist jetzt fast 6 Jahre alt, sehr reif und wahnsinnig lieb. Für ihn ist all dies natürlich auch nicht leicht, auch für ihn sind wir da! Ich bin mir sicher, ihr Papa ist immer bei meiner Tochter und tröstet sie in den Schlaf. Es tut so weh, sein Kind so leiden zu sehen. Ich hoffe und wünsche mir sehr, dass es nun bergauf geht. Für uns alle. Ihr Papa würde nicht wollen, dass seine Prinzessin traurig durchs Leben geht.


Wir erhalten nach all dem Erlebten psychologische Hilfe, die wir aktuell dankend in Anspruch nehmen. Nach dem Tod meines Ex-Mannes haben wir seine Katze zu uns aufgenommen, es ist ein grosser Trost für meine Tochter. Wahnsinn, was Tiere uns Menschen geben können.


Ich hoffe nun, dass wir bald ins Disneyland können. Es wird Zeit unser Versprechen einzulösen. 



An dieser Stelle möchte ich einmal sagen, dass wir ohne meine Eltern, meinen Mann und den wenigen Freunden, die uns geblieben sind, heute nicht das wären, was wir sind! An euch möchte ich ein grosses Dankeschön richten!

Als letztes bleiben mir nun noch folgende Worte zu schreiben: Ruhe in Frieden, lieber N..




// P.S.: Wenn auch ihr mir eure "Geschichte" erzählen wollt, freue ich mich über eine E-Mail an info@loeckchenzauber.de!

Freitag, 4. November 2016

Fliegen mit Baby/Kleinkind - DARAUF solltet ihr achten!

Hallo ihr Lieben!

Viele Flugreisen liegen hinter uns, u.a. auch Langstreckenflüge. Erst mit einem Kind und inzwischen auch mit beiden. Das Babymädchen hat mit ihren 20 Monaten bereits Sardinien, Florida und Gran Canaria entdecken dürfen. Da ich im Laufe unserer Urlaube sehr häufig um Rat gebeten wurde, möchte ich heute einmal einiges Hilfreiches zusammenfassen.

Der allerwichtigste Tipp vorab ist Folgender: ENTSPANNT EUCH! Das ist die halbe Miete, denn seid dir entspannt, ist es auch eurer Kind - meistens. Seid ihr ängstlich und angespannt, dann merkt selbst das kleinste Baby, dass irgendetwas nicht stimmt und dann kann es wirklich zur Tortour werden. In der Ruhe liegt die Kraft, was Millionen andere schaffen, das schafft ihr auch!




Zunächst einmal solltet ihr euch online über eure Fluggesellschaft informieren. Oft werden extra Kindermenüs angeboten, die man dann online anmelden kann. Zudem kann man vorab Sitzplätze reservieren. Für die Kleinsten gibt es vorne Reihen, die eine kleine Babywanne parat haben, welche man in die Wand einhängen kann. Solltet ihr also mit einem Baby fliegen und eine solche Wanne zum Schlafen nutzen wollen, nehmt euch am besten etwas zum Auslegen mit und einen Schlafsack oder eine weitere Decke. Natürlich könnt ihr ebenso die Fleecedecken nutzen, die im Flugzeug verteilt werden. Ich fand es immer schön, wenn wir unsere eigenen Sachen nutzen konnten.
Mit einem Kleinkind gibt es je nach Maschine wesentlich bessere Plätze als die erste Reihe, schaut da unbedingt vorher mal auf den Plan online.

Ihr solltet vor der ersten Flugreise überlegen, wie oft ihr vermutlich in der "Kinderwagen- oder Buggyzeit" verreisen werdet. Bei häufigen Flügen lohnt es sich definitiv, eine extra dafür hergestellte Transporttasche für den Kiwa oder den Buggy anzuschaffen. Diese lassen sich aufgrund ihres oftmals hohen Anschaffungspreise auch gar nicht schlecht weiterverkaufen.
Andernfalls könnt ihr den Buggy oder KiWa auch in "Kofferfolie" einpacken lassen. Hierfür aber wieder - je nach Flughafen - mehr Zeit einplanen. (Wir haben da Erfahrung mit dem Aufrufen unserer Namen am Flughafen ;-)). Solltet ihr euren Buggy zwingend auch nach der Sicherheitskontrolle benötigen, habt ihr jedoch keine Chance mehr, ihn verpacken zu lassen, denn dann gebt ihr ihn direkt am Flugzeug ab. Ich empfehle unbedingt eine Trage mitzunehmen, so oder so. Den Buggy oder KiWa könnt ihr dann auf jeden Fall ordentlich verpackt transportieren. Bei unseren vielen Flügen gab es anschliessend nie irgendwelche Schäden an den Wägen. Jedenfalls kann man die Zeit nach der Sicherheitskontrolle doch super mit einer Tragehilfe überbrücken, ganz ohne KiWa oder Buggy.

Also, kommen wir zum Flug, ganz egal ob lang oder kurz. Am besten ich schreibe euch eine kleine Checkliste, was ihr auf jeden Fall dabei haben sollt:


Beginnen wir mit "Fliegen mit einem Baby":

  • Tagebuch/Tragehilfe (unabkömmlich in meinem Augen!)
  • 1-2 kleines "Kauspielzeuge", insofern sie alt genug sind dafür
  • Schnuller/Kuscheltuch
  • Wickeltasche mit dem normalen Inhalt inkl. Wechselkleidung
  • Flaschen und Milchpulver (plus Dosierungshilfe)
  • Tee/Wasser (am besten verschlossene Flaschen, die werden gar nicht erst überprüft, bereits geöffnet klappt auch, dauert nur - je nach Flughafen - etwas länger)
  • Brei (gekocht in einer Tupperdose oder im Glas), Babylöffelchen und Lätzchen
  • für Stillmamas: unbedingt auf geeignete und bequeme Stillkleidung achten (mehr dazu folgt)
  • ggf. kleine Decke, wenn ihr nicht die aus dem Flugzeug nehmen wollt
  • bei grösseren Babys vielleicht noch etwas zum Knabbern, um sie ggf. damit beschäftigen zu können (es soll ja DINKELigel geben ;-))


Fliegen mit Kleinkind:

  • Getränke (wir hatten immer 0,5L Wasserflaschen dabei)
  • Schnuller/Kuscheltuch
  • "Quetschies" (Obstbrei), wer mag
  • etwas zum Knabbern (zB Salzstangen, Kekse)
  • kleine Spielzeuge (dazu unten mehr)
  • Fragehilfe/Tragetuch
  • Wechselkleidung für den "Notfall"


Mit den o.g. Dingen sind wir sowohl bei Kurz- als auch Langstrecken immer ausgekommen. Für die Stillmamas kann ich allg. mal einen Bekleidungtipp geben. Ich ziehe grundsätzlich IMMER ein etwas längeres Trägershirt unter. (zumindest bis 30 Grad ;-)) Darüber könnt ihr dann anziehen, was ihr wollt. Das Übergezogene muss dann nämlich keine Knöpfe o.Ä. haben, da ihr es einfach hochziehen könnt, ohne halbnackt dazusitzen. Durch das Übergezogene habt ihr automatisch sogar einen Sichtschutz und braucht theoretisch nicht mal eine Mullwindel, um irgendetwas abzudecken. Finde ich nach all den Jahren noch immer super praktisch!




Zum Thema Spielzeuge bei Kleinkindern kann ich Folgendes empfehlen. An erster Stelle sind bei uns solche kleinen Steck-Matroschkas. Allerdings nicht aus Holz, sondern aus Plastik. Die Plastikfiguren sind nämlich wesentlich leichter zu stecken, den Dreh hatte sie ziemlich früh raus. Jedenfalls eine super Beschäftigung. Eine grosse Auswahl gibt es zB von OMM-Design, einfach mal bei Google eingeben.

Zudem hatten wir noch einen kleinen Stapelturm aus Holz dabei, also der ist wirklich sehr klein. Den habe ich hier in einem Geschäft gekauft, er ist vielleicht 10 cm hoch, war und ist auch immer noch sehr gern genommen. Was natürlich ebenfalls immer geht, sind kleine Pixi-Bücher. Für den wirklich langen Flug in die USA hatten wir auch ein iPad mit kleinkindgerechten Serien bestückt, das ging auch mal für den einen oder anderen Moment. ;-)

Eine Trage fand ich immer unabkömmlich, da unsere Kleine einfach immer und überall darin zur Ruhe gekommen ist. Als wir nach Sardinien geflogen sind, habe ich sie nach der Sicherheitskontrolle in die Trage gesetzt und sie hat bis zur Hälfte des Fluges darin geschlafen. Hier gilt übrigens ab dem Start dann "Eigenverantwortung". Die Flugbegleiterinnen klären mich dann immer wieder erneut darüber auf, dass wir nicht versichert sind, wenn die Kleine nicht den (fürchterlichen) Sicherheitsgurt trägt, es ist aber nicht verboten, dies nicht zu tun. Ich persönlich halte es für wesentlich sicherer und angenehmer, sie vorne fest in der Trage zu haben, ich bin dabei ja angeschnallt. Aber anderes Thema.

Auf den Langstreckenflügen ist sie in der Trage jedenfalls immer besser eingeschlafen als auf meinem Schoss. Ich bin dann erstmal auf- und abgelaufen und als sie dann eingeschlafen war, habe ich meistens die Tragegurte geöffnet, damit es für mich bequemer war.

Bei Start und Landung natürlich ganz klassisch stillen oder aber etwas zu trinken anbieten. Bei den meisten Kindern reicht auch schon das Nuckeln am Schnuller. Der Start ist ohnehin unkomplizierter und wenn die Kleine geschlafen hat, haben wir sie auch immer schlafen lassen. Ihr merkt dann schon, wenn sie etwas brauchen.

Was ich sonst noch als kleinen Tipp am Rande geben kann: Wenn ihr in die Sonne fliegt, müsst ihr unbedingt mindestens ein riesiges (!)  Mulltuch mitnehmen, die Dinger sind als Sonnenschutz einfach Gold wert. Ob um die Trage gewickelt oder über den KiWa gespannt, sie sind wirklich super! Auch her findet ihr online viele verschiedene Modelle, meistens unter der Bezeichnung "Pucktuch". Es sollte aber unbedingt ein Mulltuch sein, da es trotzdem sehr luftdurchlässig ist, was bei Wärme natürlich einen prima Nebeneffekt hat.

Wenn ihr noch Fragen habt, legt los. Wenn ich etwas vergessen habe, füge ich es gerne ein. Ansonsten bleibt mir nur noch, euch einen guten und angenehmen Flug zu wünschen! :-)

Und immer dran denken: Entspannt bleiben! Tief durchatmen und voller Vorfreude in den Urlaub starten! Wird schon schief gehen, würde meine Omi sagen. ;-)

Liebe Grüsse
eure Julia